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Global Ideas

Bienen, Hunde, Chili-Bomben: Da hilft auch keine dicke Haut?

Die Welt muss immer mehr Menschen beherbergen, doch Menschen verdrängen Tiere aus ihren Lebensräumen. Dieser Konflikt um Raum und Ressourcen sorgt für Kreativität bei Naturschützern.

Foto: Menschen bauen einen Zaun aus Bienenstöcken auf (Foto: Dr. Lucy King, www.elephantsandbees.com)

Forscher und Gemeinden arbeiten gemeinsam daran, die Zäune aus Bienenstöcken zu errichten.

Je mehr Menschen die Welt bevölkern, desto größer ist der Bedarf an landwirtschaftlichen Nutzflächen, auf denen Getreide, Reis und Gemüse wachsen oder Vieh grasen kann. Aber diese Flächen befinden sich in denselben Gebieten, durch die auch Raubkatzen und Elefanten streifen. Die Folgen sind für die Kleinbauern problematisch, weil sie ihren Lebensunterhalt, also Ernten oder Vieh, durch Tiere verlieren. Das ist das letzte, das sie gebrauchen können. Doch die Wildtiere bringt ihr Überlebensinstinkt in die Nähe der Bauern, sie werden immer dorthin gehen, wo die Nahrung ist.

Vor diesem Hintergrund ist leicht zu verstehen, dass Elefanten oder Löwen Konflikte auslösen, die zu Opfern auf beiden Seiten führen können. Lösungen, um die Bauern, ihr Land und auch die vom Aussterben bedrohten Arten zu schützen, sind schwer zu finden. Schwer, aber nicht unmöglich.

Eine geniale Idee, die nicht nur den Konflikt zwischen Mensch und Tier entschärft, sondern auch etwas mehr Verdienst für die Menschen bedeutet, ist als das "Elefanten- & Bienen-Projekt" bekannt. Dass afrikanische Honigbienen und ungleichförmige Bewegungen Elefanten nervös machen, wusste Lucy King, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung für Zoologie an der Universität Oxford. Dieses Wissen war der Ansatz, eine einfache, preiswerte Lösung zu entwickeln, um die Ernten vor den Elefantenfüßen und tierischem Appetit zu schützen.

Einen Zaun aus Bienen aufbauen

Nach Jahren der Arbeit und verschiedenen Versuchen zusammen mit kenianischen Bauern, kam King auf einen Zaun aus Bienenstöcken: eine wilde Mischung beweglicher Bienenstöcke auf unterschiedlicher Höhe. “Sie sind nicht dazu gedacht, stationär eingesetzt zu werden”, sagt King. “Der ganze Zaun ist eine knarzende, schwingende, flirrende, laute und wackelige Angelegenheit, um die ganze Farm herum.”

Kings Idee ist perfekt auf Elefanten abgestimmt, die sich schnell an Gleichförmigkeit gewöhnen können und eventuell recht bald den Bogen heraus hätten, eine immer gleiche Barriere aus Elektrozäunen zu überwinden. Der Ansatz war so erfolgreich, dass die Organisation Kenyan Wildlife Service (KWS) den ungewöhnlichen Zaun in ihren Aktionsplan für die nächsten 20 Jahre eingegliedert hat: nun werden viele dieser Konstruktionen um immer mehr kleine Farmen herum errichtet, sodass immer mehr Einheimische davon profitieren.

Foto: Lucy King steht neben ihrer Erfindung, den Bienenzäunen (Foto: Dr. Lucy King, www.elephantsandbees.com)

Mehrere Jahre hat Zoologin Lucy King mit lokalen Bauern daran gearbeitet, die Zäune aus Bienenstöcken zu entwickeln, die hungrige Elefanten von Äckern fernhalten sollen. Die unterschiedlichen Höhen der Bienenstöcke machen den Zaun zu einem ungleichmäßigen Gebilde, das die Elefanten davon abhält, sich über Getreide und Gemüse herzumachen.

“Ein weiterer Vorteil ist, dass die Bienen eine zweite Einnahmequelle für die Farm darstellen”, sagt King. “Wir haben Honig, können Kerzen herstellen und erwarten auch einen höheren Ertrag, nicht nur, weil weniger Ernte verloren geht, sondern auch, weil vermehrt Blumen und Saaten von den Bienen bestäubt werden.”

Chili-Bomben, um Elefanten zu vertreiben

Elefanten und Bienen sind aber nicht das einzige Beispiel, bei dem eine andere Spezies zum Einsatz kommt, um für Frieden zwischen Menschen und Umwelt zu sorgen. Andere Projekte setzen auf Anatolische Hirtenhunde auf namibischen Farmen, wo Herden allzu oft Opfer von Großkatzen werden.

Nach Angaben des Cheetah Conservation Fund (CFF) hat der Einsatz der Hunde, die in der Türkei bereits seit 6000 Jahren Schafherden vor Raubtieren schützen, erheblich dazu beigetragen, dass mehr Herdentiere auf Farmen überleben.

Bauern in Sambia experimentieren dagegen mit pflanzlichen Wirkstoffen, um Elefanten in Schach zu halten. Sie mixen Elefantendung mit Chili und Wasser - zu Chili-Bomben. Einmal getrocknet werden die Kugeln mit heißer Kohle entzündet und an strategischen Punkten um die Felder herum ausgelegt. Sie brennen für Stunden. Der Geruch, den diese Stinkbomben ausströmen, ist penetrant genug, um die empfindlichen Rüssel der Elefanten zu reizen und sie auf Abstand zu halten.

Im Augenblick verursacht diese Idee vor allem Kosten, weil der notwendige Chili angeschafft werden muss. Deswegen arbeiten NGOs zusammen mit dem World Wildlife Fund (WWF) daran, den Grundstoff selbst anzubauen, damit sich die Mischung am Ende auch finanziell lohnt.

Die Pflege bio-kultureller Vielfalt

Beth Kaplin leitet das Center for Tropical Ecology & Conservation an der Antioch University in Neu-England. Sie beschreibt Lösungsansätze, die das Ökosystem einerseits erhalten, aber auch die Bedürfnisse und Sorgen der lokalen Bevölkerung berücksichtigen, als Beispiele einer bio-kulturellen Vielfalt. Und das bedeutet Arbeit vor allem auf einfachster Stufe.

“Man braucht eine enge Zusammenarbeit mit den Gemeinschaften. Es gibt also nicht nur Strategien, die im Westen entwickelt und dann importiert werden”, erklärt sie. “Man hat beispielsweise eine Art, die besonders wichtig ist in einer bestimmten Kultur. Diese Art kann dann wichtig dabei werden, damit Artenschutz überhaupt eine Rolle in den Köpfen spielt.”

Wie beispielsweise bei den “Lion Guardians”. Diese Gruppe ist in Tansania und Kenia aktiv dabei, um das Töten von Löwen in Konfliktsituation zu verhindern und stattdessen eine Kultur des Wertschätzens der Tiere zu schaffen. Die Leiter des Projekts arbeiten mit Massai-Kriegern zusammen, die traditionell Löwen töten, um ihrer Rolle als Beschützer der Gemeinschaft zu unterstreichen. Mit Hilfe des Projektes erfahren die Krieger, welchen Wert die Raubtiere kulturell haben, auch für den Tourismus und für den Naturschutz an sich.

Wenn sie also nun in die Rolle der Löwenschützer schlüpfen, behalten die Massai ihre angestammte Führungsrolle bei. Mehr noch, sie beschützen nicht mehr nur Menschen, sondern auch die Wildkatzen. Die Massai arbeiten mit Bauern zusammen, um deren traditionelle Dornenbusch-Hütten, die sogenannten “Bomas”, gegen Löwen zu wappnen. Sie helfen außerdem, nach vermisstem Vieh zu suchen und überwachen die Bewegungen der Löwen. So können sie Hirten vor bestimmten, gefährlichen Gebieten warnen.

2011 halfen die Guardians dabei 244 “Bomas” zu verbessern, 99 Prozent von ihnen wurden nicht von Löwen angegriffen. 2010 und 2011 halfen sie dabei, mehr als 12.000 verlorene Herdentiere wiederzufinden und damit einen nicht unerheblichen Geldbetrag zu sparen.

“Es gibt etliche interessante Ansätze im Moment da draußen”, ergänzt Kaplin. “Sie sind zum Teil noch recht neu. Wir brauchen Langzeitstudien, aber ich denke, was wir bereits sehen, ist spannend und macht mir Mut.”