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Bücher

Bestseller-Autor Stephen King ist 70

Er ist der Großmeister des Horrors: Stephen King lehrt uns das Fürchten - und das schon seit rund 40 Jahren. "Es","Carrie" oder "Friedhof der Kuscheltiere" sind Schocker-Klassiker. Aber er kann auch ganz anders.

Seine Geschichten sind schon lange Teil unseres kulturellen Bewusstseins: Stephen King ist der erfolgreichste Horror-Autor aller Zeiten. Etwa 400 Millionen Bücher hat er verkauft. Die Verfilmungen seiner Erzählungen sind ebenfalls preisgekrönte Kassenschlager. Der Name Stephen King ist schon lange zu einer Marke avanciert, die Menschen Angst und Horror auf unverwechselbare Weise lehrt.

Kings Anfänge allerdings waren durchaus bescheiden: Seine Eltern lassen sich früh scheiden, Stephen und sein Bruder David wachsen in Armut auf. Mit ihrer Mutter Ruth ziehen sie schließlich in den nordöstlichen US-Bundesstaat Maine, wo später auch viele seiner Erzählungen spielen.

Alpträume der Kindheit

Die Abgeschiedenheit Neuenglands und die Familienverhältnisse prägen den Charakter des Schriftstellers: Kings Mutter muss sich um ihre Eltern kümmern und wird dafür von ihrer Familie finanziell unterstützt. Nach dem Tod der Eltern arbeitet Ruth King jahrelang in der Küche einer Nervenheilanstalt. Die eine oder andere Geschichte von ihrem Arbeitsplatz dürfte damals schon die Phantasie des jungen Stephen King beflügelt haben.

Filmszene aus Stephen Kings Es: Der Clown Pennywise lächelt aus der Kanalisation heraus

Filmszene aus "Es" (2017): Der Clown Pennywise lauert in der Kanalisation

Trotz schwieriger Voraussetzungen ist King ein guter Schüler und später auch Student. Während des Literaturstudiums an der University of Maine schließt er sich mit Aktivisten gegen den Vietnamkrieg zusammen. Den Krieg erlebt er nur aus der Ferne: Er wird wegen seines hohen Blutdrucks und seiner Kurzsichtigkeit ausgemustert.

Aller Anfang ist schwer

Seinen Abschluss macht King 1970, und bereits im darauffolgenden Jahr heiratet er seine Frau Tabitha. Die beiden lernten sich bereits zu Unizeiten kennen, und das erste Kind, Tochter Naomi Rachel, ist auch schon da. Das Paar ist glücklich, aber finanziell gibt es Probleme: Nach eigenen Angaben muss King in einer Wäscherei jobben, außerdem schreibt er Artikel für Männermagazine. Die vermeintliche Ausweglosigkeit dieses Zustands ist für ihn der eigentliche Horror: King fühlt sich als Versager und wird Alkoholiker.

Stephen King als Darsteller in Friedhof der Kuscheltiere

Cameo-Auftritt im Film: In der Verfilmung von "Friedhof der Kuscheltiere" spielt King einen Priester

Allmählich macht er sich mit seinen unheimlichen Erzählungen jedoch einen Namen. Seine Geschichten, die er für die Magazine schreibt, werden immer länger: Aus Artikeln werden Kurzgeschichten, aus den Kurzgeschichten werden Romane. Der Verlag Doubleday wird auf ihn aufmerksam, und 1974 kommt Kings erstes Horrorbuch auf den amerikanischen Markt: "Carrie" - die Geschichte eines Mädchens, das unter der strengen, religiösen Erziehung seiner Mutter und dem unaufhörlichen Hänseln seitens ihrer Klassenkameraden gleichermaßen leidet und schließlich ihre übernatürlichen Fähigkeiten dazu einsetzt, mit allen abzurechnen. Bei Horrorfans kommt das Buch gut an und feiert auch bald außerhalb einschlägiger Kreise Erfolge.

Erste Erfolge in Buch und Film

Ein Jahr danach folgt "The Shining", das schnell zum Bestseller für den jungen King wird. In dem Roman verarbeitet der Autor sein Alkoholproblem und schildert die Abgründe, zu denen suchtkranke Menschen fähig sind. Sein Protagonist Jack Torrance zieht mit seiner Familie in ein Hotel in Colorado, wo er als Hauswart im Winter arbeiten soll. Doch das Hotel hat eine düstere Vergangenheit, die Jack inmitten der winterlichen Schneestürme in den Wahnsinn treibt.

Filmszene aus Das Geheime Fenster: Johnny Depp mit Taschenlampe (picture-alliance/Everett Collection)

Immer wieder spielen Weltstars Hauptrollen in Kings Verfilmungen, hier Johnny Depp in "Das Geheime Fenster" (2004)

Die Marke Stephen King steht binnen weniger Jahre nicht nur für Horrorliteratur, sondern trägt auch dazu bei, das Genre der Gruselfilme neu zu definieren. Die B-Movies der 60er und 70er Jahre sind längst veraltet und können nicht mehr ernst genommen werden. Damit machen Kings Verfilmungen Schluss. Eine neue Ära des Gruselns beginnt. Sowohl "Carrie" als auch "The Shining" werden binnen weniger Jahre nach der Erstveröffentlichung verfilmt und gehen in die Filmgeschichte ein. Sissy Spaceks Darbietung als Carrie und Jack Nicholsons Darstellung von Jack Torrance gehen tief unter die Haut und nehmen über die Jahrzehnte ikonografische Dimensionen an - auch wenn King wohl laut eigenen Angaben nicht ganz zufrieden ist mit der Verfilmung von "The Shining". Ihm kommen die persönlichen Aspekte der Geschichte zu kurz.

Arbeit unter Pseudonym

In den 80er Jahren fängt Stephen King an, auch andere Genres auszuprobieren. Den Anfang macht er mit der Reihe "Der Dunkle Turm", einer Fantasy-Saga, die sowohl Western- als auch Science Fiction-Elemente bedient. King selbst bezeichnet die achtteilige Reihe als sein wichtigstes Werk. Verfilmt wird "Der Dunkle Turm" allerdings erst 2017.

Der Autor Stephen King (Getty Images)

Das Schreiben ist für King nicht nur Kunst, sondern Handwerk:Er bringt jeden Tag mindestens 2000 Wörter zu Papier.

Andere Werke veröffentlicht King unter dem Pseudonym Richard Bachmann, da er Angst hat, als Autor nicht mehr ernst genommen zu werden, wenn zu viele Werke seinen Namen tragen. Darunter zum Beispiel "The Running Man" aus dem Jahr 1982. Die Handlung beschreibt eine Fernsehsendung, in der Teilnehmer buchstäblich ums Überleben kämpfen, während sie von Agenten um die Welt gejagt werden. Mit jeder Stunde, die der "Running Man" überlebt, wächst sein Preisgeld. "The Running Man" wird später als Science Fiction-Thriller mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle verfilmt.

In Kings beheimatetem Horrorgenre folgen im Laufe der Jahre "Der Friedhof der Kuscheltiere", "Es" und "Sie" – allesamt Bestseller, deren Verfilmungen Kinobesucher weltweit das Fürchten lehren. Dass Kings Materie zeitlos ist, beweist die aktuelle Verfilmung von "Es" - mehr als 20 Jahre nach der Erstveröffentlichung des Romans bricht der Hollywoodfilm Kassenrekorde in den USA.

Mehr als nur Horror

Die beliebteste Verfilmung einer King-Vorlage stammt allerdings nicht aus dem Horror-Fach: "Die Verurteilten" aus dem Jahr 1994 (Regie: Frank Darabont) wirft einen kritischen Blick auf US-amerikanische Gefängnisse und gilt mittlerweile als einer der größten Leinwandklassiker überhaupt. Der Film mit Tim Robbins und Morgan Freeman in den Hauptrollen wird von der Internet Movie Database (IMDb) seit etlichen Jahren auf Platz eins der besten Filme gelistet. Die Verfilmung des Fortsetzungsromans "The Green Mile" im Jahr 1999 geht noch einen Schritt weiter und hinterfragt den Sinn der Todesstrafe. Beide Filme wurden für mehrere Oscars nominiert und von Kritikern gefeiert.

Filmszene aus Es (2017) im Vordergrund die Hand des bösen Clowns, im Hintergrund die Freunde, die ihm widerstehen müssen

Gemeinsam gegen das Böse: "Es" ist nicht nur Horror, sondern auch eine Geschichte von Freundschaft und Erwachsenwerden

1999 trifft King ein Schicksalsschlag: Er wird von einem Auto angefahren, erleidet schwere Verletzungen und muss mehrere Operationen über sich ergehen lassen. Fast wird ihm das Bein amputiert. Vom Schreiben hält ihn das nicht ab. Zu diesem Zeitpunkt arbeitet King an einem Lehrbuch für Schriftsteller: "Das Leben und das Schreiben" soll andere Autoren dazu animieren, besser zu schreiben. "Ich schreibe so lange, wie der Leser davon überzeugt ist, in den Händen eines erstklassigen Wahnsinnigen zu sein," beschreibt King die Philosophie hinter seiner Arbeit. 

Mehr als 50 Bücher hat King veröffentlicht, dazu kommen zahlreiche Verfilmungen für Kino und Fernsehen. Die wiederholte Aufarbeitung seines Stoffs zeigt, dass Kings Erzählungen zeitlos sind und mit jeder neuen Generation wieder ihr Nervenkitzelpotenzial entfalten können.

Trotz seines fortgeschrittenen Alters ruht sich Stephen King nicht auf seinen Lorbeeren aus und schreibt immer weiter - auch auf Twitter. Dort legt er sich am liebsten mit dem aktuellen US-Präsidenten an: Wiederholt kritisiert er in seinen Tweets Donald Trump. Dieser blockiert ihn schließlich. "Da werde ich mich jetzt wohl umbringen müssen," scherzte King danach - und machte weiter.

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