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Welt

Besserung in Sicht: Gesundheit in Kasachstan

Wo der Umwelt Schäden zugefügt werden, stellen sich schnell Krankheiten ein. Diese leidvolle Erfahrung teilen die Menschen in Aralsk und Umgebung - und sie hoffen auf mehr als nur medizinische Behandlung.

Gesundheitssystem Kasachstan Kinderstation des Kreiskrankenhauses Aralsk Kasachstan, September 2009, Zu sehen sind drei Betten im Krankenhaus und drei Mütter mit ihren kranken Kindern. Copyright: DW/Uli Hufen

Umweltbelastungen gefährden besonders die Gesundheit der Kinder

Gesundheitssystem Kasachstan Kind mit schwerer Bronchitis auf der Kindersation im Kreiskrankenhaus Aralsk Kasachstan, September 2009 Copyright: DW/Uli Hufen

Diagnose: Bronchitis - Atemwegserkrankungen als Folge der geschädigten Umwelt

"Wir sind seit Montag hier, drei Tage schon", sagt die junge Mutter im Kreiskrankenhaus von Aralsk, Südwestkasachstan. "Mein Junge hat eine schwere Bronchitis."

Der Fall des anderthalb Jahre alten Jungen ist typisch: Viele Kinder hier leiden unter Bronchitis und Allergien, seit der Aralsee immer weiter austrocknet. Krankheiten, die hier früher praktisch unbekannt waren, wie die Kinderärztin Ulsada Jesenzholowa bestätigt: "Das salzhaltige Wasser des Arals hatte Heilkraft." Doch seit vom Wasser des Arals nur das Salz geblieben ist, liegt Aralsk im Zentrum einer ökologischen Katastrophe.

Mit dem Schwinden des Aralsees kamen die Krankheiten

Gesundheitssystem Kasachstan Kinderärztin Ulsada Jesenzholowa (rechts) arbeitet auf der Kindersation im Kreiskrankenhaus Aralsk Kasachstan, September 2009 Copyright: DW/Uli Hufen

Kinderärztin Ulsada Jesenzholowa (rechts) arbeitet auf der Kindersation im Kreiskrankenhaus Aralsk

Seit 1960 hat der See 90 Prozent seines Volumens verloren. Da wo früher der Aral war, entstand eine neue Wüste: die Aral-Kum. Von dort tragen Windstürme Sand und Salz hunderte Kilometer weit, das Klima wurde noch erbarmungsloser: die Winter noch kälter, die Sommer noch heißer und trockner.

Zudem stellte sich heraus, dass Grund- und Oberflächenwasser stark mit Düngemittel-Rückständen aus der Landwirtschaft belastet waren. Die Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung: Allergien, Bronchialasthma, Krebs, Missbildungen, Anämie, Leber- und Nierenkrankheiten, und vor allem: Infektionskrankheiten aller Art.

Das kasachische Gesundheitswesen im Strudel der Krise

Aralsee Kasachstan Das ausgetrocknete Hafenbecken von Aralsk Kasachstan, September 2009 Copyright: DW/Uli Hufen

Das ausgetrocknete Hafenbecken von Aralsk

In den ersten Jahren der kasachischen Unabhängigkeit spitzte sich die Krise zu. Der Aral trocknete immer schneller aus, während die staatlichen Strukturen, darunter auch das Gesundheitswesen in eine tiefe Krise rutschten.

"Die Krankenhäuser wurden nicht geschlossen und die Leute haben auch weiter gearbeitet. Aber es gab keine Medikamente, wir konnten die Patienten nicht ernähren, wir hatten keinerlei Heilmittel, weil es einfach kein Geld dafür gab", erzählt der Chefarzt des Krankenhauses Arambei Asambajew. Und die Kinderärztin ergänzt: "Das Wasser wurde mit Tankwagen herangeschafft, wir hatten Ofenheizung, keine Kanalisation, das Klo auf dem Hof. Stellen sie sich vor es sind 45 Grad und sie müssen raus. Heute ist das alles besser."

Besserung ist in Sicht

Seit Beginn des neuen Jahrtausends hat sich einiges getan. Kasachstan hat das Chaos der ersten Unabhängigkeitsjahre hinter sich gelassen, die Einnahmen aus dem Export von Öl und Gas sprudeln. Auch im Krisengebiet am Aral ist der Aufschwung unübersehbar.

Das Krankenhaus wird gerade renoviert, vor allem aber wird die Stadt seit drei Jahren endlich wieder mit sauberem Trinkwasser versorgt. Seitdem sind Krankheiten wie Hepatitis und schwere Darminfektionen stark zurückgegangen, an denen Jahr für Jahr vor allem Kinder gestorben waren.

Seit dem Jahr 2000 ist Kasachstan zum Modell eines steuerfinanzierten, staatlichen Gesundheitswesens zurückgekehrt. Für die Bürger heißt das theoretisch: Kostenlose Behandlung in allen Krankenhäuser des Landes. Doch die Probleme sind nach wie vor riesig. Der Mangel an Wissen und Erfahrung in der Organisation und Verwaltung des Gesundheitswesens muss in Zukunft erst noch beseitigt werden.

Autor: Uli Hufen

Redaktion: Beatrix Beuthner

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