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Bildung

Beschaulichkeit und Innovation: die Universität Tübingen

Bislang rühmte sich die Tübinger Universität mit ihren Dichtern und Denkern. Jetzt kann sie nicht nur mit großen Namen aus der Vergangenheit, sondern auch mit großen Zukunftsplänen als Elite-Uni aufwarten.

Windschiefe, mittelalterliche Fachwerkhäuschen in bunten Farben. Dazwischen der dicke, runde Turm, in dem der berühmte Dichter Friedrich Hölderlin vermutlich seine letzten Lebensjahre verbrachte. Der Neckar von uralten Platanen gesäumt und Studenten, die mit Stocherkähnen oder Tretbooten den Fluss entlangfahren. Jahrzehntelang kokettierte die Universitätsstadt Tübingen mit diesem netten verschlafenen Postkartenimage.

Die Hochschule schien stolz darauf zu sein, dass es nirgends in der Innenstadt ein zusammenhängendes modernes Campusgelände gibt und dass die altehrwürdigen Geisteswissenschaften noch in denselben historischen Gebäuden untergebracht sind wie zu Zeiten der berühmten Dichter und Philosophen Mörike und Hegel im 19. Jahrhundert. Vor lauter Beschaulichkeit hätte die Universität beinahe den Anschluss an die internationale Spitzenforschung verpasst.

Der Weg zur Spitzenuni

Das idyllische Tübingen (Foto: Uni Tübingen)

Mehr als nur Idylle

Heute genießt die Universität dank verschiedener Förderinitiativen bei Studierenden und Studienbewerbern wieder deutschlandweit einen guten Ruf. Die Medienwissenschaft zum Beispiel wird seit einiger Zeit mit Geldern aus dem universitären Innovationsfonds gefördert. Vier neue Professuren wurden eingerichtet, und die Studierenden sind mit Betreuung und Lehre zufrieden.

Auch offiziell ist die Eberhard-Karls-Universität Tübingen nun eine der besten Hochschulen Deutschlands. Bis 2017 darf sie sich "Elite-Universität" nennen. Damit erhofft man sich, auch international noch mehr Studierende an den Campus zu locken. Zurzeit sind in Tübingen rund 28.000 Studenten immatrikuliert. 3000 von ihnen kommen aus dem Ausland.

Im ersten Anlauf gescheitert

Arzt vor Bildschirm mit MRT vom Schädel (Foto: Universitätsklinik Tübingen)

Wie funktioniert das Gehirn?

Als Bund und Länder die Exzellenzinitiative 2006 starteten, da hatte sich Tübingen schon einmal beworben, aber den Zuschlag nicht in allen Kategorien bekommen. Zur sogenannten "Elite-Uni" reichte es damals nicht. Aber Tübingen hat seine ehrgeizigen Pläne nicht aufgegeben.

Immerhin fördert die Regierung schon seit 2007 das Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) als Exzellenzcluster. Max-Planck-, Hertie- und Helmholtz-Institute widmen sich hier gemeinsam mit der Universität der Erforschung des menschlichen Gehirns. Wie funktioniert das Gehirn, wie ist seine Steuerungsfähigkeit, und wie arbeitet sein Speicher? Das sind Fragen, mit denen sich die Wissenschaftler unter anderem beschäftigen. Das CIN wird auch weiterhin als Exzellenzcluster gefördert.

Das Zauberwort heißt Integration

Neben dem Exzellenzcluster ist nun auch die Graduiertenschule LEAD (Lernen, Leistung und lebenslange Entwicklung) finanziell besser ausgestattet. Hier will man sich mit grundsätzlichen Fragen der empirischen Bildungsforschung beschäftigen: Etwa mit der Frage, wie soziale Ungleichheiten in der Bildung entstehen und wie man sie überwinden kann.

Forschungsgebäude des Werner-Reichardt-Centrums für Integrative Neurowissenschaften (CIN) - Foto: CIN

Im Centrum für Integrative Neurowissenschaften ist Forschung angesagt

Auch das Zukunftskonzept der Uni hat die Jury der Exzellenzinitiative überzeugt. In Tübingen setzt man auf interdisziplinäre Arbeit und Integration - ganz so, wie es das Centrum für Integrative Neurowissenschaften bereits vormacht.

Kooperationen mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, aber auch mit Wirtschaft und Industrie sollen künftig im Mittelpunkt stehen. Weitere interdisziplinäre Forschungsprojekte sollen auch im Bereich der Sprach- und Lernforschung entstehen.

Von der engmaschigen Betreuung und Förderung amerikanischer Elite-Unis wie Harvard oder Yale ist Tübingen allerdings trotz "Elite-Status" noch immer weit entfernt. Die finanzielle Förderung richtet sich gezielt an die Forschung, aber die Universitätsleitung hofft natürlich, dass eine Förderung der Forscher auch positive "Nebenwirkungen" für die Lehre hat.

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