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Asien

Bessere Ernte mit weniger Wasser

Die Versorgung einer wachsenden Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln ist eine der großen Zukunftsaufgaben. Dafür müssen die begrenzten Wasserressourcen effizienter genutzt werden.

Sustainable agroecosystem with cabbage and bananas; Copyright: IWMI/Comprehensive Assessment

Agroöko Systeme IWMI

Bis Mitte dieses Jahrhunderts wird die Weltbevölkerung von heute etwa sieben Milliarden auf mehr als neun Milliarden Menschen anwachsen, so die Prognose des UN-Bevölkerungsberichts. "In den kommenden 30 bis 40 Jahren müssen wir rund 70 Prozent mehr Nahrungsmittel produzieren, um die Weltbevölkerung zu ernähren. Doch um diese riesige Menge an Nahrungsmitteln anzubauen, gibt es in vielen Ländern nicht genug Wasser", sagt der Direktor des International Water Management Institute (IWMI), Colin Chartres.

Portrait Colin Chartres, Chef des International Water Management Instituts IWMI. (Foto/Copyright: IWMI)

Colin Chartres, Direktor des International Water Management Institutes (IWMI)

Das Forschungsinstitut mit Sitz in Sri Lanka erhielt am 30. August den Stockholmer Wasserpreis 2012. Die gemeinnützige Organisation mit Außenstellen in zehn afrikanischen und asiatischen Ländern hat Strategien erarbeitet, die Entwicklungs- und Schwellenländern den nachhaltigen Einsatz von Land- und Wasserressourcen in der Landwirtschaft ermöglichen sollen. Effektivere Bewässerungssysteme, leichterer Zugang zu Wasser, bessere Speicher und Verteilsysteme sind nur einige der empfohlenen Maßnahmen.

"More crop per drop"

Colin Chartres fasst die Herausforderung für Forscher und Produzenten so zusammen: "Wir müssen in Zukunft mit weniger Wasser, als uns jetzt zur Verfügung steht, mehr Nahrungsmittel produzieren. Unser Ziel ist es, auf der Hälfte der Fläche den doppelten Ertrag zu erzielen." Anders ausgedrückt: "More crop per drop", wie das IWMI seine Strategie zur effizienteren Verwendung von Wasser in der Landwirtschaft auf den Punkt bringt. Heute fließen über 70 Prozent des globalen Wasserverbrauchs in die Landwirtschaft. Das müsse weniger werden, sagen die IWMI-Experten.

Auf lokaler Ebene arbeitet das Wasserinstitut mit Nichtregierungsorganisationen zusammen. "Doch um Forschungen durchführen und konkrete Strategien umsetzen zu können, sind wir auf die Unterstützung der jeweiligen Regierungen angewiesen", betont Chartres.

Zusammenarbeit mit Tansania

Zwei Menschen stehen am ausgetrockneten Ufer des Großen Ruha Flusses in Tansania. (Foto: Bruce Lankford,University of East Anglia/IWMI).

Trockenes Bett des Großen Ruaha Flusses in Tansania. Bewohner, Flora und Fauna leiden unter dem Wassermangel

Eine in Tansania durchgeführte IWMI-Studie ergab zum Beispiel, dass rund 2,5 Millionen Menschen von Flussumleitungen, preiswerten Grundwasser-Pumpen und dem Sammeln von Regenwasser auf Terrassenfeldern profitieren würden. Finanziert wurde diese Studie von der amerikanischen Bill and Melinda Gates-Stiftung. "Wir haben der Regierung Tansanias empfohlen, für diese Maßnahmen das Budget des Landwirtschaftsministeriums zu erhöhen", berichtet der IWMI-Chef. Tatsächlich hat die Regierung sechs Millionen US-Dollar bereitgestellt. Darüber hinaus soll eine Diskussionsplattform mit lokalen Behörden, Wissenschaftlern und Universitäten sicherstellen, dass die Maßnahmen dauerhaft weitergeführt werden.

Grundwassermanagement in Indien

Ein weiteres Beispiel ist Indien, wo die Bauern heute das Grundwasser mit mehr als 23 Millionen Pumpen abzapfen, um ihre Felder zu bewässern. Jedes Jahr kommen rund eine Million Pumpen hinzu. Diese bisher unkoordinierte Ausbeutung erschöpfe jedoch diese wichtige Ressource, sagt Somasekhar Rao, Wasser-Experte bei der Asiatischen Entwicklungsbank. IWMI-Experten haben in drei Bundesstaaten in Indiens Süden Rahmenbedingungen erarbeitet, die einen effizienteren Umgang mit Grundwasser ermöglichen. "Wenn sie von der Regierung umgesetzt werden, dann werden 30 bis 40 Prozent der indischen Bevölkerung (bis zu 480 Millionen Menschen) davon profitieren", schätzt Rao.

Indische Bauern auf ihrem grünen Feld, im Vordergrund eine Grundwasser-Pumpe(Foto: Aditi Mukerji, IWMI)

Indische Bauern pumpen Grundwasser ab um ihr Feld zu bewässern. Sie profitieren, doch der Grundwasserspiegel sinkt

Sunita Narain, Direktorin der renommierten indischen Umweltorganisation "Center for Science and Environment", schätzt die Rolle des Instituts aus Sri Lanka sehr hoch ein. "Länder wie Indien haben verstanden, dass Wasser ein entscheidender Faktor für die Nahrungssicherheit sein wird. Aber die Menschen vor Ort wissen noch nicht genau genug, welchen Weg sie beschreiten sollen, um tatsächlich im Sinne von 'more crop per drop' Landwirtschaft zu betreiben. Dafür brauchen sie die Hilfe des IWMI, dem weltweit einzigen Forschungsinstitut zu Wassermanagement mit globalem Format."

Das International Water Management Institute wurde 1984 als eines der 15 Institute des internationalen CGIAR-Konsortiums (Consultative Group on Agricultural Research) gegründet. In den frühen Jahren lag der Schwerpunkt darin, Kleinbauern bessere Methoden zur Bewässerung an die Hand zu geben. Heute konzentriert sich die  Arbeit des IWMI stärker auf Ertragssteigerung bei gleichzeitigem Schutz von Flüssen, Gewässern und Feuchtgebieten.

Vision Nahrungsmittelsicherheit

Indische Frau hockt zwischen ihren Kohlköpfen auf einem Markt (Foto: Sanjini de Silva/IWMI)

"Kleinbauern brauchen sicheren Zugang zum Markt"

Für die Zukunft wünscht sich Colin Chartres, dass sich auch große Nahrungsmittelkonzerne stärker für ein besseres Wassermanagement in Entwicklungs- und Schwellenländern einsetzen. "Wenn die Unternehmen durch Investitionen den Kleinbauern helfen, effizienter und mehr zu produzieren, dann haben beide Seiten Vorteile. Die Unternehmen können sich auf zuverlässigen Nachschub an Rohstoffen für ihre Lebensmittelproduktion verlassen. Die Bauern erhalten einen gesicherten Zugang zum Markt und können von ihren höheren Erträgen profitieren." Der IWMI-Chef sieht keinen Interessenskonflikt zwischen Kleinbauern und Agrobusiness. Vielmehr seien alle an nachhaltiger Produktion interessiert, einschließlich entsprechender Regeln und Vorschriften durch die Regierungen. Chartres ist sich sicher: "Wenn alle Beteiligten in diesem Sinne zusammenarbeiten, dann führt das schließlich zu Nahrungsmittelsicherheit für uns alle."

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