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Alltagsdeutsch – Podcast

Beruf: Pilotin

Bei deutschen Fluglinien sind sie selten zu finden: Flugkapitäninnen. Erst 1988 traten die ersten beiden Frauen ihren Dienst als Pilotinnen bei der Lufthansa an. Bis dahin war das Cockpit nur Männern vorbehalten.

Audio anhören 07:28

Beruf: Pilotin – die Folge als MP3

DAS MANUSKRIPT ZUR FOLGE

Sprecherin:
„Eher wird eine Frau Boxweltmeister im Schwergewicht als Kapitän bei der Deutschen Lufthansa.“ Dieser Satz stammt von Alfred Vermaaten, der von 1956 bis 1981 die Lufthansa-Verkehrsfliegerschule leitete. Der Satz stimmte nicht ganz: Denn bereits 1928 steuerte mit Marga von Etzdorf eine Frau ein Verkehrsflugzeug der Lufthansa. 60 Jahre vergingen, bis ihr zwei weitere Frauen folgten: Nicola Lisy und Evi Hetzmannseder. Und die erste Boxweltmeisterin gab es erst 1994. Nicola Lisy und Evi Hetzmannseder saßen nach knapp zweijähriger Ausbildung 1988 zunächst als Kopilotinnen am Steuerknüppel einer Boeing 737, und zwar in Männeruniform, wie es vorgeschrieben war. Die Kleiderregeln haben sich seit Beginn der 1990er Jahre gelockert: Jetzt sind auch Accessoires wie Haarspangen, Tücher und Handtaschen erlaubt. Und sprachlich gab es auch eine Anpassung: der Begriff „Kapitänin“ wurde in die deutsche Sprache aufgenommen. Das Unternehmen ließ ihn sich extra von der Gesellschaft für Deutsche Sprache bestätigen. Mittlerweile sind Frauen im Cockpit nichts Besonderes mehr. Allerdings sind sie noch in der Minderheit. Nur rund 30 Flugkapitäninnen waren im Jahr 2014 bei der Lufthansa fest angestellt, was etwa einem Anteil von sechs Prozent entspricht. Ein Grund ist nach den Erfahrungen von Riccarda Tammerle, dass sich viele Frauen den Beruf nicht zutrauen. Sie sitzt seit Beginn der 2000er Jahre im Cockpit. Obwohl sie sich schon immer für den Beruf interessierte, hatte auch sie anfangs ihre Bedenken:

Riccarda Tammerle:
„Ich fand das ganz toll, aber ich dachte mir, dass man dann jemand sein muss, der Elektroingenieurwesen studiert, zum Beispiel, oder der zu Hause Stromkreise selber aufbaut. Und das war ich nie, in der Schule auch nicht. Und als ich dann Flugbegleiterin war, da haben mir die Piloten immer gesagt, dass das nicht so ist. Also, dass man schon natürlich Interesse haben muss und technisches Verständnis in Mathe, in Physik, aber dass man da jetzt nicht das Supergenie sein muss. Und darauf hin habe ich mir dann gesagt: Ich probier’ das einfach.“

Sprecherin:
Riccarda Tammerle stellte sich angesichts der umfangreichen Technik in einem Flugzeug immer vor, dass nur ausgebildete Ingenieure diesen Beruf ergreifen können. Oder Technikfans, die selbst eine kleine Anlage basteln können, um elektrische Geräte anzuschließen, dieeinen Stromkreis bauen können. Riccarda Tammerle erfuhr jedoch von ihren Pilotenkollegen, dass man zwar ein grundsätzliches Verständnis für Naturwissenschaften und Technik haben sollte, aber ein überdurchschnittliches Wissen nicht notwendig ist. Man muss – wie sie es umgangssprachlich formuliert – kein Supergenie sein. Ihre Kollegin Evi Hetzmannseder nennt einen weiteren Grund, warum sich die meisten Frauen nicht für den Job interessieren:

Evi Hetzmannseder:
„Frauen bevorzugen einfach Sachen, die ihnen mehr Spaß machen, irgendetwas Kreatives: Mode, Design, Kosmetik oder so was. Zum anderen gibt’s auch Studien, dass da entwicklungsgeschichtlich das Hirn einer Frau weniger räumliches Vorstellungsvermögen hat. Also nicht gar keins, sondern das ist einfach nicht so viel trainiert worden wie bei den Männern. Und dass es da einfach mehr Anreize braucht, um das wirklich wieder zu nivellieren.“

Sprecherin:
Evi Hetzmannseder findet, dass Frauen sich eher für Berufe begeistern, in denen sie Ideen entwickeln und etwas mit ihren Händen schaffen können, kreativ sein können. Kreativität ist aber etwas, was im Cockpit eher nicht gebraucht wird. Was aber notwendig ist, ist ein räumliches Vorstellungsvermögen, also die Fähigkeit, sich Dinge dreidimensional vorstellen zu können. Wissenschaftliche Studien haben laut Evi Hetzmannseder ergeben, dass Männer aufgrund der Entwicklungsgeschichte diese Fähigkeit eher haben als Frauen. Durch Training, durch Anreize, kann dieses Vorstellungsvermögen aber entwickelt und die Unterschiede ausgeglichen, nivelliert, werden. Rolf Müller, der bei der Lufthansa Piloten ausbildet und selbst schon lange Jahre im Cockpit sitzt, führt noch einen geschichtlichen Grund an, warum es eher nicht so viele Pilotinnen gibt:

Rolf Müller:
„Früher haben die großen Fluggesellschaften insbesondere in den USA, sich alle aus der Armee rekrutiert. Und in der Armee war es – aus welchen Gründen auch immer – ungeschriebene Regel, dass eben Frauen nicht an Waffen dienen. Flugzeuge sind eben auch nicht nur Transportsysteme gewesen, sondern sind Waffensysteme gewesen. Also, deswegen ist relativ spät die Frau auch ins Cockpit gekommen. Aber auch heute haben wir in den USA ‚Fighterpilots‘, die weiblich sind. Und das belegt ja mehr oder weniger, dass die an dieser Stelle ihre Aufgabe genauso erledigen wie Männer. Und so sehe ich das letztendlich in der Verkehrsfliegerei gleichermaßen.“

Sprecherin:
In den USA kamen früher Piloten, die Passagiermaschinen flogen, aus der Armee. Sie rekrutierten sich aus ihr. Und es waren nur Männer, weil es damals keine Frauen gab, die ihren Dienst an der Waffe leisteten, die in der Armee waren. Das war laut Rolf Müller eine ungeschriebene Regel, also etwas, das in der Gesellschaft so anerkannt war. Allerdings ist das schon lange nicht mehr so. Inzwischen gibt es auch in den USA Frauen in der Armee und auch Pilotinnen, die Militärmaschinen fliegen. Sie arbeiten genauso gut wie ihre männlichen Kollegen. Das trifft nach Rolf Müllers Meinung auch auf die zivile Luftfahrt, die Verkehrsfliegerei, zu. Der Lufthansakonzern wirbt verstärkt um junge Frauen, unter anderem mit Angeboten, Beruf und Familie besser vereinbaren zu können. Evi Hetzmannseder selbst sieht sich nicht als Vorkämpferin, als jemanden, der den Weg für Frauen ins Cockpit vorbereitet hat:

Evi Hetzmannseder:
„Ich sehe mich jetzt eigentlich nicht so als Vorkämpferin, sondern ich mache einfach nur meinen Beruf gerne. Und das war eigentlich mein Ziel, aber nicht da irgendwas Tolles dazustehen und die Welt zu repräsentieren. Das konnte ich nie, und das möchte ich auch nicht!“

Sprecherin:
Evi Hetzmannseder hat ihren Traumberuf gefunden. Doch eigentlich hatte sie sich als Kind etwas anderes vorgestellt:

Evi Hetzmannseder:
„Angeblich wollte ich im Kindergarten immer Stewardess werden und einen Kapitän heiraten. Ist leider nix geworden.“






Arbeitsauftrag
Du willst dich bei der Lufthansa für eine Ausbildung zum Piloten oder zur Pilotin bewerben. Schreibe ein entsprechendes Bewerbungsschreiben. Die Voraussetzungen, die das Unternehmen hat, findest du hier: http://bit.ly/1dpDTcJ. Bei einer Bewerbung sind einige Punkte wichtig, die du beachten musst:

1. ein persönliches Anschreiben, aus dem hervorgeht, warum du dich gerade auf diesen Ausbildungsplatz bewirbst,
2. ein tabellarischer Lebenslauf,
3. ein aktuelles Foto.

Weitere hilfreiche Hinweise findest du hier: http://bit.ly/1jd1GRE.

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