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Sprachbar

Besteck

Mit Besteck kann man nicht nur viel essen, sondern auch viele Worte machen. Denn Messer, Gabel und Löffel sind Bestandteil zahlreicher Redensarten und Wortschöpfungen im Deutschen.‎‎ Also, die Löffel gespitzt!‎

Das Besteck war ursprünglich – so beschreiben es die Brüder Grimm in ihrem "Deutschen Wörterbuch" – "futteral zum einstecken, namentlich von messer, gabel und löffel, von scheren und geräth, dessen der barbier oder chirurg bedarf". Später verstand man darunter auch die Werkzeuge selbst: das, was man in die Tasche steckt, eben "beisteckt".

Junge Gabel

Am Anfang des Essbestecks war der Löffel. Kurz darauf kam das Messer. Zum Schluss legte sich die Gabel dazu. Das "junge Ding" fand erst im 17. Jahrhundert den Weg auf den Tisch. Doch trotz dieser mittlerweile großen Auswahl isst man auch heute noch gern manche Leckerei mit den Fingern bzw. "mit der fünfzinkigen Gabel", wie es scherzhaft noch in einigen Gegenden Deutschlands heißt.

Vorgänger unserer Essgabel war die große zweizinkige Fleischgabel, selbst eher klein im Vergleich zu der damals in jedem Hausstand üblichen Mistgabel.

Kurz- und langlebige Gabeln

Eine andere Gabel, die nur zwei Zinken trägt, ist die Stimmgabel, ohne die viele Musiker nicht arbeiten könnten. Neuer als alle bislang erwähnten Gabeln ist die Telefongabel – und doch ist sie schon wieder aus der Mode gekommen. Wurde sie früher noch benötigt, um ein Telefonat zu beenden, und diente sie dem Telefonhörer als Ruheplatz zwischen den Telefongesprächen, so reicht heute ein einfacher Knopfdruck, um die Verbindung zu trennen.

Astgabeln oder Weggabelungen hingegen kommen nie aus der Mode. Schon immer markierten sie als natürlichste aller Gabeln die Stelle, an der sich ein Ast verzweigt oder ein Weg teilt – eben genau so wie die Zinken einer Gabel.


Von Schnabelhölzern und Hasenohren

Aus der Zeit, als man anfing, mit der Gabel zu essen, stammt das Sprichwort "Mit de Gabel ist eene Ehr, mitn Läpel bringt aber mehr" (Mit der Gabel ist es eine Ehr(e), mit dem Löffel aber bringt es mehr). Der Löffel in seiner einfachsten und ältesten Form ist hölzern. Wer weiß, wie man den Löffel in grauer Vorzeit nannte, der hat wohl die Weisheit mit Löffeln gefressen – glaubt also, er sei sehr weise, ist es aber ganz und gar nicht. Ach ja: Der alte Löffel hieß übrigens "Schnabelhölzle".

Die Löffel des Hasen eignen sich nicht als Essbesteck. Denn gemeint sind damit schlicht die Hasenohren, die ein wenig wie pelzige Löffel aussehen. In Redensarten wird das Menschenohr gern mit dem Hasenlöffel gleichgesetzt: "Schreib dir das hinter die Löffel! Sonst gibt es etwas hinter die Löffel." Also, die Löffel gespitzt und aufgepasst!

Lieber eigenes Gold als fremdes Silber

Wissen macht selten reich. Wer von Geburt an reich ist, wer immer Glück zu haben scheint, von dem heißt es, er sei "mit einem goldenen Löffel im Mund geboren".

Und wer mit den Reichen gut Freund ist, dem kann nichts passieren – fast nichts. Da muss man schon arg das entgegengebrachte Vertrauen enttäuscht oder "silberne Löffel gestohlen haben".

Backenstütze für Zahnlose

Nicht nur Diebstahl, sondern auch Betrug geschieht im Zeichen des Löffels. "Über den Löffel barbieren" heißt heutzutage, jemanden plump zu betrügen. Früher stand dieser Begriff für etwas völlig anderes.

Für den gelungenen Dienst am Kunden, da setzte der Barbier den Löffel ein. Dieser wurde zahnlosen Männern in den Mund geschoben, um so die eingefallenen Wangen nach außen zu wölben und die Rasur zu erleichtern. Dann erst schritt der Barbier zur Tat, mit seinem Barbierbesteck, dem Messer. Das wetzte er, schärfte es und …

Unterm Messer

… schon saß dem Kunden das Messer an der Kehle – heute synonym gebraucht für "in großer Geldnot sein". Doch ans Messer des Barbiers hatte sich der Kunde freilich selbst geliefert. Er vertraute ihm. Zuviel Vertrauen kann aber auch heute noch dazu führen, dass man jemandem "ins offene Messer" läuft, in eine Falle tappt.

Plötzlich steht dann das Leben "auf des Messers Schneide", das heißt, auf einmal steht eine wichtige Entscheidung unmittelbar bevor, die das Leben von Grund auf verändern könnte. Genau wie beim Glücksspiel: Dort winkt der große Gewinn, es droht aber auch die große Pleite. In dem Fall muss der vom Glück Verlassene alles Wertvolle verkaufen, sozusagen "das gesamte Tafelsilber verscherbeln".

Das Ende der Nahrungsaufnahme

Manchmal geht es gar um Leben oder Tod. Wenn einer "unters Messer" kommt, sich also operieren lassen muss, kann es passieren, dass er unterm Messer bleibt – das heißt, während der Operation stirbt. Er hat dann sozusagen den Löffel abgegeben. In zahlreichen mundartlichen Versionen wird das Sterben mit dem Bild vom Weglegen des Löffels umschrieben. Der Tod als das endgültige Ende der Nahrungsaufnahme.

Also: tüchtig essen! War früher ein Festessen beendet, sahen die Speisenden oft nicht mehr so elegant aus wie vor dem Mahl, schließlich aß man ja ohne Gabel. Zur Reinigung wurde daher Wasser gereicht, den Damen zuerst. Sagt man heute von sich, man könne diesem oder jenem nicht einmal das Wasser reichen, so ist das ein Zeichen von Bescheidenheit. Vielleicht.

Löffel sticht Gabel

Übrigens kann die Gabel dem Löffel nicht nur in puncto Alter und Fassungsvermögen das Wasser nicht reichen, auch ihre Rolle in unserer Sprache wird kleiner: Jeder kennt den englischen "Brunch", aber wer kennt noch das vornehme französische "Gabelfrühstück"? Und dabei klingt es doch viel besser. Nun ja, die Ohren sind offensichtlich von geringerer Bedeutung. Man sagt ja auch bloß: "Die Augen essen mit." Von den Ohren ist keine Rede. Nicht mal von denen des Hasen.

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