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Alltagsdeutsch – Podcast

Berufsziel Fußballmanager

Wer in Deutschland Fußball-Trainer werden will, für den gibt es eine vorgeschriebene Ausbildung. Angehende Fußballmanager suchten bislang vergeblich danach. Einige Hochschulen bieten jetzt entsprechende Studiengänge an.

Sprecher:
Es ist ein Freitagmorgen. Während es draußen ungemütlich regnet, sitzen in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes – des DFB – in Frankfurt am Main sechs Männer. Sie nehmen an dem Fernstudiengang zum Certified Soccermanager der Fachhochschule Erding in Bayern teil. Heute steht das Thema Finanzierung auf dem Stundenplan. Es bildet den Abschluss einer mehrtägigen Anwesenheitsphase für die Teilnehmer. Nach den drei Tagen in Frankfurt geht es für die Studenten wieder nach Hause, wo sie den Lernstoff vertiefen müssen. Dann heißt es, am heimischen Schreibtisch weiter fleißig am Traum zu arbeiten, einmal im Management eines großen Fußballvereins zu arbeiten. Unter den Teilnehmern ist auch Roland. Der 31-Jährige brachte es auf zwölf Bundesligaspiele für den 1. FC Köln. Dann musste er aber wegen einer Verletzung seine Karriere beenden. Der Übergang vom Profifußballer in die zweite berufliche Laufbahn klappte für ihn aber reibungslos.

Roland:
"Ich hab' ein Angebot beim SV Elversberg bekommen – West-Regionaligist – als Sportdirektor zu fungieren, und ja dementsprechend dazu mir die theoretischen Grundlagen halt anzueignen, habe ich mich dann dazu entschieden, für diesen, ja Lehrgang, Zertifikat des Soccermanagers."

Sprecher:
Roland wurde gefragt, ob er in einem Fußballverein, der in der Regionalliga spielt, die Funktion des Sportdirektors übernimmt, ob er als Sportdirektor fungiert. Da ihm das Wissen fehlt, muss er sich das, was in einer solchen Position verlangt wird, aneignen, er muss es lernen. Er muss den Verein im Prinzip leiten wie eine Firma, muss sich unter anderem um die Spielersuche und um Verträge kümmern. Er muss den Verein zudem repräsentieren. Neben dem Thema Finanzierung stehen für Roland und seine Kollegen auch die Themengebiete Sportrecht, Personalführung und Vermarktung auf dem Studienplan. Jeder muss, bevor er das Zertifikat des Fußballmanagers – neudeutsch Soccermanager – erhält, eine eigene Fallstudie erstellen. Ausgehend von einem konkreten Fall muss er begründen, wie er vorgegangen wäre, was er eventuell anders gemacht hätte. Die Teilnehmer des Fernstudiengangs kommen zu insgesamt fünf Präsenzveranstaltungen an einem Ort zusammen. Die meisten stehen allerdings bereits im Arbeitsleben, was manchen – wie auch Roland – vor Probleme stellt.

Roland:
"Die Zeit fehlt mir manchmal ein bisschen, weil ich schon sehr eingespannt bin im Job. Man kann schon sagen, dass das ein 24-Stunden-Job ist, ja. Es gibt sehr viel zu tun. Alle Sparten deckt das Ganze ab. Aber nichtsdestotrotz, ja, muss das theoretische Wissen natürlich auch behandelt werden. Es ist schwierig, aber wenn man sich so 'n bisschen Zeit nimmt, dann geht das schon."

Sprecher:
Für Roland bedeutet die Teilnahme an dem Fernstudium eine zusätzliche Belastung. In seinem Job muss er sehr viel arbeiten, er ist umgangssprachlich sehr eingespannt. Daher bleibt wenig Zeit und oft auch Energie, um sich mit der Theorie zu befassen, die viele Bereiche, viele Sparten umfasst. Die Gründe der Fachhochschule Erding, die Weiterbildung anzubieten, hatten mit den Vereinen selber zu tun. In den letzten Jahren meldeten vor allem in den unteren Ligen immer mehr Fußballvereine Insolvenz an, weil sie überschuldet waren. Immer wieder gab es zudem Probleme bei den Lizenzierungsverfahren. Will ein Verein eine Lizenz für die kommende Spielsaison erhalten, muss er nachweisen, dass er genug Geld hat, um alle Beschäftigten und alles Weitere zu bezahlen. Bei den Clubs sah man hier konkreten Handlungs- und Nachholbedarf, denn nicht jeder "Manager" hat das entsprechende betriebswirtschaftliche Know-how. Die Ausbildung soll, so Professor Oliver Haas von der Fachhochschule Erding, somit auch eine Art Hilfestellung für die Vereine sein:

Oliver Haas:
"Um zu sagen, das ist euer Handwerkskasten, das ist eure Toolbox, egal was ihr vorher gemacht habt, weil ihr vielleicht über den sportlichen Bereich auch reingekommen seid, euch da weiterzubilden. Weil wir eigentlich alle das Gleiche wollen: dass Fußball Spaß macht, dass tolle Spiele abgeliefert werden, aber auf der anderen Seite, dass es auch seriös finanziert wird."

Sprecher:
Den künftigen Fußballmanagern, die früher oft selbst Sportler waren und darüber in den Bereich des Managements reingekommen sind, sollen die dafür notwendigen Kenntnisse beigebracht werden. Sie sollen sich wie ein Handwerker aus einem Handwerkskasten bedienen können. Denn nur ein Verein, der seine Vorhaben seriös finanziert, der nicht mehr Geld ausgibt, als er hat, kann finanziell überleben. Funktionierte früher der Weg in den Managerberuf noch so, dass Profifußballer nach dem Ende ihrer Karriere bequem vom Spielfeld auf den Managersessel wechselten, wird heute von Vereinsseite immer mehr nach einer fundierten betriebswirtschaftlichen Ausbildung gefragt. Dafür gibt es laut Oliver Haas mehrere Gründe:

Oliver Haas:
"Ich glaube, dass der Druck von innen und von außen in den Clubs deutlich zugenommen hat. Mittlerweile haben Banken wirkliche Anforderungskataloge, wenn sie Kredite vergeben. Das ist alles etwas komplizierter geworden und auch nicht mehr so einfach für die Clubs. Und natürlich die Externen üben dann auch den gewissen Druck aus und sagen 'Okay, wir brauchen dann eine Abteilung Finanzen. Wer leitet die bei euch? Hat der die Kompetenz?' Und insofern ist dieser Markt für Manager im Fußballbereich deutlich mehr aufgebrochen, als es vor zehn Jahren noch war."

Sprecher:
Nicht nur Interne aus den Vereinen selbst achten auf das entsprechende Fach-Know-how, sondern auch Externe, wie Banken. Denn sie haben eine Reihe von Anforderungen, bevor sie Kredite vergeben – es ist ein ganzer Katalog. Deshalb suchen die Vereine eher Manager, die etwas von Finanzen verstehen. Der Markt ist – wie Haas sagt – aufgebrochen. Diese Tendenz unterstreichen auch die Karrieren der Manager Christian Heidel vom FSV Mainz 05 oder Jan Schindelmeiser, der viele Jahre bei 1899 Hoffenheim als Manager arbeitete. Die beiden konnten keine große Fußballerkarriere vorweisen. So führte Heidel früher ein Autohaus, Schindelmeiser absolvierte ein Magisterstudium in den Fächern BWL, Politik, Sport und Publizistik. Der Sportökonom Jan Jerosch hält es allerdings für eine Illusion, dass es jemand allein mit einem Fußballmanagerstudium auf den Managersessel eines Bundesligavereins schafft:

Jan Jerosch:
"Nichtsdestotrotz wird sich dieser – ich sag' mal – auch Fußballklüngel und das Vitamin B, was definitiv noch da ist, auch noch 'ne ganze Zeit lang halten."

Sprecher:
Jerosch findet, dass Fußballvereinsmanager unbedingt etwas von dem Ballsport verstehen sollten. In dem Bereich kenne man sich halt und helfe sich gegenseitig, es gebe einen Klüngel – ein Begriff, der vor allem im Rheinland benutzt wird. Und das nötige Vitamin B, die richtigen Beziehungen zu den richtigen Personen sei wichtig, wenn man eine bestimmte Position haben wolle. Das zeigen auch die erfolgreichen Managerkarrieren von Uli Hoeneß oder Klaus Allofs. Beide waren früher erfolgreiche Nationalspieler und im Anschluss genauso erfolgreiche Manager – ohne Studium, ohne Qualifikation. Für den angehenden Manager Roland ist ihr Erfolg deshalb auch nicht verwunderlich. Beide wüssten eben, welche Spieler angestellt, eingekauft werden müssten, weil sie sich gut in die jeweilige Mannschaft einfügen würden. Denn jeder Verein habe seinen eigenen Charakter, seine eigene Philosophie, die die Mannschaft nach außen zeige, sie widerspiegele.

Roland:
"Wo sie halt – sag'n wir mal – den engeren Bezug zum Fußball haben, ne: Die Abläufe kennen, die wissen wie 'ne Mannschaft funktioniert, was – glaube ich – das Wichtigste ist, ja, Spielertypen einzukaufen, die passen, die Philosophie des Vereins widerspiegeln. Klaus Allofs, Uli Hoeneß – das sind halt Leute, die genau wissen, was da zu machen ist, worauf es ankommt."





Fragen zum Text

"Ich kann keine Abendschule besuchen, weil ich …
1. zu sehr eingespannt bin."
2. auf den Lernstoff gespannt bin."
3. kein Auto anspannen kann."

"Ich wollte Kindergärtner werden. Ich bin aber nicht in den Beruf …
1. angekommen."
2. zugekommen."
3. reingekommen."

"Ich will diesen Spieler einkaufen, denn ich weiß, …
1. woran ich mit ihm nicht bin."
2. wohin er laufen kann."
3. worauf es mir ankommt."


Arbeitsauftrag
Setze die passenden Konjunktionen ein:

weshalbobwohldamitwennweil

1. Roland nimmt an dem Fernstudienlehrgang teil, _____ er im Management eines Fußballvereins arbeiten kann.
2. Roland konnte nicht mehr Fußball spielen, _____ er sich verletzt hatte.
3. Die Teilnehmer des Fernstudiengangs können nach Frankfurt reisen, _____ sie beruflich sehr eingespannt sind.
4. Hoeneß und Allofs waren selbst Fußballer, ______ sie von Vereinen als Manager eingestellt wurden.
5. Banken vergeben meist nur Kredite an Fußballvereine, _______ ihre Anforderungen erfüllt werden.

Autor/in: Arne Lichtenberg; Beatrice Warken
Redaktion: Ingo Pickel

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