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Deutschland

Bewertungsportale: Kaufen und glücklich sein?

Nichts interessiert einen Kunden mehr als das, was andere Kunden erlebt haben. Trotz Beratung in den Fachmärkten gucken viele im Netz nochmal nach. Nach diesem Motto hat auch unsere Reporterin in letzter Zeit konsumiert.

Eine Wand von vielen verschiedenen Fernseher-Modellen (Foto: dpa)

Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser

Persönliche Erfahrungen mit Dienstleistungen aller Art findet man im Netz auf Hunderten von Bewertungsportalen. Sie heißen Ciao, Dooyoo, DocInsider, Holidaycheck, Autoplenum - um nur einige zu nennen. Ob ich mir eine Kamera kaufen will, ein neues Auto oder ob ich einen guten Zahnarzt suche - über alles und jeden kann ich mir genügend Infos besorgen und mir so die Entscheidung leichter machen.

Ich wollte mir einen neuen Fernseher kaufen. Mein liebster Online-Shop hatte so einen schönen LCD-Fernseher im Angebot. Zunächst stellte sich die Frage: Gibt es den noch irgendwo billiger? Schnell habe ich bei "ciao.de" die Preise verglichen: Das Angebot war wirklich sensationell. Nächster Schritt: Im Online-Shop habe ich mir die Kundenrezensionen durchgelesen. Da schrieben fast alle, die den Fernseher schon hatten, dass es ein Supergerät sei. Zack, war das Ding gekauft. Ich bereue es bis heute nicht.

"Geht brachial"

Bugatti Veyron (Foto: Volkswagen AG)

Lieber diesen hier?

Das gleiche habe ich gemacht, als ich mir ein neues Auto zulegen wollte. Auf der Seite "autoplenum.de" findet man - so scheint es - zu jedem Modell, das überhaupt je gebaut wurde, einen Eintrag. Ich habe aus Neugier mal bei den Sportwagen geguckt und stieß auf Sätze wie: "Der Bugatti Veyron ist wunderschön, geht brachial, klingt extrem, aber ist so sinnlos wie ein Kropf."

Für den 1000-PS-Luxus-Flitzer hatte ich aber nicht genug Geld. Also habe ich mich auf einen Mittelklasse-Kombi festgelegt. Neben dem Preis interessierte mich natürlich alles Mögliche über den Wagen, das wirklich wahrheitsgetreu nicht unbedingt in der Werbung zu finden ist.

VW Touran erstes Modell von 2003, ein praktischer Großraum-Kombi (Foto: dpa)

Oder lieber praktisch?

Was verbraucht er wirklich, wie oft muss er in die Werkstatt, wie ist das Fahrverhalten, wie liegt er in den Kurven, wie gut kommt er den Berg rauf, wie hoch sind die Unterhaltungskosten oder wie viele Bierkisten passen in den Kofferraum. Alle diesen Fragen haben mir die User von "autoplenum.de" beantwortet und schließlich konnte ich mich entscheiden. Und auch das war kein Fehler gewesen, das Auto schnurrt und schnurrt.

" Ein Rattenloch"

Als ich mit einer Freundin eine Reise nach Mauritius plante, stellte sich für uns die Frage: Wo übernachten wir? Kein Problem: Im Netz gab es jede Menge Angebote, egal ob im Hotel oder ein einer Privatunterkunft. Wir haben etwas entdeckt, das sich toll anhörte, dann aber sicherheitshalber noch die Bewertungen auf "holidaycheck.de" gelesen. Was uns den Urlaub gerettet hat: "In der Sitzecke gibt es Flöhe. Nach einigen Minuten sind die Beine leiterförmig zerstochen. Am unangenehmsten waren die Ratten, die ständig in Richtung Küche flitzten und dann unter den Füßen der Gäste hindurch zurück in ihre Löcher rannten."

Hotelstrand mit Palmen auf Mauritius (Foto: ap)

So manches Foto kann auch täuschen

Schnell haben wir uns etwas anderes ausgesucht, kurz gecheckt, durchweg positive Bewertungen gefunden und dann einen Traumurlaub in einer wunderschönen kleinen Appartementanlage mit Palmengarten und Pool in Strandnähe für wenig Geld verbracht.

Feinkost mit Misstönen

Auch wenn man nicht so weit weg will, sondern nur überlegt, in welchem Restaurant man am Abend essen gehen soll oder wo man den besten Espresso bekommt, findet man Hilfe. Auf "qype.de" werden Gaststätten, Geschäfte und Orte bewertet. Das ist für mich das unterhaltsamste aller Bewertungsportale: Hier bekommt man die ganze Wahrheit geliefert - denn hier können Beiträge kommentiert werden.

So schaute ich einmal virtuell bei einem italienischen Feinkosthändler vorbei. Da stand unter anderem, dass das alles schon sehr nett und herzlich sei, dass es wirklich sehr leckere Sachen gäbe und der Chef immer einen fröhlichen Spruch auf den Lippen habe. Der zweite Absatz barg dann ein wenig Kritik: "Ich hatte mir den Fauxpas erlaubt, nach Instant-Espresso-Pulver zu fragen. Oh je, mit soviel Abscheu wurde ich selten bedacht... Tja, und da glaube ich nicht, dass diese Freundlichkeit echt ist." Daraufhin gab der Chef einen zutiefst beleidigten Kommentar ab: "Bei mir gibt es nur echte italienische Produkte. Wenn Sie sowas suchen, müssen Sie in den Discounter gehen."

Schwarze Schafe

Biergarten in Köln (Foto: DW)

So gehört sich das: Volle Gläser, zufriedene Gäste

Ich habe diesen Laden nie betreten. Ich war auch nie in der Kneipe, über die zu lesen war, dass es dort nach Klostein riecht und habe nie in dem Biergarten gesessen, wo man offenbar mehr als eine halbe Stunde lang für die Kellner völlig unsichtbar ist. Dafür kann mein neuer Zahnarzt tatsächlich die Spritzen so setzen, dass man nichts davon merkt. Der mp3-Player meines jüngsten Sohnes läuft immer noch und der hochgelobte Kopfhörer hat für seine 29 Euro wirklich einen spitzenmäßigen Klang.

Und mein neues Notebook macht mich genau so glücklich wie diesen Menschen, der sich nach dem Kauf zu folgenden Sätzen hinreißen ließ: "Ein traumhaftes Stück Technologie! Ich kann nur sagen: Kaufen und glücklich werden!"

Notebook (Foto: dpa)

Bei aller Begeisterung für diese Art der Bewertungen - nämlich von Kunden für Kunden - stellt sich dennoch die Frage: Wer schreibt da nun wirklich? Sind es Hotelbesitzer, die sich selber unter vielen verschiedenen Decknamen haufenweise 5-Sterne-Bewertungen geben? Oder sind negative Kommentare einfach Rachefeldzüge von Konkurrenten?

Aber auch das beste Restaurant hat schließlich mal einen schlechten Tag. Dumm, wenn ausgerechnet dann jemand eine negative Bewertung abgibt. Wenn die anderen Kommentare dazu aber durchweg positiv sind, kann man ruhig dahin gehen. Meine Erfahrung sagt mir: Je mehr Bewertungen vorhanden sind, umso verlässlicher die Informationen. Ich werde es immer wieder so machen, egal, was ich noch kaufen werde, wohin ich fliegen will oder welcher Friseur mir als nächstes die Haare schneiden soll.

Autorin: Silke Wünsch
Redaktion: Kay-Alexander Scholz