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Kultur

Bescheidene Ziele für deutsche Springer

Bei der Vier-Schanzen-Tournee, die am heutigen Mittwoch in Oberstdorf beginnt, sind die deutschen Springer ohne Chancen auf den Gesamtsieg. Die Stars sind formschwach – Überraschungen sind jedoch immer drin.

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Bilder aus glücklichen Tagen: Martin Schmitt als Überflieger

Er war der erste Popstar des Skispringens: Martin Schmitt. Von dem Glanz vergangener Tage war zuletzt jedoch nichts mehr zu sehen. Schmitt sprang hinterher. "Das erste Ziel für ihn ist die Qualifikation für das Finale der besten 30", sagte der Bundestrainer des Deutschen Skiverbands (DSV), Peter Rohwein vor dem Auftakt der 53. Vier-Schanzen-Tournee. Mit dem zweiten großen Star des deutschen Skispringens sieht es derzeit sogar noch schlechter aus. Sven Hannawald ist erst gar nicht im Team. Der Gesamtsieger von 2002 leidet an chronischer Erschöpfung und legt ein Jahr Pause ein.

Trio aus jungen Springern muss ran

Skispringen

Da war er noch nicht chronisch erschöpft: Der deutsche Skispringer Sven Hannawald während eines Trainingsdurchgangs im letzten Winter.

Peter Rohwein setzte deswegen notgedrungen auf Schmitt und ein Trio junger Springer, die in den letzten Jahren noch meist hinter Schmitt und Hannawald in der zweiten Reihe standen. Georg Späth, Michael Uhrmann und Alexander Herr sollen es richten für den DSV. "Sie sind gut in Schwung", zeigte sich Trainer Rohwein optimistisch. "Sie können für die eine oder andere Podestplatzierung sorgen." Die größten Erfolge dieses Trios hatte zuletzt Georg Späth vorzuweisen. Schon bei der Vier-Schanzen-Tournee 2003/2004 war er als Sechster in der Endabrechnung der beste Deutsche.

Lichtblick für Schmitt

Nach der Qualifikation am Dienstag haben die Deutschen tatsächlich Grund, optimistisch in die Tournee zu gehen. Michael Uhrmann als Zehnter mit einem Satz von 127,5 Metern, direkt dahinter Alexander Herr mit 126,5 und Georg Späth mit 125,5 Metern - ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann. Der glücklichste der deutschen Springer war allerdings ein anderer: Mit 125 Metern landete Martin Schmitt auf Rang 15 der Qualifikation. "Es ist lange her, dass ich mich so gefreut habe, so macht Skispringen wieder Spaß", sagte Schmitt. "Ich war unglaublich nervös, aber jetzt bin ich wahnsinnig erleichtert." Von Erfolgen früherer Tage ist Schmitt allerdings auch mit seinem 15. Rang noch weit entfernt. Immerhin blickt er auf drei Oberstdorf-Siege zurück. 1998, 1999 und 2000 stand er ganz oben auf dem Siegerpodest.

Lokalmatador mit Steigerungspotential

Sven Hannawald

Sven Hannawald vor einem Jahr in Oberstdorf.

Der Oberstdorfer Georg Späth sieht nach der Qualifikation noch Steigerungsmöglichkeiten. "Ich habe mich mit der Schanze noch nicht angefreundet", meinte der Lokalmatador. Sein Ziel bleibt es, den sechsten Gesamtrang der letzten Tournee zu bestätigen. Dazu will er im Wettkampf von Oberstdorf den Grundstein legen. "Oberstdorf ist meine Heimschanze", erklärt der 23-jährige Sportsoldat. "Da möchte ich die Familie, Freunde und Bekannte ganz besonders begeistern."

Gesamtsieg Sache der Großen

Mit dem Gesamtsieg werden die deutschen Springer allerdings wohl nichts zu tun haben, den werden andere unter sich ausmachen. Wer für den Tourneesieg in Frage kommt, das wird sich spätestens mit dem zweiten Springen am Neujahrstag in Garmisch-Partenkirchen abzeichnen. Die Entscheidung fällt Anfang Januar 2005 in Innsbruck und Bischofshofen. Ganz oben auf der Favoritenliste steht derzeit der Überflieger der bisherigen Saison, der Finne Janne Ahonen. Der gewann gleich sieben der ersten acht Saisonspringen. Auch in der Qualifikation am Dienstag war Ahonen nicht zu schlagen: 135 Meter waren zu gut für die Konkurrenz. Allerdings hat Ahonen die Oberstdorfer Schattenbergschanze in der Vergangenheit nur wenig Glück gebracht. Erst einmal, nämlich im Jahr 2002, schaffte er es dort als Dritter aufs Siegerpodest. Im letzten Jahr führte in Oberstdorf an einem anderen Skandinavier kein Weg vorbei: Damals dominierte der spätere Gesamtsieger Sigurd Pettersen den Tourneeauftakt.

Formtief durch falsches Training

Martin Schmitt hatte vor dem Springen erstmals auch den entlassenen Ex-Bundestrainer Wolfgang Steiert kritisiert. "Ich habe mir im Sommer keine stabile Technik erarbeiten können, weil ich zuviel Augenmerk auf die Athletik gelegt habe und dadurch oft müde war", sagt er. Ein Satz, der direkt an die Adresse von Steiert ging. Der war ebenfalls an der Schanze, und zwar in seiner neuen Funktion als Cheftrainer des russischen Teams. Für Schmitt könnte Oberstdorf die große Chance sein, verlorenes Terrain zurück zu gewinnen. Zuspruch erhielt er dabei von der Tournee-Legende Jens Weißflog. "Momentan ist Martin am Tiefpunkt", sagte der viermalige Tourneesieger vor dem Qualifikationsspringen, "aber auch ein Andre Agassi war zwei Jahre ganz unten und ist wieder die Nummer eins im Tennis geworden." Für eine derartige Auferstehung dürfte die anstehende Tournee allerdings wohl doch noch etwas zu früh kommen.

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