1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sprachbar

Betörender Duft und Höllengestank

Ob es nach Flieder duftet oder zum Himmel stinkt: Der Geruchssinn ist immer aktiv, denn die Nase lässt sich nicht schließen. Gerüche dringen direkt ins Gehirn und entscheiden darüber, was wir essen und wen wir mögen.

Audio anhören 06:43

Betörender Duft und Höllengestank

30 Millionen Riechzellen in ungefähr 400 Varianten beherbergt unsere Nase. Jede dieser Zellen kann einen bestimmten Geruch, ein bestimmtes Aroma wahrnehmen. Wenn sie das tut, gibt die Zelle ein chemisches Signal ans Gehirn weiter. Dort, in einer Vorwölbung des Gehirns, dem sogenannten Riechkolben, werden diese Geruchseindrücke gesammelt und im Gehirn weiterverteilt. So entstehen dann unsere Geruchsempfindungen.

Duft oder Gestank?

Frau riecht an Blumen (picture alliance/Bildagentur)

Blumen duften oft verführerisch

Jemand, der seinen Geruchssinn trainiert, kann mehrere tausend Gerüche unterscheiden. Es gibt „blumige Gerüche“ wie Jasmin, Rose oder den Duft, der am häufigsten in Parfüms benutzt wird: Maiglöckchen. Es gibt „würzige Gerüche“ wie Zimt oder Nelken, aber auch „fruchtige“, „grüne“, „holzige“, „harzige“, „animalische“ und „erdige“ Gerüche. Zu den „animalischen“, also den tierischen Gerüchen, gehören Schweiß und Fäkalien, obwohl die natürlich auch beim Menschen vorkommen.

Ob wir etwas als „wohlriechend“ oder „duftend“ empfinden, oder ob ein Geruch, der dann „Gestank“ heißt, bei uns Übelkeit oder sogar Erbrechen verursacht, ist erstaunlicherweise nicht angeboren. Kleinkinder unter drei Jahren haben überhaupt kein Problem damit, mit ihren Fäkalien zu spielen. Der Ekel davor ist also größtenteils antrainiert.

Geruch und Gefühl

Hund mit Zollschild schnüffelt im Koffer (picture-alliance/dpa/F. von Erichsen)

Hunde haben einen besseren Geruchssinn als Menschen und sind deswegen als Schnüffler gefragt

Doch nicht alles, was den Geruchssinn, das „Olfaktorische“, betrifft, ist erlernt. Die Sprache weiß das natürlich. Deshalb bedeutet das Wort „spüren“ gleichermaßen „riechen“ und „fühlen“. Übrigens: Lange bevor wir einen Geruch bewusst erkennen, haben wir ihn schon bewertet. Deswegen wird der Geruchssinn auch oft mit dem tierischen Instinkt verglichen. Bei den Tieren nennt man ihn übrigens „Witterung“.

Wie die Tiere – naja zumindest ein wenig – spüren wir, ob Gefahr lauert. Wir erkennen am „Schimmelgeruch“, ob eine Speise verdorben ist, und obwohl das noch nicht ganz bewiesen ist, scheinen wir auch die Partnerwahl letztendlich nach Geruch vorzunehmen. Es heißt auch, zwei Partner müssen „sich gegenseitig riechen können“.

Das stinkt zum Himmel

ein Mann hält sich die Nase zu (Picture alliance/dpa/O. Berg)

Diesem Herrn stinkt's gewaltig

Die unangenehme Variante des Geruchs, der „Gestank“, manchmal auch „Mief“, hat wesentlich mehr Redensarten hervorgebracht als sein angenehmes Gegenteil, der „Duft“. Wenn mir „etwas stinkt“, dann stört es mich sehr.

Wenn „eine Sache zum Himmel stinkt“, dann ist sie „von Übel“, auch wenn jemand noch versucht, das zu vertuschen. Ein unangenehmer Zeitgenosse ist ein „Stinkstiefel“ oder ein „Stinker“, manchmal auch ein „Stinktier“. Eine Sache, die „drei Meilen gegen den Wind stinkt“, ist offensichtlich schlecht, und auch vom „Eigenlob“ sagt man gerne, dass es „stinkt“.

Schöner steigern mit Fäkalien

Das Wort „stinkvornehm“ ist eigentlich ein Widerspruch in sich. Wer vornehm ist, ist gebildet, wohlerzogen und wohlhabend – und dementsprechend wahrscheinlich auch gut gewaschen. Doch die Vorsilbe „stink-“ steht hier für eine Art ironische, abwertende Steigerung. Es gibt sie auch in ähnlicher Funktion bei den Worten „stinkreich“, „stinknormal“, „stinksauer“ oder „stinkfaul“.

Braunkehl-Faultier (Imago/imagebroker)

Es schläft bis zu 20 Stunden am Tag und macht seinem Namen alle Ehre: das Faultier

Im Wörterbuch der Gebrüder Grimm konnte man schon vor 200 Jahren lesen, dass sich das Wort „stinkfaul“ von „stinkend faul“ ableitet, also jemanden beschreibt, der so faul ist, dass er stinkt, weil er wahrscheinlich zu faul ist, seinen Körper zu pflegen. Weil das Bekräftigen mit Fäkalausdrücken jedoch so schön drastisch ist, hat sich das „stink-“ verselbstständigt und bedeutet heute nur noch so etwas wie „besonders“ oder „sehr“. Wir kennen das auch von anderen Fäkalwörtern wie „arschkalt“ oder „scheißegal“.

Parfüm und Pheromone

Parfümflaschen (picture-alliance/maxppp/J.-F. Frey)

Die Menschheit parfümiert sich seit Jahrtausenden

Wer stinkt, von dem wendet man sich ab. Wer aber duftet, zu dem zieht es die Menschen hin. „Parfüm“ – oder als Fremdwort geschrieben „Parfum“ – gibt es schon seit mehreren tausend Jahren. Besonders in Indien und im antiken Ägypten stellte man Räucherwerk, wohlriechende Salben und Duftwässer her. Sie dienten spirituellen Zwecken, aber auch dazu, einen positiven Eindruck zum Beispiel beim anderen Geschlecht zu erwecken.

Bis „Eau de Toilette“ und „Parfüm“, Duftwässer mit unterschiedlichen Konzentrationen von Duftstoffen, nach Europa kamen, dauerte es allerdings bis weit in die Neuzeit. Angenehm riechen die Düfte aus der Parfümerie allemal. Ob sie allerdings auch direkt als Lockstoff funktionieren, wie das die sogenannten „Pheromone“ bei Tieren tun, ist bislang nicht bewiesen. Das Liebeselixier, das die Auserwählte oder den Auserwählten betört, ist bis heute nicht erfunden. Aber immerhin riechen wir inzwischen fast alle gut – und die Zeiten des „unterirdischen“ oder „höllischen Gestanks“ sind zum Glück vorbei.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads