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Afrika

Beulenpest bedroht Madagaskar

Die Pest steht auch Jahrhunderte nach den großen Epidemien im mittelalterlichen Europa für Tod und Verderben. Ausgerottet ist sie noch lange nicht, wie ein erneuter Ausbruch auf Madagaskar zeigt.

Durch die Gassen von Ankasina fließt Abwasser, Müll türmt sich am Straßenrand. Der Slum im Norden der madagassischen Hauptstadt Antananarivo sei von Ratten befallen, sagen Anwohner. Sie machen die Regierung für die Zustände verantwortlich.

Mit den Ratten hat Ankasina aber noch ein größeres Problem heimgesucht: die Pest. Eine junge Frau im Viertel ist an den Folgen der Beulenpest gestorben, vermutlich hatte ein Flohbiss die Krankheitserreger von den Nagetieren auf sie übertragen. Sie ist eine von 47 Menschen, die dem aktuellen Pestausbruch auf Madagaskar zum Opfer gefallen sind.

Warmes Klima, schlechte Hygiene

"Madagaskar erlebt immer wieder solche Pestausbrüche", sagt Brendan Wren, Experte für ansteckende Krankheiten an der London School of Hygiene and Tropical Medicine. Das warme Klima begünstige Nagetiere und Flöhe, die die Pest-Bakterien weitergeben. "Aber die schlechte allgemeine Hygiene ist ebenfalls ein Problem, besonders in den überfüllten Gefängnissen."

Antananarivo, Madagaskar (Photo: ALEXANDER JOE/AFP/Getty Images)

In vielen Gegenden Antananarivos gibt es kein funktionierendes Abwassersystem

Madagaskar gehört zu den ärmsten Ländern der Erde. Die Mehrheit der Bevölkerung lebt von weniger als zwei US-Dollar täglich. Das Gesundheitssystem ist schwach entwickelt, in vielen ländlichen Gegenden lässt sich gar kein Arzt finden. Madagaskars Premierminister Kolo Roger musste nun eingestehen, dass die Pest zum ersten Mal seit zehn Jahren auch die Hauptstadt des Landes erreicht hat. "Wir kümmern uns mit aller Entschlossenheit um jeden einzelnen Fall", so Roger. "Egal ob in Antananarivo oder in entlegenen Gegenden". Man habe alle notwendigen Maßnahmen getroffen, um die Epidemie zu stoppen.

Infografik Beulenpest

Resistente Flöhe

200 Haushalte seien bislang in den Slums von Antananarivo desinfiziert worden, so das Gesundheitsministerium Madagaskars. Der Ausbruch hat auch die Weltgesundheitsorganisation WHO auf den Plan gerufen. Ein Experte aus Genf sei bereits auf dem Weg nach Antananarivo, so Pressesprecher Christian Lindmeier. "Wir haben noch nie so viele Fälle innerhalb von so kurzer Zeit registriert", sagt Lindmeier der DW. Nun gelte es, den Infektionsherd zu finden und die Ausbreitung zu stoppen. "Wir müssen Insektizide gegen die Flöhe einsetzen, das ist momentan die größte Herausforderung." Allerdings zeigten sich die Insekten auf Madagaskar häufig resistent gegen das Gift.

Die Pest ist tödlich, wenn sie nicht mit Antibiotika behandelt wird. Patienten klagen zunächst über hohes Fieber und Kopfschmerzen, später schwellen die Lymphknoten stark an. In schweren Fällen kann sich zudem die Haut zu dunkel violett verfärben. Wer rechtzeitig Antibiotika erhält, hat eine Chance von rund 90 Prozent, zu überleben. "Einige der Pest-Bakterienstämme auf Madagaskar sind jedoch resistent gegen Antibiotika", sagt Brendan Wren von der London School of Hygiene and Tropical Medicine.

Kein Impfstoff in Sicht

"Ein funktionierender Impfstoff wäre eine langfristige Lösung", sagt Wren. Der allerdings ist bislang noch nicht entwickelt. Die Menschen in den betroffenen Gegenden Madagaskars müssen also zunächst auf die Wirkung der Insektizide und Antibiotika hoffen. Und weiter mit der Furcht vor Flöhen und Ratten in ihrer Nachbarschaft leben.

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