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Wirtschaft

Betagte Flugzeuge bereiten Iran großes Problem

Flugzeugabstürze wie am 6.12.2005 in Teheran könnten sich im Iran schnell wiederholen. Denn die Maschinen in dem Land sind veraltet, technisch unzulänglich oder sogar "schrottreif", wie Kritiker sagen.

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Darf nicht in den Iran verkauft werden: Airbus A320

Flugzeugabsturz in Teheran

Unglücksstelle, an der am 6.12.2005 ein Flugzeug in Teheran abstürzte

Auch ohne abschließende Erkenntnisse über seine konkreten Ursachen wirft der Absturz einer "Hercules"-Maschine der iranischen Luftwaffe unweit des Teheraner Flughafens Mehrabad erneut ein Schlaglicht auf den desolaten Zustand der iranischen Luftfahrt-Industrie: Das Land, das zur Schah-Zeit noch die modernste zivile wie militärische Luftflotte der Region besaß, muss seit der Islamischen Revolution immer häufiger Flugzeuge einsetzen, die von vielen Iranern selbst als "schrottreif" bezeichnet werden. Der Grund: Die US-Sanktionspolitik verhindert den Verkauf US-amerikanischer Flugzeuge an den Iran und selbst der von Teheran (zumindest aus politischen Gründen) favorisierte Airbus kann nicht geliefert werden, weil Washington die Zustimmung verweigert. Nach amerikanischen Bestimmungen ist die erforderlich, wenn mehr als zehn Prozent aus USA-Teilen bestehen.

Kauf auf Umwegen

Bei seinem Besuch in Paris hatte der frühere Staatspräsident Mohammed Chatami eine Bestellung für vier Airbus-Verkehrsmaschinen aufgegeben und weitere Bestellungen in Auftrag gegeben, Washington verhindert die Lieferung aber bis heute. Der Iran verfügt zwar über einige Airbusse, diese hat er aber in der Türkei und über private Kanäle gekauft. Und im Iran wächst die Sorge, dass man immer mehr zu solchen Second-Hand-Käufen gezwungen ist und damit seinen Plan nicht verwirklichen kann, die Luftflotte zu modernisieren und das Durchschnittsalter ihrer Maschinen von gegenwärtig 20 auf 15 oder gar 10 Jahre zu reduzieren.

Als "Retter in der Not" treten zwar Russen und Ukrainer auf den Plan und fast die Hälfte der 78 Maschinen der staatlichen Fluglinie "Iran Air" kommen bereits aus der ehemaligen Sowjetunion. Zwölf weitere Maschinen sind geleast. Selbst die Maschinen, die in Russland neu bestellt werden, finden im Iran keine Gegenliebe: Vor einem Jahr bestellte man in Moskau fünf Tupolew 204-100 und reservierte sich eine Option auf zwanzig weitere Maschinen dieses Typs, in Fachkreisen wurde dies jedoch heftig kritisiert: Diese Maschinen seien bereits veraltet und Russland gehe selbst daran, seine Flugzeuge mit westlicher Hilfe zu modernisieren. Der Iran aber kaufe nun veraltete Maschinen ein und die Russen profitierten von der Notlage Teherans.

Privat-Unternehmen

Auch die Ukraine profitiert: Bei Isfahan sollen künftig ukrainische Maschinen vom Typ "Antonov 140" hergestellt werden. Diese Turboprop-Maschinen, die nur 52 Personen befördern können, werden – unter dem neuen Namen "Iran-140" aber nur einen kleinen Teil des Bedarfs decken können. Und der Start des gemeinsamen Projekts stand überdies unter einem schlechten Stern: Ende 2004 stürzte eine "An-140" mit 47 ukrainischen Ingenieuren und Offiziellen ab, die zur Eröffnung des neuen Werkes unterwegs waren.

In Europa kaufen die Iraner bisher lediglich "Fokker"-Maschinen ein. Diese können sie aber praktisch nur im Inland einsetzen, weil sie zu klein sind. Für internationale Flüge braucht "Iran Air" moderne Passagierflugzeuge, die sie bisher aber nirgendwo kaufen kann. Not macht allerdings erfinderisch: So wird ernsthaft erwogen, einen Teil der Luftfahrt privaten Gesellschaften zu übertragen. Ex-Präsident Hashemi Rafsanjani hat das mit seiner "Mahan Air" bereits vorexerziert. "Mahan" fliegt mit russischen Maschinen. Andere, neue Gesellschaften könnten – so ein fast schon revolutionärer Vorschlag von Experten – nun aber vielleicht in den Vereinigten Arabischen Emiraten angesiedelt werden. Ihnen würden zumindest die Europäer ja wohl eher Flugzeuge verkaufen. Selbst wenn Washington das nicht recht ist.

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