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Asien

Besorgter Blick in die Heimat

Aus der Ferne beobachten viele Uiguren die Unruhen in Xinjiang. Etwa 500 von ihnen leben in München - der größten Gemeinde von Exil-Uiguren weltweit. Hier sitzt auch der Weltkongress der Uiguren (WUC).

Exil-Uiguren vor dem Brandenburger Tor in Berlin (Foto: dpa)

Nicht nur in München protestieren die Exil-Uiguren - auch am Brandenburger Tor in Berlin

Tägliche Nachrichtensendungen - für viele Uiguren im Ausland ist das die einzige Informationsquelle, die sie haben, um sich über die Lage in ihrer Heimat Xinjiang zu informieren. Bilder von den Straßen der Provinzhauptstadt Urumqi zeigen Gewalt und Chaos. Seit über einer Woche dauern die ethnischen Unruhen zwischen der einheimischen uigurischen Bevölkerung und den Han-Chinesen an.


Chinesische Soldaten in Xinjiang (Foto: AP)

Die massive chinesische Militärpräsenz in Xinjiang macht auch den Exil-Uiguren Angst

Immer noch ist der Informationsfluss aus der westchinesischen Provinz Xinjiang zäh. Chinesischen Behörden versuchen, jegliche Nachrichten aus der Unruheregion zu kontrollieren - durch massive Internetzensur und blockierte Telefonleitungen. Selbst die Kommunikationswege ausländischer Medien werden gestört.

München größte uigurische Gemeinde Europas

Nur vereinzelt kommen Informationen aus Urumqi oder Kashgar per Telefon durch. Diese werden im Münchener Büro des Weltkongresses der Uiguren gesammelt. Asgar Can leitet das Büro. Er ist Vizepräsident des WUC. Die Stimmung innerhalb der uigurischen Gemeinde in München, so sagt Can, sei gedrückt. Hier leben etwa 500 Exil-Uiguren - die größte uigurische Gemeinde in Europa. "Wir sind natürlich sehr betroffen und fassungslos. Jeder von uns hat Familienangehörige und Freunde in Xinjiang," erklärt Asgar Can, "man verfolgt die Ereignisse mit Besorgnis und Aufmerksamkeit. Wir haben auch natürlich Angst. Wie wird das weitergehen?"

Demonstranten stürzen in Urumqi ein Polizeiauto um (Foto: AP)

Die chinesische Regierung gibt die Schuld an den Unruhen den Uiguren und droht den Anführern mit der Todesstrafe

Peking spricht von Terroristen

Asgar Can ist einer von fünf Stellvertretern von Rebiya Kadeer, der Präsidentin des WUC, die in Washington im Exil lebt. Bereits seit Jahren engagiert Can sich für die Interessen der Uiguren und ist deshalb auch den chinesischen Behörden ein Dorn im Auge. Nach den Anschlägen des 11. September wurde der Weltkongress von der chinesischen Regierung als Terrororganisation eingestuft. Asgar Can wehrt sich gegen diese Darstellung. Er sieht den WUC als transparente Vereinigung von Uiguren und als legitime Vertretung der Exil-Uiguren, die durch Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert wird.

Demokratischer Verband

Uigurische Demonstranten in Istanbul (Foto: dpa)

Fast alle Exil-Uiguren haben Freunde oder Verwandte in Xinjiang

Mit demokratischen Wahlen wird alle drei Jahre ein neuer Vorstand bestimmt. Aus insgesamt 20 Ländern kommen die Exil-Uiguren, um so ihre Vertreter zu wählen. Zudem versucht der WUC Strukturen zu schaffen, um die Kommunikation innerhalb der uigurischen Diaspora zu verbessern. "Wir stehen ständig per Email und Telefonkonferenzen in Kontakt miteinander", beschreibt Asgar Can das weltweite Netzwerk der Uiguren.

Seit Beginn der Unruhen in Xinjiang sind die Exil-Uiguren noch näher zusammengerückt. Man tauscht neueste Informationen aus der Unruheregion aus. Viele befürchten eine nachhaltige Verschlechterung des Verhältnisses zwischen Uiguren und Han-Chinesen. Trotzdem hofft Asgar Can, dass beide Bevölkerungsgruppen irgendwann wieder friedlich miteinander leben können.

Autor: Chi Viet Giang

Redaktion: Nicola Reyk

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