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Politik

Besorgte Nachbarn

US-Präsident George Bush meint es ernst. Er will den irakischen Diktator Saddam Hussein lieber heute als morgen stürzen. Der Plan schürt Sorgen bei Iraks arabischen Nachbarn vor einem Flächenbrand in der Region.

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Lieber ein altbekannter Diktator als ein neuer Krieg?

Der saudische Außenminister Saud al Faisal und sein iranischer Amtskollege Kamal Kharrazi waren sich beim kürzlichen Besuch Faisals in Teheran einig: Man widersetze sich jedem Angriff auf ein muslimisches Land. Selbst wenn es sich um den Irak handle. Saudis und Iraner, die ihre Beziehungen erst in den letzten Jahren einigermaßen normalisiert hatten, beobachten seit Monaten mit wachsender Beunruhigung die kriegerischen Äußerungen George W. Bushs gegen den Irak. Zusätzlich zu solch panislamischen Motiven schiebt man das Argument vor, Washington habe im israelisch-palästinensischen Konflikt versagt und sich deswegen auch in der Konfrontation mit dem Irak disqualifiziert.

Sonst aber sind die Motive der beiden - die sich lange Jahre alles andere als freundschaftlich gegenüber standen - durchaus unterschiedlich: Denn die Saudis gelten, trotz ihrer Verärgerung über ausbleibende Fortschritte in Nahost, weiterhin als enge Verbündete der USA, während die Ablehnung der USA durch den Iran gerade jetzt wieder im Streit zwischen Reformern und Konservativen eine besondere Rolle spielt. Die Reformer wollen die Spannungen gegenüber Washington graduell abbauen, während die Konservativen das "Feindbild USA" um jeden Preis am Leben halten wollen. Ihnen kam sehr entgegen, dass Präsident Bush den Iran im Februar als Teil der "Achse des Bösen" bezeichnete - Grund genug für die Konservativen, fast täglich die Verteidigungsbereitschaft des Landes gegen vermeintliche Angriffspläne der USA zu betonen. Wobei die Reformer gelegentlich mitziehen, um allzu große Meinungsverschiedenheiten mit den "Hardlinern" zu vermeiden.

Unvergessener Krieg

Dabei verbindet Teheran nicht gerade viel mit Bagdad: Der lange Krieg zwischen beiden Ländern ist nicht vergessen, immer noch werden Leichen von Gefallenen ausgetauscht, gelegentlich auch noch Kriegsgefangene. Und obwohl iranische Pilger die heiligen Stätten der Schiiten im Irak besuchen, werden von irakischem Boden aus Angriffe der exiliranischen Opposition - der "Mujaheddin" - gegen Ziele im Iran durchgeführt und in Teheran ist eine der exilirakischen Oppositionsgruppen ansässig - die jüngst sogar von den USA zu Beratungen über den Krieg eingeladen wurde. Was Teheran bei all dem Sorge macht, ist die Aussicht, dass der Iran nach einem Sieg gegen Saddam Hussein nächstes Ziel werden könnte. Seitdem der amerikanische Einfluss in Afghanistan gewachsen ist, seitdem Pakistan und die Zentralasiatischen Republiken am Anti-Terror-Krieg der USA beteiligt sind, würde die Ausweitung des amerikanischen Einflusses auf den Irak deswegen eine Umzingelung oder Einkesselung des Iran bedeuten. Gründe genug, den Irak-Plänen Bushs eine Abfuhr zu erteilen.

Für die Saudis und andere arabische Staaten - vom irakischen Kriegsopfer Kuwait über den gemäßigten Oman, Jordanien, Ägypten bis nach Marokko - sehen die Gründe für eine Ablehnung der Kriegspläne etwas anders aus: In all diesen Staaten gibt es Mangel an Meinungsfreiheit und Bürgerrechten und eine - mehr oder weniger - aktive Opposition. Diese bedient sich besonders oft und gerne des Feindbildes USA und solidarisiert sich mit Washingtons ärgstem Feind in der Region - Saddam Hussein. Selbst wenn dieser meist nichts für diese Opposition getan hat.

Mobilisierte Massen?

Ein amerikanischer Angriff auf den Irak wird mit größter Sicherheit die Massen in der arabischen und muslimischen Welt mobilisieren. Und damit auch die radikalen Oppositionsgruppen, denen dann eine Destabilisierung der jeweiligen Regime leichter fällt. Kein arabischer Herrscher kann an solch einer Entwicklung auch nur das geringste Interesse haben. Deswegen haben sich die meisten von ihnen bereits klar und deutlich gegen einen amerikanischen Angriff ausgesprochen.

Einen kleinen Vorgeschmack auf solch eine Entwicklung hat man vor den ersten Angriffen gegen die Taliban bekommen, als in Pakistan und anderen muslimischen Staaten Massendemonstrationen gegen die USA abgehalten wurden, die dann allerdings auch wieder verebbten. Im Gegensatz dazu dürfte ein Angriff auf den Irak weitaus gravierendere Folgen haben und er wird nicht nur amerikanische Interessen in der Arabischen Welt gefährden sondern auch die der zwar nicht gerade demokratischen, meist aber gemäßigten Regime dort. Aus einem regional begrenzten Konflikt könnte sich nur allzu leicht ein Flächenbrand entwickeln.

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