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Fokus Südosteuropa

Bestechung ist Alltag in Albanien

Schmiergelder werden in Albanien insbesondere im öffentlichen Dienst gezahlt. Es fehlten entsprechende Gesetze, monieren Experten. Aber auch die Einstellung der Bürger zu Bestechung müsse sich ändern.

Ein 500-Euro-Schein wird von einer Hand in die andere übergeben (Foto: dpa)

Schmiergeld gilt als "normal"

Ob im Krankenhaus oder bei Gericht, an der Universität oder beim Finanzamt - in Albanien scheint Bestechung beinahe "selbstverständlich". Dieses weit verbreitete Phänomen im Leben der Albaner wurde kürzlich sogar in Zahlen gefasst. Die Ergebnisse einer Studie des US-Meinungsforschungsinstitut Gallup sprechen eindeutig dafür, dass Bestechung zum Alltag vieler Bürger in mehreren Balkan Ländern gehört.

Albanien belegt dabei den ersten Platz, sagt Gledis Gjipali, Geschäftsführer der Europäischen Bewegung in Albanien, einer Partnerorganisation von Gallup. 49 Prozent der Befragten Bürger in Albanien geben demnach an, dass sie Bestechungsgelder zahlen, um einen besseren Service bei den öffentlichen Einrichtungen zu erhalten.

"Diese Ziffer ist doppelt so hoch wie in anderen Ländern der Region," beklagt Gjipali. Laut dieser Umfrage zahlen in Bosnien-Herzegowina 18 Prozent der Bevölkerung regelmäßig Bakschisch und in Mazedonien 13 Prozent. Montenegro und Serbien liegen bei 12 Prozent, Kroatien bei zehn und Kosovo bei neun Prozent.

Öffentliches Amt gilt als Privatgeschäft

Ein Arzt erklärt einen Umschlag mit einer Provision (Foto: dpa/pa)

Private Zusatzahlungen gern genommen

Aus der Studie geht hervor, dass es einige Bereiche gibt, in denen Bestechung besonders verbreitet ist. "In erster Linie werden Bestechungsgelder für medizinische Leistungen genommen. Alle 645 Befragten gaben an, Ärzte bestochen zu haben, um besser behandelt zu werden", sagt Gjipali. Darüber hinaus sind ihm zufolge Bestechungsgelder besonders verbreitet in der Justiz, gefolgt vom Finanzamt, Lizenzbehörden, dem Grundbuchamt, Zoll und Schulwesen.

Für den albanischen Soziologen Kosta Bajraba sind Armut, Arbeitslosigkeit sowie kulturelle und psychologische Veränderungen im Laufe des Transformationsprozesses einige der Faktoren, die ein solches Verhalten der Bürger begünstigen. "Alles was in Staatshänden war, wurde zu schnell privatisiert. Selbst die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes betrachten ihr Amt als ein Privatgeschäft und wollen Profit machen. Damit will ich sagen, dass Korruption im öffentlichen Dienst auch eine Folge der wirtschaftlichen und sozialen Lage ist", meint Bajraba.

Korruption bleibt ernste Herausforderung

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Laut AI ist die Korruption zwar zurückgegangen, aber nicht in ausreichendem Maße

Ausschlaggebend für dieses Verhalten ist Bajraba zufolge die unzureichende Gesetzgebung. Aber auch die Ohnmacht des Staates und der Justiz gegen Gesetzesverstöße rechtlich vorzugehen. "Niemand fühlt sich verantwortlich, wenn gegen das Gesetz verstoßen wird. Es ist bitter nötig, die Beschäftigten im öffentlichen Dienst zu schulen und sie zu verpflichten die Gesetze zu achten", meint Bajraba.

Dabei müsse auch der Bürger seine Rolle spielen. "Jeder Bürger, der Bestechungsgelder zahlt, handelt als Individuum und denkt nicht an die negativen Folgen, die dieses Verhalten auf die Gesellschaft hat." Beide Seiten, sowohl die potentiellen Zahler als auch Empfänger von Bestechungsgeldern, seien aufgerufen, "den Anfang machen, um dieser Praxis Einhalt zu gebieten", sagt Bajraba. Die Bekämpfung der Korruption bleibe eine ernste Herausforderung für die albanische Gesellschaft.

Aber Albanien konnte in den letzten beiden Jahren dennoch auch Fortschritte verzeichnen. Im internationalen Ranking von Transparency International ist Albanien 2009 von einem hinteren Platz auf Position 95 vorgerückt und konnte sich Jahr 2010 um noch weitere neun Plätze verbessern.

Autorinnen: Ani Ruci / Mirjana Dikic
Redaktion: Fabian Schmidt

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