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Beruf

Vor 50 Jahren war die Sache noch einfach: Ein Beruf wurde erlernt, ein Arbeitsplatz gesucht, und dort blieb man bis zur Rente. Heutzutage ist das Erwerbsleben komplizierter, und nicht wenige hangeln sich von Job zu Job.

Eines der geläufigsten nicht-deutschen Wörter der deutschen Alltagssprache ist das Wort "Job". Dass es aus dem Englischen stammt und auch englisch ausgesprochen wird, ist nichts Besonderes, das hat es mit vielen anderen Lehnwörtern gemeinsam. Nein, das Besondere ist seine traurige Aktualität. Jobs, und das heißt vor allem Arbeitsplätze, werden andauernd und überall gestrichen. Man verliert seinen Job und ist von heute auf morgen gezwungen, sich einen neuen zu suchen. Oder es geht darum, den Job zu behalten, den Arbeitsplatz. Hauptsache man hat einen Job, der genügend Geld einbringt. Von Beruf spricht niemand mehr. Der Beruf ist Nebensache.

Göttliche Berufung

Zugegeben, das ist ein wenig übertrieben, aber folgen Sie uns durch das Stichwort der Woche, nämlich "Beruf", und es wird klar werden, dass "Job" und "Beruf" nicht grundsätzlich verschiedene Begriffe sind, aber sie liegen doch um einiges auseinander. Das Wort "Beruf" und das zu ihm gehörende Verbum "berufen" sind religiösen Ursprungs. In der Bibel wird "Ruf" und "rufen" in einem ganz besonderen Sinn gebraucht. Gott lässt einen Ruf an die Menschen ergehen, er ruft sie, fordert auf, an ihm teilzuhaben.

In Martin Luthers Bibelübersetzung erscheint neben "Ruf" und "rufen" auch "Beruf" und "berufen". Überall dort, wo sich das Christentum ausbreitete, entstanden Klöster. Das Mönchstum fühlte sich als Träger einer ganz besonderen Berufung, und nur die Mönche hatten als Berufene einen Beruf. Wir sagen heute noch, jemand fühlt sich zum Arzt, Künstler oder Wissenschaftler berufen und meinen damit, dass die betreffende Person in besonderem Maße und gleichsam durch Vorbestimmung für diesen oder jenen Beruf geeignet ist.

Profanes Erlernen

Einen Beruf erlernt man. Es gibt die Berufsausbildung, die Berufsschulen, berufliche Fortbildung und das Berufsbildungswerk, eine Einrichtung, die es behinderten Jugendlichen mittels fachkundiger Anleitung und unter Berücksichtigung ihrer besonderen Bedürfnisse ermöglicht, einen Beruf zu erlernen und später auszuüben. Im Allgemeinen ist man schon als junger Mensch berufstätig und wird nach dem Schul- und/oder Studienabschluss zum Berufsanfänger.

Das Wort "Beruf" ist erst im 17. Jahrhundert zu einem weltlichen Begriff geworden. Es wurde gleichbedeutend mit "Amt", "Stand" und auch "Befehl". Interessant in diesem Zusammenhang sind die noch heute gebräuchlichen zusammengesetzten Hauptwörter wie "Berufsbeamtentum", "Berufsstand" und beispielsweise "Einberufungsbefehl", den junge Männer erhalten, wenn sie zum Militär eingezogen werden sollen. Die Frage nach dem Beruf, also was jemand von Beruf ist, oder, anders ausgedrückt, was jemand beruflich macht, ist streng genommen immer die Frage nach der Art einer erlernten Tätigkeit.

Jobs statt Arbeitsplätze

Wir wissen, dass auf dem Arbeitsmarkt insbesondere Frauen und Männer mit großer Berufserfahrung gefragt sind. Die erwerben sich Mann oder Frau im beruflichen Alltag, im Berufsleben. Wir wissen aber auch, dass allzu oft selbst die beste berufliche Qualifikation keine Garantie für einen Arbeitsplatz bedeutet.

Immer mehr Menschen scheiden nicht freiwillig aus dem Berufsleben aus; viele verlieren ihre Arbeit oder werden in den vorgezogenen Ruhestand geschickt. Vor diesem Hintergrund werden die Jobs – das heißt, die Möglichkeiten, im nicht erlernten Beruf den Lebensunterhalt zu verdienen, – immer wichtiger.

Was der Job nicht kann

Darüber hinaus ist das Wort "Job" längst so etwas wie ein modischer Ersatz für die Worte "Arbeit", "Arbeitsplatz" und mit Einschränkungen auch für den "Beruf" geworden. Allerdings kann es keines der mit "Beruf" zusammengesetzten Hauptwörter ersetzen. Oder hat man schon von "Jobethos", "Jobschulen", "joblicher Weiterbildung" oder "Jobauffassung" und "Jobberatung" gehört?

Fragen zum Text

Jemand, der einer regelmäßigen Arbeit nachgeht, ist …

1. beruflich beschäftigt.

2. berufsfähig.

3. berufstätig.

Einen Einberufungsbefehl erhalten …

1. junge Menschen, die eine Berufsausbildung beginnen.

2. Männer, die zum Militär eingezogen werden.

3. Mönche, die in göttlichem Auftrag handeln.

Eine dieser Einrichtungen gibt es nicht: …

1. die Berufsuniversität.

2. das Berufsbildungswerk.

3. die Berufsschule.

Arbeitsauftrag:

Spielen Sie "Stadt, Land, Fluss", mindestens ergänzt um die Kategorie "Beruf". Das heißt, jeder schreibt sich mehrere festgelegte Kategorien in Tabellenform auf. Ein Kursteilnehmer beginnt nun, für die anderen nicht hörbar, das Alphabet aufzusagen – so lange, bis ein anderer "Stopp" sagt. Mit dem Buchstaben, bei dem angehalten wurde, müssen nun so schnell wie möglich zu jeder Kategorie Begriffe gefunden werden. Eine Runde ist beendet, wenn der erste alle Felder ausgefüllt hat.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Ingo Pickel

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