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Fokus Südosteuropa

Beziehungskrise zwischen Serbien und Kroatien

Scharfe Worte und gegenseitige Vorwürfe. Das Verhalten von den Politikern in Serbien und Kroatien zeigt ganz eindeutig, dass die Beziehungen zwischen den beiden Ländern angespannt sind. Was ist der Grund dafür?

Boris Tadic und Ivo Josipovic schütteln sich die Hände. (Foto: ap)

Boris Tadic und Ivo Josipovic wollen die Beziehungen verbessern

Am Jahrestag der Rückeroberung der serbischen Krajina durch Kroatien würdigte die kroatische Ministerpräsidentin Jadranka Kosor in Knin die Generäle Ante Gotovina und Mladen Markac. Wegen des Lobs für die mutmaßlichen Kriegsverbrecher stieß sie auf heftige, aber gerechtfertigte Kritik aus Belgrad, meint Aleksandar Popov, der Co-Vorsitzende von der Igman Initiative (ein Zusammenschluss von über 100 Nichtregierungsorganisationen, die an der Herstellung der Beziehungen der ex-jugoslawischen Länder arbeiten). ''Genau deswegen raten wir den Politikern in der Region solch schwere Rhetorik zu vermeiden, denn sie hat noch keinem gut getan.''

Für die Verschlechterung der serbo-kroatischen Beziehungen gibt es mehrere Gründe, glaubt Nikola Jovanovic, Herausgeber der Zeitschrift ''Herausforderungen der europäischen Integration''. Einerseits liege die Rückwärtsentwicklung an der kroatischen Regierungschefin Jadranka Kosor selbst. Sie versuche die meisten Stimmen von der rechten und extrem rechten Wählerschaft zu gewinnen und somit radikalisiere sie ihren eigenen Diskurs, meint Herausgeber Nikola Jovanovic.

Die Mission ''EU'' als Spannungsfaktor

Fotomontage: Flagge von Kroatien und Flagge der EU übereinander. (Grafik: dw)

Kroatien hat die Beitrittsverhandlungen beendet

Andererseits spielt das Kosovo-Problem auch eine Rolle für die immer kälter werdenden Beziehungen zwischen Serbien und Kroatien. Laut Jovanovic versucht Kroatien die aktuelle unklare Situation im Kosovo auszunutzen, sei es durch politische Initiativen oder durch den Export von kroatischen Waren in das Kosovo.

Ein nicht zu unterschätzender Faktor sei aber auch die Annäherung Kroatiens an die EU-Mitgliedschaft. Nikola Jovanovic: ''Der Abschluss von den Beitrittsverhandlungen wird in gewissem Maße von einem Favorisieren des Nationalismus begleitet. In Kroatien gab es viele Beobachter, die vorhergesehen haben, dass sich eines Tages das neue Selbstbewusstsein in Nationalismus verwandeln würde. Deswegen bin ich der Meinung, dass die Beitrittsverhandlungen auch ein Grund für die Verschlechterung der Beziehungen zwischen den beiden Staaten sind.'' Während Kroatien seine Beitrittsverhandlungen im Juni beendet hat, ist der Weg zur EU für Serbien ziemlich weit.

Politische Manöver

Das ''heiß-kalt-System'' sei nichts Ungewöhnliches, wenn es um die Beziehungen der Länder in dieser Region Europas geht, sagt Aleksandar Popov. ''In Kroatien werden Vorbereitungen für die kommenden Parlamentswahlen getroffen. In Serbien wird Anfang nächsten Jahres auch gewählt. Oft werden außenpolitische Beziehungen für innenpolitische Zwecke missbraucht'', sagt Aleksandar Popov. ''Dieser Trend wird einige Zeit andauern, bis die Wahlen in Kroatien abgehalten werden. Die Machtinhaber in Serbien sollten auch darauf Acht geben, wie ihre Wählerschaft auf gewisse Haltungen reagieren würde'', warnt Aleksandar Popov.

Die Länder in der Region teilen das gleiche Schicksal, unabhängig von Kroatiens Beitritt in die EU, meint Nikola Jovanovic. Das heißt, dass alles, was sich derzeit ereignet, keinen dauerhaften Einfluss auf die zwischenstaatlichen Beziehungen in der Region haben sollte, erklärt er. ''In diesem Zusammenhang, langfristig gesehen, sind die Länder in der Region auf eine Zusammenarbeit eingestellt, und nicht auf Konflikte. Ich hoffe, dass sich die serbo-kroatischen so wie die serbo-albanischen Beziehungen auf Dauer verbessern werden'', so Nikola Jovanovic.

Zwei Optionen

Porträt von Jadranka Kosor. (Foto: ap)

Jadranka Kosor steht in der Kritik

Durch den Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Serbien und durch die Unklarheit über die weiteren Schritte des Landes in Richtung EU-Mitgliedschaft sei der Grad an Nervosität gestiegen, findet Aleksandar Popov. ''Die Nachbarstaaten müssen Rücksicht auf die Empfindlichkeit Serbiens nehmen, denn für das Land besteht die Gefahr, einen Teil des Territoriums zu verlieren. So könnte man etwas mehr Nachdenklichkeit in manchen Aussagen erwarten, sei es bei dem Besuch im Kosovo oder bei anderen Gelegenheiten'', sagt Popov.

Nikola Jovanovic meint, dass die Nachbarn Serbiens nun zwei Optionen hätten. Die erste Option: sie missbrauchen die Empfindlichkeit von Belgrad und provozieren Serbien so, dass sich das Land wieder als Problem in der Region erweist. Die zweite Option: sie zeigen mehr Verständnis für das Problem rund um das Kosovo und um die europäische Integration von Serbien. Nikola Jovanovic glaubt aber, dass die Mehrheit der Nachbarstaaten im Namen der lang anhaltenden und guten Beziehungen die zweite Option wählen sollte.

Autor: Ivica Petrovic

Redaktion: Yordanka Yordanova

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