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Deutschland

Betreutes Arbeiten

Menschen mit Behinderungen sollen am Berufsleben teilnehmen. In Deutschland gibt es daher betreute Werkstätten. In einer von ihnen hat sich nun ein tragisches Unglück ereignet.

Der Brand in einer Behinderten-Werkstatt in Titisee-Neustadt hat 14 Menschen das Leben gekostet. Brandsachverständige haben ermittelt, dass ein defekter Gasofen offenbar die Ursache war. In der Einrichtung der katholischen Wohlfahrtsorganisation Caritas arbeiteten knapp 130 Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung. Nun hat eine Debatte über die Sicherheit und den Brandschutz in solchen Einrichtungen begonnen.

Behindertenwerkstatt des Stephanus Stift in Neuruppin (Foto: picture alliance / dpa)

Behindertenwerkstatt des Stephanus Stift in Neuruppin

In Deutschland gibt es rund 700 Behindertenwerkstätten. Menschen mit Behinderung haben hierzulande einen gesetzlichen Anspruch auf Teilhabe am Arbeitsleben. "Es gibt ganz explizit eine Werkstättenverordnung, die viele Aspekte regelt. Sie definiert, wer einen Anspruch auf einen Werkstättenplatz hat, und wie groß die Werkstätten sein müssen", sagt Claudia Fischer, Pressereferentin der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen. Wenn jemand aufgrund seiner Behinderung keiner regulären Arbeit nachgehen kann, hat er trotzdem die Möglichkeit, in einer betreuten Werkstatt zu arbeiten. Denn für viele Menschen heißt Arbeiten, nicht nur eine Aufgabe zu haben, sondern auch Struktur im Alltag, soziale Kontakte und das Gefühl, gebraucht zu werden.

In die Gesellschaft integrieren

Das Angebot richtet sich nicht nur an Personen mit geistiger oder körperlicher Behinderung, sondern auch an Menschen, die durch psychische Beeinträchtigungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt keine Stelle annehmen können. "Der erste Schritt, um in einer Werkstatt aufgenommen zu werden, ist, die besondere Schwere der Behinderung nachweisen zu lassen. Dann entscheidet sich die Person für eine Werkstatt in ihrer Nähe", erklärt Reiner Bleil von den Caritaswerkstätten in Köln im Gespräch mit der Deutschen Welle.

Die Ausbildung dauert maximal zwei Jahre. Dabei lernen die Teilnehmer, was sie für die Tätigkeit können müssen. Auch Praktika in verschiedenen Firmen sind vorgesehen. Neben dem Unterricht gibt es aber auch psychologische Betreuung, Heilpädagogik und Sportangebote. Die Auswahl an Berufen, die erlernt werden können, ist groß: Hauswirtschaft, Basteln, Verpacken und Metallverarbeitung.

Eingliederung in das Arbeitsleben

Zwei Frauen im Rollstuhl beim Tischtennis (Foto: Fotolia)

Die Werkstätten bieten auch Heilpädagogik und Sportangebote

Anschließend haben die Teilnehmer die Möglichkeit, in die reguläre Werkstatt zu wechseln. Die Beschäftigung ist unbefristet und die Mitarbeiter erhalten ein monatliches Entgelt von circa 160 Euro. Außerdem genießen sie vollkommenen Kündigungsschutz, denn ihre Beschäftigung hängt nicht von der Leistungsfähigkeit ab. Es gibt aber auch die Möglichkeit, in das normale Arbeitsleben integriert zu werden. Denn auch private oder staatliche Handwerks- und Industriebetriebe bieten Stellen für Menschen mit Behinderung.

Aber es ist heutzutage nicht mehr so einfach, einen solchen Job zu finden. Viele einfache Aufgaben wurden wegrationalisiert oder durch Maschinen ersetzt. Somit werden die betreuten Werkstätten immer wichtiger, denn für viele Menschen mit Behinderung bieten sie die einzige Möglichkeit, einer Arbeit nachzugehen.

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