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Politik

Bewegung in Nordkoreas Familiendynastie

In Nordkorea gibt es Hinweise, dass der zweite Sohn von Machthaber Kim Jong Il dessen Nachfolger werden könnte. Funktionäre würden Bilder von Kim Jong Chol aufhängen, berichten südkoreanische Medien.

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Nordkoreas Präsident Kim Jong Il

Unmittelbar bevor Kim Jong Il die Regentschaft Nordkoreas übernahm, formierten sich die Vögel im Himmel zu seinem Schriftzeichen und die Fischer zogen eine gewaltige Seegurke aus dem Meer, die sein Abbild trug - so will es zumindest die Staatspropaganda. Momentan wartet Nordkorea noch auf solche Zeichen der Natur, doch in dem international isolierten Land deutet sich eine Regelung der Nachfolge für Machthaber Kim Jong Il an. Nach Angaben des südkoreanischen Blattes "Chosun Ilbo" vom vergangenen Dienstag (17.1.), würden Funktionäre Bilder vom zweiten Sohn des Machthabers Kim Jong Chol aufhängen. Sie befänden sich gleich neben den Porträts des "Geliebten Führers" und dessen Vater, Kim Il Sung, der auch nach seinem Tod 1994 noch als "Großer Führer" verehrt wird.

Indizien

Südkoreaner patroullieren an der demilitarisierten Zone Panmunjom

Das Land ist international fast völlig isoliert

Überprüfbar sind solche Angaben nicht - wie fast immer im Fall Nordkoreas. Das Land ist fast komplett abgeschottet, und gerade über Personalfragen wird dort nicht vorzeitig öffentlich gesprochen. Ein weiteres Indiz ist, dass dieser zweite Sohn bereits an einigen wichtigen Empfängen, etwa für den chinesischen Präsidenten, teilgenommen hat.

Wenn Kim Jong Il am 16. Februar seinen 63. Geburtstag feiert, werden die Gäste sehr genau beobachten, ob er auf einen seiner drei Söhne verweist. Denn in eben jenem Alter hatte sein Über-Vater den linkischen Sohnemann Jong Il offiziell zum Nachfolger ernannt.

Die drei Brüder

Aussichtsreichster Kandidat für dessen Nachfolge ist den Gerüchten zufolge tatsächlich Kims zweitältester Sohn, Kim Jong Chol. Er übt bereits eine hohe Funktion in der alleinregierenden Arbeiterpartei aus und wird momentan angeblich auf kommende Aufgaben vorbereitet. Kim Jong Chol ist vermutlich 24 Jahre alt. Seine Mutter ist die zweite Geliebte Kim Jong Ils, eine hübsche Tänzerin, die in Nordkorea als "Geliebte Mutter" verehrt wird.

Kim Jong Chol erhielt seine Schulausbildung an der Internationalen Schule im schweizerischen Bern. Er gilt inzwischen beim internen Machtkampf als nicht gerade zimperlich - vielleicht auch, weil sein Vater einmal gesagt haben soll, er sei zu mädchenhaft, um die Macht zu übernehmen.

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Wer wird der Nachfolger von Nordkoreas Präsident Kim Jong Il?

Sein leiblicher Bruder, Jung-Un, wurde ebenfalls in Bern ausgebildet. Bilder von ihm gibt es nicht - aber mit 21 Jahren ist er wohl noch zu jung, um in das Rennen einzugreifen.

Machtübergabe kann Jahre dauern

Denn da ist noch der älteste Sohn Kim Jong Nam, der aus der ersten Beziehung des Vaters mit einer Schauspielerin hervorging. Diese gilt allerdings heute als "politisch unzuverlässig". Und so werden dem fettleibigen 34-Jährigen kaum Chancen eingeräumt, obwohl er der älteste Sohn ist. Er hat zwar ebenfalls ein Internat in der Schweiz besucht, spricht Englisch und Japanisch, doch er fiel vermutlich 2001 in Ungnade, als er auf Tokios Flughafen mit einem gefälschten dominikanischen Pass verhaftet wurde. Angeblich wollte er das japanische Disneyland besuchen. Im vergangenen Dezember entkam er nur knapp einem Attentatsversuch in Wien.

Der Machtkampf ist aber noch nicht entschieden. Inzwischen sollen sich in Nordkorea sogar leise Zweifel mehren, ob eine erneute dynastische Machtfolge überhaupt sein müsse. Die letzte Machtübergabe hatte sich rund 20 Jahre hingezogen.

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