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Afrika

Bevölkerungswachstum frisst Entwicklung

Während die Gesellschaften der Industriestaaten immer kleiner werden, verzeichnet Afrika weltweit die größten Wachstumsraten. Auch im westafrikanischen Benin wächst die Bevölkerung – und auch die Armut.

Kinder im Dorf von Familie Klopka. Gnasatta, Benin. Juli 2010 (Foto: Ute Schaeffer)

Für Kinder in Benin gibt es wenig Perspektiven

Es ist nicht einfach für Pierre Kploka, die vielen Kinder um ihn herum im Auge zu behalten. Pierre ist Bauer und traditioneller Heiler. Ein alter Mann, jedenfalls im Vergleich zum Alter seiner Kinder. Mit seinen 60 Jahren lebt Pierre mit seinen drei Frauen und ihren Kindern in Gnassata, einem kleinen Dorf etwa 140 Kilometer von der Hauptstadt Cotonou.

Kinder können kaum versorgt werden

Pierre Klopka, Giselle und Familie in Gnassata, Benin. Juli 2010 (Foto: Ute Schaeffer)

Familie Klopka hat 18 Kinder

"Meine erste Frau hat mir neun Kinder geschenkt, die zweite fünf, die dritte vier", erzählt er. Um die große Familie zu ernähren, brauche er mehr als 3000 Francs CFA am Tag. Das sind etwas mehr als vier Euro. Geld, das Pierre gar nicht hat. Vier Euro am Tag, um 18 Kinder mit Kleidung zu versorgen, um alle in die Schule zu schicken. Die Rechnung geht nicht auf.

Die Jüngsten aus dem wuseligen Kinderhaufen haben kaum etwas an. Ein Kind hat ein abgerissenes T-Shirt um die Hüften geschlungen, ein anderes ein löchriges Hemd über den Oberkörper gezogen. Die aufgedunsenen Bäuche zeugen davon, dass ihre Ernährung einseitig und unzureichend ist. Von Pierres 18 Kindern gehen nur wenige zur Schule. Neun haben sie bereits nach einem kurzen Besuch verlassen. Einige der Älteren machen eine Ausbildung.

Kinder sind die Verlierer

Dennoch ist für Pierre diese Situation normal. Zu seiner Zeit, so betont er, war es üblich, eine große Familie zu gründen. Das signalisierte nicht zuletzt auch Stärke und verschaffte einem Ansehen in der Gesellschaft. Für seine dritte Frau Gisèlle, 40 Jahre alt, liegt die Entscheidung, wie viele Kinder in eine Familie geboren werden, ohnehin nicht bei den Eltern. Sie lacht. "Das ist das Werk Gottes. Wir selbst wissen doch gar nicht, wann wir schwanger werden. Es liegt nicht in unserer Macht, es liegt in der Macht Gottes."

Die Familie von Pierre ist typisch für Benin. Etwa ein Viertel der Männer in dem westafrikanischen Land lebt polygam. 2002 lag das Bevölkerungswachstum bei etwas über drei Prozent. Trotz eines Wirtschaftswachstums von fünf Prozent, wie es zurzeit der Fall ist, bleibt Benin eines der ärmsten Länder der Welt. Und gerade die Kinder sind die Verlierer dieser Entwicklung. Viele werden schlicht und einfach verstoßen, missbraucht, gehandelt oder zu schweren körperlichen Arbeiten verpflichtet, ohne dafür bezahlt zu werden.

Politische Absichtserklärungen

Arsène Metinhoué, Leiter eines Projekts für Familien der Nichtregierungsorganisation "Terre des Hommes", ist überzeugt, dass der demographische Druck das wirtschaftliche Wachstum zunichte macht. Er macht jeden Tag die Erfahrung, dass die beninische Gesellschaft mit der Zahl ihrer Kinder schlicht überfordert ist. "Unter den Kindern, die wir hier versorgen, gibt es besonders viele aus polygamen Familien mit einer ganz großen Geschwisterzahl", erklärt er.

Auf dem Bild: Serge Kitihoun, Gynäkologe. Gnassata, Benin. Juli 2010. (Foto: Ute Schaeffer)

Gynäkologe Serge Kitihoun berät Familien

Das Geburtenwachstum und das ökonomische Wachstum in die Balance zu bringen – das wäre die politische Aufgabe in Benin. Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es zumindest politische Absichtserklärungen. So ist bereits seit 1970 ein Verein für Familienangelegenheiten, die "Association Béninoise pour la Promotion de la famille" (ABPF), damit beschäftigt, die Menschen für diese Herausforderung zu sensibilisieren.

Gynäkologe Serge Kitihoun leitet das Programms von ABPF. Er sieht, dass das ein Zukunftsthema für sein Land ist. "Die Familienplanung ist einer der Schlüssel für unsere Entwicklung", sagt er. Sie schaffe die Grundlage dafür, dass die Kinder, die geboren werden, auch gewünscht sind. Dass sie gut erzogen werden können und nicht zuletzt von der notwendigen Infrastruktur profitieren, um ihre eigene Entwicklung voranzubringen. Denn nur dann könnten sie einen Beitrag zur Entwicklung des Landes leisten.

Mehr in Gesundheit und Familienplanung investieren

Doch die staatliche Familienpolitik ist vom Erreichen dieser Ziele noch weit entfernt. Das wird schon allein an der Summe deutlich, die der beninische Staat tatsächlich in Familienplanung steckt. Nur elf Prozent des Budgets werden überhaupt in den Gesundheitsbereich investiert. Auch ein Grund, warum das Land zu den großen Verlieren zählt, wenn es um die Müttersterblichkeit geht: 2006 lag die Müttersterblichkeitsrate bei fast 400 Todesfällen auf 100.000 Geburten. Diese Zahl liegt weit über der der Nachbarländer Elfenbeinküste und Senegal. Vom Entwicklungsziel der Vereinten Nationen ist Benin damit noch weit entfernt. Denn wenn es danach geht, dürften auf keinen Fall mehr als 125 Todesfälle auf 100.000 Geburten kommen.

Autoren: Ute Schaeffer, Fréjus Quenum
Redaktion: Katrin Ogunsade