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Europa

Bewegende Trauerfeier für MH17-Opfer

Es war eine Gedenkfeier der Familien, voller Trauer und Emotionen. Auch vier Monate nach dem Absturz der Maschine MH17 in der Ostukraine dauern die Ermittlungen an, wohl noch bis Ende 2015. Aus Amsterdam Barbara Wesel.

Der 17. Juli 2014 war ein schwarzer Tag in der niederländischen Geschichte: Rund 1600 Angehörige erinnerten am Montag (10.11.2014) mit 298 Kerzen an die Opfer der abgestürzten malaysischen Passagiermaschine MH17. Es war eine bewegende Zeremonie in einem Konferenzzentrum am Rande Amsterdams. Die Gedenkfeier sei allen Toten des Unglücks gewidmet, hieß es zu Beginn der Veranstaltung, 193 Opfer waren Niederländer, die anderen stammten überwiegend aus Malaysia und Australien.

Das holländische Königspaar, Prinzessin Beatrix, der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte, Politiker aller Parteien und die Botschafter der betroffenen Länder nahmen daran teil. "Gemeinsam sind wir entsetzt, gemeinsam sind wir wütend und gemeinsam sind wir still", sagte Rutte. Die Familienmitglieder hatten die Trauerfeier weitgehend selbst gestaltet. So erinnerten mehrere Angehörige an die Menschen, die sie durch den Absturz der Passagiermaschine in der Ostukraine verloren hatten. "Das ist ein Meilenstein für die Verarbeitung, ein wichtiger Moment", sagte der Vertreter der Opferhilfe Victor Janner vor Beginn der Feier. Angehörige waren es auch, die die Namen aller Toten feierlich verlasen.

Weiter Suche nach den Verantwortlichen

Seit Tagen stehen die Niederlande wieder im Zeichen der Erinnerung an den 17. Juli, denn immer noch ist nicht klar, wer und was damals den Absturz verursacht hatte. Einmal mehr suchte jetzt ein Expertenteam an der Absturzstelle nach weiteren Überresten der Toten und Wrackteilen. Die Fachleute hatten wegen der anhaltenden Kämpfe ihre Arbeit bereits mehrfach abbrechen müssen, auch diesmal konnten sie ihre Mission nur bis zum Wochenende durchführen, dann zogen sie sich zurück Die Sicherheitslage war zu kritisch geworden.

Am Samstag (08.11.2014) hatten die Ermittler erneut sterbliche Überreste nach Eindhoven ausgefliegen lassen. Dort sollten sie von Gerichtsmedizinern identifiziert und später den Familien übergeben werden, wie der niederländische Außenminister Bernd Koenders ankündigte. Neun der Opfer sind noch nicht gefunden worden, und der Minister räumte am Samstag bei seinem Besuch an der Unglücksstelle vor Medienvertretern ein, er sei nicht sicher "wann und ob auch diese letzten Opfer geborgen und identifiziert" werden könnten.

Unklar ist auch, wann mit der Bergung der Wrackteile begonnen werden kann. Ziel ist, die fünf Eisenbahnwaggons voller Flugzeugteile, die derzeit in Charkow stehen, in die Niederlande zu bringen und dort die gesamte Maschine wieder aufzubauen. Davon erhoffen sich die Ermittler genauen Aufschluss über die Unglücksursache. Wegen der anhaltenden Kämpfe aber sei es ungewiss, wann das möglich sein werde.

Nach wie vor schieben sich Russland und die Ukraine gegenseitig die Schuld zu: Der Westen geht davon aus, dass pro-russische Rebellen MH17 abgeschossen haben, Russland wiederum macht die Ukraine verantwortlich. Der russische Präsident Putin warf darüber hinaus laut Berichten der Nachrichtenagentur Nowosti der ukrainischen Armee vor, sie behindere die Ermittlungsarbeit an der Unglücksstelle, indem sie das Gebiet ständig mit Artellerie beschieße.

Kämpfe in der Ostukraine (Foto: Reuters)

In der Unglücksregion wird weiter heftig gekämpft

Ermitteln Niederlande zu langsam ?

Die niederländische Presse hat inzwischen von Unstimmigkeiten zwischen den Partnern berichtet: Australische und malaysische Diplomaten hätten sich ungeduldig über den langsamen Verlauf der von den Niederlanden geleiteten Untersuchungen geäußert, berichtete z.B. die Zeitung "De Telegraaf". Bislang liegt nur ein Zwischenbericht der niederländischen Sicherheitsbehörde OVV vor, in dem von Objekten die Rede ist, die mit hoher Geschwindigkeit das Flugzeug durchsiebt hätten. Das Wort Rakete wird darin nicht erwähnt, wenngleich westliche Geheimdienste, wie u.a. der Bundesnachrichtendienst Beschuss durch pro-russische Rebellen verantwortlich machen.

Der niederländische Staatsanwalt Fred Westerbeke mahnte im Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" zur Geduld: Die Ermittlungen nach dem Bombenanschlag von Lockerbie hätten drei Jahre gedauert. Damit meine er nicht, dass es bei MH17 genauso lange dauern werde, aber man brauche einen langen Atem. "Wir werden sicher das ganze nächste Jahr für unsere Arbeit benötigen, und vielleicht noch länger", erklärte der Leiter der Ermittlungen.

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