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Sport

Bewegung einfangen

Wer sich für die Wettkämpfe der Leichtathletik-WM nicht begeistert, der kann sich unter dem Motto "Körper – Kunst der Bewegung" im Kulturstadion dem Thema Leichtathletik mal anders nähern.

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Sport abstrakt

Sie erregen Aufmerksamkeit, sind aber nicht aufdringlich: Die Plakatstelen auf dem Mittelstreifen des Boulevards Unter den Linden. Doch die Fotos sind so bewegend, dass man einfach stehen bleiben und sie lange betrachten muss. "Es zieht dich einfach in den Bann, es ruft dich förmlich. Ich denke, das ist auch der Zweck dieser Ausstellung“, erklärt eine Touristin aus England.

Foto-Ariana-Friedrich

Hochspringerin Ariane Freidrich auf einem Ausstellungsbild

Besonders ein Bild von Ariane Friedrich, das die Hochspringerin nach ihrem Rekordsprung zeigt, wo ihr genau das bewusst wird, fasziniert die Frau. "Man sieht, dass sie überrascht ist, spürt ihre Stärke und auch das sie was großes erreicht haben muss.“

So etwas hört Thomas Friedrich gerne. Er hat die Open-Air Ausstellung "In Bewegung/In Motion“ realisiert. Die Ausstellung zeige einen Querschnitt durch die Geschichte der Leichtathletikfotografie seit 125 Jahren, erklärt er. "1884 haben es die Pioniere geschafft, bewegte Menschen mit der Kamera festzuhalten.“

Momentaufnahmen

Die Leichtathletik und die Fotografie gehörten eng zusammen, meint Friedrich. "Weil die Leichtathletik in dem Augenblick populär wurde, als die Fotografie zum Massenmedium wurde.“ Die Ausstellung zeigt aber keine repräsentative Geschichte der Leichtathletik-Fotografie, sondern eine Auswahl der herausragendsten Leichtathletikaufnahmen seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert. " Ist schon ne coole Ausstellung“, meint ein junger Student. "Ich fotografiere selbst gerne und ich finde es immer spannend Bewegung einzufangen.“

Ausstellungsbild-abstrakt 1

Etwas gediegener ist die zweite Ausstellung, die in das Kulturprogramm für die Leichtathletik-Weltmeisterschaft aufgenommen wurde. "Run, Jump and Throw“ heißt die Sammlung internationaler zeitgenössischer Künstler im Roten Rathaus. Sie zeigt die Ästhetik von Kunst und Sport aus unterschiedlicher kultureller Sicht. "Man muss sich dran gewöhnen. Es ist nicht ganz mein Geschmack, etwas zu modern, zu abstrakt. Ich hatte mir eher etwas Realeres vorgestellt, aber das ist ja Geschmackssache“, meint ein Besucher. Andere hingegen beeindruckt die Individualität der Bilder. "Es zeigt persönliche Ansichten und Aspekte, die ein Künstler mit dem Thema Leichtathletik in Verbindung bringt – interessant.“

Weniger um Kunst als um Information geht es in der dritten Ausstellung im Rahmen des Kulturprogramms. "Vergessene Rekorde“ heißt sie und zeigt das Schicksal von drei jüdischen Sportlerinnen, die in den Zwanziger und Dreißiger Jahren des vergangen Jahrhunderts Leichtathletik-Stars waren – aber von den Nationalsozialisten um ihr sportliche und soziale Anerkennung gebracht wurden und fast in Vergessenheit geraten sind.

Tartanbahn vor dem Brandenburger Tor

Kulturmeile

Die Kulturmeile am Brandenburger Tor

Doch Kultur ist nicht nur Kunst, sondern auch Musik – das mögen sich die Veranstalter des Kulturprogramms gedacht haben und haben für die seichtere Unterhaltung vor dem Brandenburger Tor eine Tartanbahn nachgebaut. Auf dieser Bahn befindet sich eine große Bühne, auf der abwechselnd Bands oder Moderatoren ihren Auftritt haben. Darüber hinaus gibt es viele Aktionen, in denen versucht wird, die Berliner und Touristen zum Mitmachen zu aktivieren. So zum Beispiel ein Lauf, initiiert von der Welthungerhilfe: Jeder Teilnehmer sucht sich einen Sponsor, der seine Runden auf der Tartanbahn mit barer Münze belohnt. Das Geld kommt Hilfsprojekten in Mali, Indien, Ecuador und Ruanda zu gute. "Eine tolle Sache“, findet ein Südkoreaner, dessen zwei Kinder bei der Aktion mitmachen.

Einen Besuch im Olympiastadion ersetzt das Kulturprogramm natürlich nicht. Von Wettkampfatmosphäre, Jubel und Enttäuschung der Athleten ist hier nichts zu spüren. Aber es führt erfolgreich viele tausend Berliner und Touristen zusammen und bringt ihnen die Faszination der Leichtathletik nahe.

Autor: Sarah Faupel

Redaktion: Wolfgang van Kann

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