1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Amerika

"Bestnote für deutsch-amerikanisches Verhältnis"

Deutschland und die USA arbeiten bei vielen Themen eng miteinander zusammen, sagt der ehemalige US-Botschafter in Berlin, Murphy. Besonders beeindruckt ist er von einer besonderen Geste des deutschen Außenministers.

DW: Frank-Walter Steinmeier befindet sich zu einem dreitägigen Besuch in den Vereinigten Staaten. Wie werden der Bundesaußenminister und Deutschland allgemein derzeit in Washington wahrgenommen?

Philip Murphy: Der Besuch des deutschen Außenministers in Washington ist ein deutliches Zeichen dafür, wie eng die Beziehungen nicht nur aus historischer, sondern auch aus heutiger Sicht sind. Dass Steinmeier kurz nach dem Besuch von Kanzlerin Merkel bei Präsident Obama mit dem US-Außenminister und dem nationalen Sicherheitsberater zusammenkommt, zeigt, dass wir bei einer ganzen Reihe von außenpolitischen Herausforderungen zusammenarbeiten.

Besteht zwischen der deutschen Regierung und der Obama-Administration bei den derzeit brennendsten außenpolitischen Themen wie Iran, Ukraine und IS-Terror möglicherweise größere Einigkeit als innerhalb der US-Regierung?

Das ist eine gute Frage, vor allem vor dem Hintergrund des unüberlegten und unangemessenen Briefes der Republikaner im Senat an die iranische Führung. Aber ich werde es anderen überlassen, den Stand unserer internen Beratungen zu analysieren.

Phil Murphy ehemaliger US-Botschafter (Foto. DPA)

Philip Murphy, ehemaliger US-Botschafter in Berlin

Was ich aber sagen kann, ist, dass wir und Deutschland bei vielen Themen eng zusammenarbeiten. Drei der wichtigsten haben Sie eben erwähnt: Iran, Ukraine und "Islamischer Staat". In diesen und in vielen weiteren Fragen sehe ich eine große Übereinstimmung und eine enge Zusammenarbeit unserer beiden Länder.

Wie bewerten Sie den aktuellen Zustand der deutsch-amerikanischen Beziehungen?

Ich würde ihnen die bestmögliche Note geben. Zum einen haben wir die Geschichte auf unserer Seite. Unabhängig von Kanzlern und Präsidenten haben wir jahrzehntelang zusammengearbeitet und uns immer besser kennengelernt. Zum anderen, und das ist wichtig, braucht die Welt gerade in der heutigen Zeit ein kräftiges, gut funktionierendes Verhältnis zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten. Anders geht es nicht. Und genau so ein Verhältnis haben wir momentan.

Darüber hinaus kennen sich unser Präsident und die Kanzlerin mittlerweile sehr, sehr gut. Sie arbeiten seit mehr als sechs Jahren zusammen. So unterschiedlich sie von ihrem Auftreten und ihrem Politik-Stil auch sein mögen, so eng ist doch ihre innere Verbundenheit.

Ähnlich verhält es sich mit den beiden Außenministern: beide sind altgediente Außenpolitiker. Steinmeier ist zum zweiten Mal in diesem Amt und John Kerry, der sich im Senat jahrzehntelang mit außenpolitischen Themen beschäftigt hat, ist zu einem erfahrenen Außenminister geworden.

Sie alle kennen sich gut, sie kennen sich bestens auf dem internationalen Parkett aus und sie alle wissen, wie wichtig eine gute Beziehung zueinander für die weltweite Agenda ist. Deshalb bekommt das deutsch-amerikanische Verhältnis von mir eine sehr gute Note.

Was halten Sie von der Entscheidung Steinmeiers, am Freitag die Martin-Luther-King-Gedenkstätte in Atlanta zu besuchen?

Ich weiß nicht, was ihn dazu bewogen hat, aber ich halte es für eine große und bedeutsame persönliche Geste. Er ist ein sehr warmherziger Mensch, der unser Land sehr gut versteht. Er spricht unsere Sprache und er hat ein Gefühl dafür, wie wichtig Persönlichkeiten wie Martin Luther King junior für unsere Geschichte sind. Ich finde es großartig, dass er dorthin fährt.

Das Interview führte Michael Knigge.

Philip Murphy war von 2009 bis 2013 US-Botschafter in Berlin.

Die Redaktion empfiehlt