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Europa

Beverly Hills in der Hohen Tatra

In der Hohen Tatra wollen die Slowaken ein ganzes Dorf mit Apres-Ski-Bars und Villen wie in Beverly Hills bauen. Umweltschützer warnen und schöpfen neue Hoffnung: Sie setzen auf die Finanzkrise.

Skigebiet in der Hohen Tatra - im Vordergrund Skiläufer, hinten große Hotels an der Piste(DW/Kirchgeßner 2008)

Mondäne Hotels und große Skigebiete locken Wohlhabende

Vor dem Fenster des Gasthauses erhebt sich das Bergmassiv der Hohen Tatra. Drinnen geht es rustikal zu: Die Bänke sind aus groben Holzbohlen gezimmert, im offenen Kamin lodert das Feuer und die Kellner sind in folkloristische Tracht gekleidet. Die Stimmung ist blendend, es ist ein Geschäftsessen ganz nach dem Geschmack von Jan Slavkovsky.

Er ist einer der erfolgreichsten Makler in der Tatra, spezialisiert auf luxuriöse Zweitwohnungen in den Bergen. "Es ist klar, dass reiche Leute hier wohnen wollen", sagt er. "Zuerst kamen die Luxushotels, jetzt sind eigene Appartements stark nachgefragt. Alle kaufen hier: Die slowakischen Celebrities; unsere Spitzensportler, die Jungs aus der Hockeymannschaft zum Beispiel. Echte Millionäre sind das, und die finden hier alles, was sie zum Leben brauchen", sagt Slavkovsky.

Freude der Makler

Mann steht neben einem silberfarbenen Geländewagen(DW/Kirchgeßner 2008)

Jan Slavkovsky macht gute Geschäfte in der Hohen Tatra

Seine Kundschaft chauffiert Jan Slavkovsky standesgemäß mit einem schweren Geländewagen durch die Tatra. Langsam steuert er durch die Straßen eines künstlichen Dorfes, vorbei an riesigen Häusern mit Säulenportalen am Eingang, unzähligen Gauben auf dem Dach und ausladenden Pools im Garten. "Wie in Beverly Hills", sagt er stolz. So haben sie die Siedlung hier genannt, mitten in der slowakischen Tatra.

"Wer sein Appartement in der Tatra hat, der genießt eben ein gewisses Renommee", sagt Slavkovsky. Da sei es egal, ob es sich wirtschaftlich lohne oder nicht. Es gehe nur um eins: "Man muss ein Anwesen hier in den Bergen haben, je weiter oben, desto besser. Uns als Maklern macht das natürlich viel Freude", lacht er.

Skigebiet Tatra

(DW/Kirchgeßner 2008)

Tomas Vancura war früher Nationalparkchef - heute versucht er, ihn zu retten

Weniger Freude haben die Umweltschützer. Die Tatra ist offiziell ein Nationalpark, eigentlich dürfte hier mitten in den Bergen gar nicht gebaut werden. Aber die Abwägung fällt schwer: Arbeitsplätze gegen Naturschutz, Potenzial für den Massentourismus gegen unberührte Landschaften. "Ein Nationalpark ist wie eine Galerie, wie eine Kirche", sagt Tomas Vancura, der frühere Chef des Nationalparks. "Man soll nicht reden, sondern nur zuhören. Man soll nichts machen, sondern sich umschauen, die Natur auf sich wirken lassen. Und was machen wir? Wir nennen die Tatra einen Nationalpark, und dann kommt man her und stellt fest, dass überall Skilifte sind."

Da könne man doch gleich den Nationalpark abschaffen und draufschreiben: Skigebiet Tatra, sagt er verbittert. Vor zwei Jahren wurde Tomas Vancura als Direktor des Nationalparks abberufen. Er sei, so hieß es, nicht aufgeschlossen genug für Infrastrukturprojekte. Seither kämpft er im Alleingang gegen den Bauwahnsinn, wie er es nennt.

Krise als Chance für die Natur

(DW/Kirchgeßner 2008)

Schützenswerte Natur - die Tatra ist das kleinste Hochgebirge Europas

"Wir haben einfach kein Konzept, was wir mit unserer Tatra wollen", sagt Vancura. "Es gibt so viele Leute, die hier Geld verdienen wollen. Da bewerben die einen ihre neuen Ferienappartements mit einem tollen Blick auf die Berge und wissen gar nicht, dass der nächste Investor seinen Appartementblock genau in die Sichtachse bauen will. Und vielleicht kommt danach schon gleich der Dritte."

Immer weiter zieht sich die Bebauung in das Hochgebirge hinein, Stück für Stück werden Schutzkategorien aufgeweicht und Ausnahmegenehmigungen erteilt. Nun aber stehen erstmal die Maschinen still, und Tomas Vancura seufzt kurz auf. Die Finanzkrise, sagt er dann, habe innerhalb weniger Wochen mehr für den Umweltschutz erreicht als die Umweltschützer in all den Jahren zuvor.



Autor: Kilian Kirchgeßner
Redaktion: Sandra Voglreiter

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