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Deutschlehrer-Info

Bessere Chancen für ausländische Fachkräfte

Mit einer Ausbildung im Ausland war es auf dem deutschen Arbeitsmarkt lange schwer, eine Stelle als Fachkraft zu bekommen - trotz Fachkräftemangels. Eine Internetplattform bietet nun einen Überblick über die Abschlüsse.

Was lernt ein Heizungstechniker während seiner Ausbildung in Syrien? Wie sieht eine Lehre zum Tischler in Polen aus? Und was muss eine Marokkanerin wissen, um in ihrem Heimatland Programmiererin zu werden? Antworten darauf findet jeder öffentlich zugänglich im

BQ-Portal

. Gerade jetzt, wo so viele Menschen in Deutschland Zuflucht suchen, können Unternehmen und Kammern auf der Internetplattform ausländische Berufsqualifikationen und Bildungssysteme recherchieren.

"In Ländern wie Syrien ist die Recherche für uns besonders schwierig", sagt Daniel Wörndl. Der studierte Wirtschaftspädagoge betreut das BQ-Portal. Laut Wörndl haben er und seine Kollegen Glück, dass sie auch dort vereinzelt verlässliche Informanten hätten finden können. "Einige Kontakte brechen auch wieder ab. Manchmal hören wir wochenlang nichts oder wissen nicht, ob die Person noch dort tätig oder vielleicht schon geflohen ist."

Trotzdem konnten die Mitarbeiter des BQ-Portals schon die Lehrpläne für 40 verschiedene Berufsfelder in Syrien recherchieren - darunter Heizungs- und Elektro- und Klimatechnik. Für diese Jobs suchen deutsche Firmen aktuell händeringend nach passenden Fachkräften. Nach der aktuellsten Analyse der Bundesagentur für Arbeit vom Juni 2015 gibt es zwar momentan keinen flächendeckenden Fachkräftemangel in Deutschland, manche technischen Berufe oder der Gesundheits- und Pflegesektor kämpften allerdings um Auszubildende.

Fast 1500 Berufsprofile im Überblick

Deutsche Unternehmen sind also nach wie vor auf ausländische Fachkräfte angewiesen. Die Politik reagierte darauf 2012 mit dem Anerkennungsgesetz. Seitdem haben Migranten das Recht, überprüfen zu lassen, ob ihr Berufsabschluss mit dem des entsprechenden Berufs in Deutschland gleichwertig ist. Das BQ-Portal gibt es sogar schon ein Jahr länger. Finanziert wird es vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Dahinter stehen das Beratungsunternehmen IFOK, der IT-Dienstleister ]init[ und das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW). Dort arbeitet auch Daniel Wörndl. Seit 2011 haben er und rund ein Dutzend weiterer IW-Mitarbeiter Informationen für 73 Länder- und 1460 Berufsprofile zusammengetragen. Auf der

klickbaren Weltkarte

ist allein der afrikanische Kontinent ein nahezu weißer Fleck.

Wörndl und seine Kollegen recherchieren weltweit. Sie sprechen insgesamt 17 Sprachen und haben die unterschiedlichsten kulturellen und beruflichen Hintergründe. "Deswegen können wir in die meisten Länder problemlos telefonieren oder E-Mails schreiben", sagt er.

Das BQ-Team schaut, aus welchen Nationen die meisten Menschen kommen, die ihren Berufsabschluss in Deutschland anerkennen lassen wollen. Im Moment konzentrieren sich die IW-Mitarbeiter besonders auf die Herkunftsländer von Flüchtlingen, die sehr wahrscheinlich in Deutschland bleiben dürfen. Gerade arbeiten sie mit Hochdruck daran, Informationen über Lehren in Afghanistan, Pakistan und Eritrea zu beschaffen.

Die offizielle Anerkennungsstatistik des Bundes besagt, dass die zuständigen Stellen, wie etwa die Kammern, 96 Prozent der 15.000 Anträge 2014 als "teilweise" und 78 Prozent als "voll" gleichwertig einstuften. In dieser Statistik tauchen auch akademische Berufe auf. Das BQ-Portal konzentriert sich im Gegensatz zu der Plattform

anabin

allerdings nicht auf Studienabschlüsse, sondern auf Ausbildungen. Die relevanten Informationen finden Wörndl und seine Kollegen, indem sie bei ausländischen Bildungsministerien und -einrichtungen nachforschen oder im Internet recherchieren.

Dezentral und transparent

Dennoch: Ganz alleine würden sie das BQ-Portal nicht stemmen können. "Wir haben 345 registrierte Nutzer, die aktiv am Portal mitarbeiten und es mit Informationen füttern." Nutzer, das sind Mitarbeiter verschiedenster Kammern wie die Handwerks-, Landwirtschafts-, Ärzte-, Industrie- und Handelskammern. Dieser Aufbau des Portals ist auch mit Grund dafür, dass sich das BQ-Portal seit Kurzem mit einem Preis schmücken darf. Der

"European Public Sector Award"

würdigt innovative Ideen, die wichtige gesellschaftliche Herausforderungen angehen. Alle Stellen, die Berufsabschlüsse anerkennen, können dezentral mitarbeiten. "Jemand aus München stellt genauso Informationen ins Portal ein wie eine Kammer in Saarbrücken oder in Berlin", erklärt Wörndl. Auch Transparenz ist für den Wirtschaftspädagogen ein großes Plus. Denn theoretisch kann jeder darauf zugreifen und sich einen Einblick verschaffen.

"Natürlich gibt es manchmal auch Schwierigkeiten", räumt Wörndl ein. Selbst wenn seine Ausbildung den Stempel "voll gleichwertig" erhält, könne es sein, dass ein Mitarbeiter noch nicht gut genug Deutsch spreche und daher Probleme haben könne, sich im Unternehmen einzufinden. Die Liste der

positiven Beispiele

sei aber lang - gerade im vom Fachkräftemangel gebeutelten Bereich Elektronik. "Dort haben Firmen beispielsweise ausgebildete Elektroniker aus Bosnien und Polen bei der Anerkennung unterstützt und die sind jetzt sehr gut integriert", sagt Wörndl. Sei es eine Hörakustikerin aus Polen, ein Kfz-Mechaniker aus der Türkei oder eine Zahntechnikerin aus Albanien: Das BQ-Portal hilft Neuankömmlingen dabei, in ihrem Beruf zu arbeiten - und damit auch ein Stück schneller hier anzukommen.

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