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Politik & Gesellschaft

Bewegende Gedenkfeier für Loveparade-Opfer

In Duisburg ist mit einer Gedenkfeier der 21 Opfer des Loveparade-Unglücks vom 24. Juli 2010 erinnert worden. Rund 7.000 Menschen - darunter Angehörige, Notfallseelsorger und Rettungskräfte - kamen zu der Veranstaltung.

Ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes legt in Duisburg eine Blume in ein aus Blumen geformetes Herz auf dem Rasen (Foto: dapd)

Weihbischof Franz Grave (von links nach rechts), Vizepräses Petra Bosse-Huber und Landespfarrer Uwe Rieske bei der Segnung (Foto: dpa)

Mit einem ökumenischen Gedenkgottesdienst wurde der Opfer gedacht

"Die Gestorbenen werden vermisst. Sie fehlen unserem Leben", mit bewegenden Worten gedachte der Essener Weihbischof Franz Grave beim Ökumenischen Gottesdienst am Sonntag (24.07.2011) in der Duisburger MSV-Arena der 21 Opfer der Loveparade. Sie waren größtenteils auf dem Zugang zum Veranstaltungsgelände von der Menschenmasse erdrückt worden.

Auch die Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Petra Bosse-Huber, stellte fest: "Die Narben bleiben, und sie brennen." Tausende trügen auch heute noch "den Schock und die Trauer in ihren Herzen".

Herz aus 21 Sonnenblumen

Auf einer kleinen, weiß gehaltenen Tribühne dankte Bosse-Huber im Namen der Betoffenen allen Helfern für das, "was Menschen an dem Tag der Katastrophe für ihre Kinder und Freunde getan haben und für die Hilfe und Begleitung, die nach dem 24. Juli 2010 ihnen als Angehörigen zuteil wurde". Spätestens bei diesen Worten wischten sich viele im Stadionrund Tränen aus dem Gesicht.

Allein 450 Hinterbliebene und Verletzte waren zu dem zweistündigen Gedenken gekommen, außerdem gut 500 Polizisten, Mitarbeiter von Rettungsdiensten und etwa hundert Notfall-Seelsorger der beiden großen christlichen Kirchen. Der Junge Chor Beckhausen sang gemeinsam mit der Sängerin Richetta Manager in sechs verschiedenen Sprachen Strophen des Liedes "Wie ich dich sah". Die 21 Toten im Alter zwischen 18 und 39 Jahren stammten aus Deutschland, den Niederlanden, Italien, Spanien, China und Australien.

Anklage einer trauernden Mutter

Der Sänger 'Der Graf' singt auf der Bühne (Foto: dapd)

"Geboren um zu leben", dieses Lied wünschten sich die Angehörigen

Stellvertretend für alle Angehörigen der Todesopfer sprach die Italienerin Nadia Zanacchi. Sie erinnerte an ihre Tochter Julia, die aus Italien zur Loveparade angereist war. Sie beschrieb ihren "immensen, endlosen Schmerz" und äußerte Wut und Enttäuschung. Die Loveparade hätte in Duisburg niemals stattfinden dürfen. Andere Interessen seien höher bewertet worden als Menschenleben. "Wir warten auf eine ehrliche Geste des Respekts für unsere toten Kinder und auf Gerechtigkeit", formulierte Zanacchi.

"Angemessen", "ergreifend" und "würdevoll", so bezeichneten die Teilnehmer die Veranstaltung. Um der Toten zu gedenken, wurden die Namen und das Alter vorgelesen. Rettungskräfte legten für jedes Todesopfer eine große Sonnenblume in ein aus Sonnenblumen geformtes Herz auf dem Rasen. Nach einer Schweigeminute für die Opfer trug "Der Graf" von der Band "Unheilig" das von Angehörigen gewünschte Lied "Geboren um zu leben" vor.

Gedenken am Unglücksort

Die nordrheinwestfaelische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD,r.) neben Angehörigen eines Loveparade-Opfers (Foto: dapd)

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sprach eine Fürbitte

Auch Rettungssanitäter Daniel Otto schilderte seine Erlebnisse. So seien die ersten Stunden der Hilfe ein "Wettlauf gegen die Zeit" gewesen. Als Vertreterin der Duisburger Bürgerschaft sagte Gabriela Grillo, der 24. Juli 2010 sei "ins kollektive Gedächtnis unserer Stadt eingebrannt". Keiner werde diesen schrecklichen Tag jemals vergessen.

Die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, bat in einer Fürbitte auch um Hilfe "für alle, die Fehler gemacht haben", und mahnte: "Es braucht Wahrheit, Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit, damit Trost und Versöhnung eine Chance haben." Oberbürgermeister Adolf Sauerland und Veranstalter Rainer Schaller waren der Veranstaltung aus Rücksicht auf die Hinterbliebenen ferngeblieben.

Nach der Veranstaltung läuteten in der Stadt die Kirchenglocken. Und die Angehörigen konnten an der Unglücksstelle gedenken. Dafür wurde der Tunnel, der zu dem damaligen Veranstaltungsgelände führte, für anderthalb Stunden abgesperrt.

Autorin: Marion Linnenbrink (dpa, dapd)
Redaktion: Stephan Stickelmann

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