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Bewegung

Bewegung gibt es nicht nur im Sport. Auch der Verkehr bewegt sich, mal schnell, mal langsam. Ausmachen kann man immer verschiedene Bewegungstypen: Raser, Drängler, Mittelspurfahrer, Schleicher …‎

Ein Radarblitzgerät unter einer Autobahnbrücke

Zu schnelle Bewegungen können teuer werden!

Der frühere Bundespräsident Roman Herzog forderte 1997 in seiner "Berliner Rede", es müsse ein "Ruck durch Deutschland gehen". Ein Ruck ist eine plötzliche Bewegung, nicht selten birgt er etwas Überraschendes und Unangenehmes. Natürlich meinte Herr Herzog etwas anderes: Einen Ruck in den Köpfen, einen ideellen "Ruck", eine gemeinsame Kraftanstrengung, die lang Erstarrtes wieder in Bewegung versetzt.

Hau-Ruck-Mentalität

Aber weg von Bewegung in Politik und Gesellschaft hin zur Bewegung im Alltag. Zum Beispiel auf Autobahnen und in öffentlichen Verkehrsmitteln. Man denke nur an ruckartig anfahrende Straßenbahnen im Berufsverkehr. Da lässt sich mitunter schmerzhaft erfahren, was das Gesetz von Masse und Trägheit für Auswirkungen haben kann. Wer nicht schon sitzt oder sich an einem Haltegriff gesichert hat, prallt willenlos auf einen Fahrgast oder haut sich Knie und Ellenbogen an.

Nicht uninteressant ist auch, wie sich etliche Zeitgenossen da wie dort verhalten, etwa beim Einsteigen in Bus und Bahn. Ein- und Aussteigen sind Bewegungen. Diese sollten normalerweise reibungslos verlaufen. Von wegen. Eile und Rücksichtslosigkeit gepaart mit der weit verbreiteten "Hoppla-Jetzt-Komm-Ich-Mentalität" führt im Ergebnis oft zu Geschiebe, Gequetsche und Geschubse – begleitet von nicht gerade freundlichen Kommentaren.

Drängeln als Sport

"Gedränge“, "Drängelei“ und "Drängeln“ hält die deutsche Sprache als Ausdrücke für menschliches Miteinander solcher Art bereit. Wer um jeden Preis vorwärts- oder wegkommen, sich fortbewegen will oder muss, der drängelt. Drängeleien können harmlos sein, aber was passieren kann, wenn eine in Panik geratene Menschenmenge im Fußballstadion zu den Ausgängen drängt, das wissen wir alle.

Aber bleiben wir bei den alltäglichen, wenngleich keineswegs ungefährlichen Drängeleien und Dränglern. Die gibt es bekanntermaßen auch auf den Autobahnen. Der Drängler ist jemand, der einen vor sich braucht, um ihn hinter sich zu lassen. Zwanghaft heftet er sich deshalb an das Nummernschild seines Vorfahrers, bis dieser rechts rüber fährt und ihm den ersehnten Blick auf den nächsten freigibt.

Ich bin hier und kann nicht anders

Der Drängler kann nicht anders als sich – im Auto – auf diese Art fortzubewegen. Der Autobahndrängler liebt außer dichtestem Auffahren die Geschwindigkeit, und zwar bis zur Raserei. Drängeln und rasen, das gehört zusammen.

Nun erlauben die Zustände auf unseren Schnellstraßen immer seltener eine zügige Fortbewegung. Der stockende Verkehr auf so und so vielen Kilometern Länge ist an der Tagesordnung. Von den Megastaus ganz zu schweigen. Da muss auch der Drängler und Raser zähneknirschend ausharren oder der notorische Lichthuper eine Weile auf sein Lieblingsspielzeug verzichten.

Die Geschichte vom Hasen und vom Igel

Auch der Kolonnen- oder Lückenspringer, der ansonsten im dichten Verkehr wie ein Hase von einer Spur auf die andere wechselt, natürlich ohne zu blinken, hockt zum Stillstand verdammt in seinem tiefer gelegten Flitzer und wäre doch so gerne in der Formel-1 zugange. Und während sie alle aufs Lenkrad trommelnd warten, kommt der Schleicher gemächlich auf seiner rechten Spur dahergefahren und steht nun auch. Hat er nicht immer schon gewusst, dass die Raser auch nicht schneller ans Ziel kommen?

Wenn sich der Stau dann aufgelöst hat und der Verkehr wieder fließt – er fließt immer nur ein Weilchen, dann staut er sich wieder – in dieser kurzen Zeitspanne werden wir noch eines anderen Fortbewegers gewahr, der auf die stille Art zu nerven weiß. Es ist der Mittelspurfahrer. Für ihn scheinen drei Spuren das höchste Glück zu sein.

Der Schleicher

Da kann er in aller Ruhe die mittlere genießen. Wir sehen ihn, wenn auch die meiste Zeit von hinten, entweder das Lenkrad verkrampft haltend oder aber gewissermaßen zufrieden-glückselig lächelnd, mit 90 bis 100 Stundenkilometern dahinzockeln. Wenn es uns gelingt, ihn schließlich zu überholen, schicken wir ihm einen strengen stirngerunzelten Blick hinüber. Diesen "Du Idiot, nimm doch endlich die rechte Spur"- Blick. Doch was stört es ihn – oder sie. Man gelangt schließlich auch so in seinem Fahrzeug von A nach B. Ganz ohne zu drängeln. Auch, wenn der Motor einmal ruckelt.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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