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Wirtschaft

Bessere Integration durch mehr Lehrstellen

Junge Menschen mit ausländischer Herkunft haben besonders häufig keinen Schulabschluss und auch keine Berufsausbildung. Ausländische Arbeitgeber in Deutschland wollen jetzt mehr für eine bessere Integration leisten.

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Jugendliche Migranten müssen besser ausgebildet werden

In der PISA-Studie steht es schwarz auf weiß: In Deutschland sind rund die Hälfte aller Hauptschulabgänger nicht ausbildungsreif. Sie haben nicht ausreichend lesen, schreiben und rechnen gelernt und auch die so genannten sozialen Kompetenzen, wie Pünktlichkeit, Höflichkeit und Teamfähigkeit lassen zu wünschen übrigen.

Die Hauptschule besuchen besonders häufig Kinder und Jugendliche aus Zuwandererfamilien. Nur jeder vierte Jugendliche mit ausländischem Hintergrund beginnt eine Ausbildung. Das hat fatale Folgen für die gesamte Gesellschaft, sagt die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer: "Voraussetzung für mehr Integration ist, dass wir die entsprechenden Bildungsmöglichkeiten, die berufliche Qualifizierung, aber vor allen Dingen die Integration in den Arbeitsmarkt schaffen."

Ausländische Unternehmen bilden zu wenig aus

Dazu sollen auch Unternehmen mit Inhabern ausländischer Herkunft noch mehr beitragen. Davon gibt es in Deutschland mehr als 300.000. Sie beschäftigen etwas mehr als eine Million Menschen. Doch sie bilden nur selten aus, gerade einmal 25.000 Ausbildungsplätze gibt es in diesen Unternehmen.

Eröffnung der deutsch-türkischen Handelskammer in Köln, Schröder und Sahin

Kemal Sahin bei der Gründungsversammlung der Türkisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer mit Gerhard Schröder am 27. April 2004

Damit sich das ändert, wurde vor eineinhalb Jahren die Initiative "Aktiv für Ausbildungsplätze" ins Leben gerufen. Einer der Mitbegründer ist der türkische Unternehmer und Präsident der Türkisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer Kemal Sahin. "Wir haben im Kölner Raum recherchiert, wie viele türkischstämmige selbständige Betriebe es gibt: rund 2500 Unternehmen. Dann haben wir in Kooperation mit der Kölner Handelskammer zwei türkischstämmige Leute als Ausbildungsplatzentwickler ausgebildet. Die haben dann die Unternehmen besucht, mit den Chefs ein Tässchen Tee getrunken und ihnen erklärt, wie sie sich professionalisieren und ausbilden können. Von den besuchten Unternehmen haben 25 Prozent sofort gesagt, sie würden mitmachen." Nicht nur in Köln war die erste Resonanz gut, und so will die Initiative bis 2010 bei ausländischen Arbeitgebern in Deutschland 10.000 neue Ausbildungsplätze schaffen.

Hauptschüler müssen motiviert werden

Jugendlichen mit Migrationshintergrund könnte das eine Perspektive geben, ist sich Ludwig Georg Braun, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages sicher: "Die erste Voraussetzung, um jemanden zu begeistern, sich anzustrengen und seine Qualifikationsleistung zu verbessern ist, dass Ausbildungsplätze angeboten werden. Denn viele, die in dieser Risikogruppe genannt werden, werden schon so früh an den Rand gedrängt, weil sie in der Hauptschule sind, dass sie sich sagen, ich habe ja sowieso keine Chance. Sie zu motivieren, ist ein zusätzliches Problem."

Braun möchte zudem Unternehmer ausländischer Herkunft dafür begeistern, sich in den Schulen vorzustellen und die Schüler für ihre Betriebe zu begeistern. Eine Idee, die im Bundesbildungsministerium auf offene Ohren stößt. Gute Vorbilder seien wichtig, so der parlamentarische Staatssekretär Andreas Storm. Er will die Unternehmer generell mehr in die Pflicht nehmen. Integration sei keine Einbahnstraße, Unternehmen mit ausländischen Inhabern müssten noch mehr dazu beitragen.

Probleme mit dem Dualen System in Deutschland

Im Gegenzug können sie aber auch auf Unterstützung hoffen, denn viele ausländische Firmen sind mit dem zweigleisigen Ausbildungssystem aus Berufsschule und Praxis überfordert. "Es ist wichtig, dass wir gerade bei kleinen Betrieben deutlich machen, wo Potenzial ist und wo man Ausbildungsplätze schaffen kann. Ein ganz wichtiger Punkt für kleine Unternehmen mit nur drei oder vier Beschäftigten ist die Möglichkeit, dass das Ausbildungsmanagement - also zum Beispiel das Handling im Umgang mit der Berufsschule - extern durchgeführt wird."

Der türkische Unternehmer Kemal Sahin ist zuversichtlich, dass dieses Angebot angenommen wird. Für die globalisierte Wirtschaft, so sagt er, brauche man doch gerade Menschen mit bikulturellem Hintergrund, die am besten auch noch mehrere Sprachen sprechen. Wo man jetzt ein Problem habe, so Sahin, da biete sich auch eine riesige Chance, wenn man es richtig anpacke.

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