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Kultur

Biegsam bauen

Die Erde bebt. Nach den jüngsten Erdstößen weltweit raten Experten zu erdbebensicheren Gebäuden. Doch was nützen die, wenn Bauvorschriften mutwillig missachtet werden? Baustatiker Konstantin Meskouris entwirft Szenarien.

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"Absolute Sicherheit lässt sich nie ganz erreichen"

"Im Grunde genommen ist ein Erdbeben ein ungefährliches Ereignis", sagt Klaus-Günter Hinzen, Leiter der Erdbebenstation der Universität Köln."Ein Erdbeben wird erst in dem Moment gefährlich, wenn Bauwerke errichtet worden sind, die einem solchen Erdbeben nicht standhalten", erklärt Hinzen. Pfusch am Bau ist schließlich eine der häufigsten Ursachen für hohe Opferzahlen in Erdbebengebieten.

Erdbeben in der Türkei

Erdbeben in der Türkei

"Je steifer ein Haus gebaut ist, desto leichter stürzt es ein", ergänzt sein Kollege Konstantin Meskouris, Professor für Baustatik an der Technischen Hochschule in Aachen. Der Experte für erdbebensicheres Bauen vergleicht ein erdbebensicheres Haus mit einem Grashalm:" Die Grundregel besagt, dass ein einsturzsicheres Haus möglichst leicht und biegsam sein muss – es macht die Bewegung des bebenden Bodens einfach mit." Verhindert werden soll in jedem Fall, dass Menschen verletzt werden – absolute Sicherheit lässt sich dabei allerdings nie ganz erreichen.

Mißachtete Bauvorschriften

Erdbeben in Bingol, Türkei Zerstörtes Schulgebäude

Erdbeben in der Türkei

Einig sind sich die Experten über die Notwendigkeit ausreichender Sicherheitsstandards bei den Bauvorschriften. Und die entsprechen in den meisten Ländern inzwischen durchaus den gängigen europäischen Standards. Der Grund warum jedoch immer wieder Häuser nach Erdstößen nachgeben und Menschen unter sich begraben ist recht banal: Die Bauvorschriften werden einfach nicht eingehalten.

"In Ländern mit einem nicht so hohen Stand der Entwicklung kann es vorkommen, dass jemand von der Motivation her nicht so sehr den langfristigen Gesichtspunkt der Werterhaltung betrachtet. Er ist vielmehr damit zufrieden, dass sein Gebäude die nächsten vier oder fünf Jahre, so lange es kein starkes Erdbeben gibt, einigermaßen passabel aussieht", erklärt Meskouris.

Szenario in Köln

Dem Pfusch am Bau kann man nach Meinung Meskouris vorbeugen. Versicherungen sollten die Erdbebentauglichkeit der Gebäude selbst untersuchen. Dann könnten sie die Höhe der Versicherungsprämie festlegen. In vielen Ländern sind die Gebäude allerdings gar nicht versichert. Und vielfach gibt es nicht einmal genug Ingenieure, die die Gebäude überhaupt untersuchen können.

Versicherungsprämien hin oder her – im Fall eines schweren Erdbebens wäre auch in Deutschland mit schweren Schäden zu rechnen. Mit möglichen Erdbebenszenarien beschäftigt sich Baustatiker Meskouris:"Ein Beben in der Nähe von Köln mit Magnitude 6,4 zum Beispiel könnte um die 15 Milliarden Euro an Kosten erzeugen. Das hängt davon ab, wie flach das Beben ist, wie groß die Beschleunigungen vor Ort sind und natürlich auch, welches Bauwerk es gerade erwischt." Beben solcher Stärke sind in Deutschland allerdings sehr selten – sie treten nur etwa alle 100 Jahre auf.

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