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Kultur

Besetzt, aber leer

"Der Louvre im Zweiten Weltkrieg, Photographische Betrachtungen 1938-1947" heißt eine neue Ausstellung im größten Museum der Welt. 56 Fotos dokumentieren, wie sich der Louvre auf den Krieg vorbereitete.

Blick auf den Louvre und die Glaspyramide Foto:dpa

Blick auf den Louvre und die Glaspyramide

Als erste verließ die "Mona Lisa" den Louvre: Am 28. August 1939, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, wurde das Meisterwerk im Schloss Chambord an der Loire in Sicherheit gebracht. Die Schwarzweiß-Fotos vom September 1939 zeigen wie - nach der Kriegserklärung - auch die übrigen wichtigen Kunstschätze Hals über Kopf aus dem Louvre entfernt wurden: Da steht die Venus von Milo auf einer schäbigen Palette, Trageriemen schnüren ihre Taille ein. Die griechische Siegesgöttin, Nike von Samothrake hängt in Sackleinen gehüllt am Flaschenzug. Die gesamte Gemäldegalerie ist ausgeräumt, die Wände sind kahl und auf dem Boden liegen leere Bilderrahmen.

Gemälde evakuiert

"Heute weiß niemand mehr, wie viele Objekte evakuiert wurden", sagt Ausstellungsleiter Guillaume Fonkenell: "Fest steht, dass die Gemälde den Louvre fast komplett verlassen haben. Die anderen Abteilungen mussten auswählen." So wurde die italienische Renaissance mit den Sklaven von Michelangelo geborgen, wohingegen alle Werke der französischen Renaissance im Louvre blieben. Kriterien waren die Fragilität, Größe und Gewicht der Skulpturen, außerdem sollte eine repräsentative Auswahl der Strömungen und der großen Künstler getroffen und die Einheitlichkeit der Sammlungen gewahrt werden. Die Kunstwerke blieben nur ein Jahr im Schloss Chambord. Als die Wehrmacht auch dort anrückte, wurden sie erneut verschickt. Es gleicht einem Wunder, dass Gemälde und Skulpturen den Krieg unbeschadet überstanden haben.

Der besetzte Louvre

Louvre während des 2. Weltkriegs Foto:Bibliothèque nationale

Louvre während des 2. Weltkriegs

Unterdessen befahlen die deutschen Besatzer im September 1940, dass der Louvre wieder eröffnet wird. Zu dieser Zeit nahm in Paris die Kunstschutzabteilung unter Leitung von Graf Metternich die Arbeit auf. Schon bald kam es zu Konflikten mit dem Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg, kurz ERR genannt. So hieß eine Rauborganisation des Dritten Reiches, die unter Leitung des Parteiideologen Alfred Rosenberg stand. Ziel des ERR war es, wertvolles Kulturgut von Juden und Freimaurern nach Deutschland zu bringen.

Depot für Beutekunst

Saal im Louvre Foto: Bibliothèque nationale

Saal im Louvre

Die Rauborganisation konfiszierte drei Säle im Louvre. In der Ausstellung ist die Tätigkeit des ERR anhand von Fotos aus dem Koblenzer Bundesarchiv dokumentiert: Die Kisten mit der Beutekunst stapeln sich im Erdgeschoß. In einem anderen Raum sind haufenweise Gemälde an eine Wand gelehnt, anschließend sieht man, wie die Werke vor ihrem Abtransport nach Deutschland inventarisiert werden.

Der Kurator der Ausstellung geht davon aus, dass der unbekannte Fotograf selbst Mitglied des ERR war. "Diese Säle im Louvre wurden streng überwacht, Franzosen hatten dort keinen Zutritt und es war gewiss so gut wie unmöglich, dort zu fotografieren", sagt Guillaume Fonkenell.

Gefangenenlager für deutsche Soldaten

Der Louvre sollte auch dem Ansehen der Besetzer dienen und ihrer Zerstreuung. Wehrmachtssoldaten, die zum Urlaub nach Paris kamen, wurden in Gruppen durch das halbleere Museum geführt, auf einigen Fotos sind deutsche Informationsschilder und Wegweiser zu sehen. Drei Tage lang diente der Viereckshof im Alten Louvre sogar als Gefangenenlager für deutsche Soldaten.

Die Mona Lisa kehrt zurück

Mona Lisa kehrt in den Louvre zurück Foto: Bibliothèque nationale

Mona Lisa kehrt in den Louvre zurück

Bewegend sind die Aufnahmen von der Rückkehr der Meisterwerke. Der Fotograf Pierre Jahan hat den ersten Blick auf die gerettete Mona Lisa verewigt: Ganz behutsam wird das Schutzpapier von dem Gemälde gezogen und über der hohen Stirn zeugt ein alter Riss von der Verletzbarkeit des Werkes. Die tonnenschwere Nike von Samothrake hingegen kehrt auf seinem Bild wie im Triumphzug in den Louvre zurück.

Autorin: Bettina Kaps

Redaktion: Conny Paul