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Kultur

Bertolt Brecht und das Kino

1930 erzürnte die Verfilmung der "Drei-Groschen-Oper" den Dramatiker. Mit "Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt?" war Brecht dagegen zufrieden. Beide Filme liegen jetzt auf DVD vor.

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Der Dichter mochte den Film gar nicht

Bertolt Brechts Beziehung zum Medium Film darf man getrost als spannungsvoll bezeichnen. Legendär ist seine Auseinandersetzung mit der Produktionsfirma "Nero" und dem Regisseur Georg Wilhelm Pabst, der Brechts Werk 1930/31 für das Kino adaptierte. Ein erbittert geführter Prozeß sah Brecht als Verlierer. Der Film konnte trotzdem lange nicht gezeigt werden. Doch das hatte andere Gründe. Schon vor dem endgültigen Verbot im August 1933 durch die Nazionalsozialisten stieß der Film aufgrund seiner Thematik auf Ablehnung einzelner regionaler Zensurbehörden in Deutschland.

Brechts Zorn gegen die "Ware" Kunst

Im Prozess gegen die filmische Umsetzung seiner "Drei-Groschen-Oper" ging es Brecht vor allem um die Umwandlung einer geistigen Idee in ein Produkt, in eine Ware.

Bertolt Brecht

Skeptisch gegenüber dem Medium Film: Bertolt Brecht

Zwar hatte der Dramatiker mit der Produktionsfirma "Nero" damals einen Vertrag abgeschlossen, doch sah er im Laufe der Vorbereitungen zum Film seinen Einfluss auf das Drehbuch schwinden. Mit seinem nächsten Filmprojekt "Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt?", das der Regisseur Slatan Dudow für die Leinwand umsetzte, war er dagegen schon eher zufrieden. "Kuhle Wampe" erfüllte Brechts Vorstellungen vom Medium Film. Beide Werke sind jetzt auf vorbildlich ausgestatteten edierten DVD-Ausgaben im Handel erhältlich.

Die "Drei-Groschen-Oper" von G.W. Pabst (1930/31)

Auf den deutschen Bühnen war "Die 3-Groschen-Oper" seit Sommer 1928 ein großer Erfolg. Und so führten die Verhandlungen Brechts und des Komponisten Kurt Weill auch zunächst zum Erfolg. Eine Filmversion des Stückes sollte in die Kinos kommen. Doch über das Drehbuch kam es zum Streit.

Der österreichische Filmregisseur Georg Wilhelm Pabst

Der österreichische Filmregisseur Georg Wilhelm Pabst

Der Ansatz von Regisseur Pabst war ein anderer als der des Dramatikers: "Die ´Dreigroschenoper´darf ja im Tonfilm gar nichts mehr mit dem Theater gemeinsam haben! Sie darf es ja auf der Bühne kaum! Bei der Inszenierung des tönenden Films muß ich die ´Unvorbereitung´ des Publikums auf den Stoff in meine Arbeit einkalkulieren: die ´Dreigroschenoper´ ist ja eine Travestie, eine Verspottung der herkömmlichen Spieloper." (Pabst in einem Interview im Jahre 1930).

Brecht und seine politisch-künstlerischen Visionen

Schon bei den Vorbereitungen zum Film ahnte Brecht wohl, dass er mit der Unterschrift unter dem Vertrag mit der Produktionsfirma einen Fehler gemacht hatte. Nicht radikal und politisch genug erschien ihm dann auch der ganze Film: "Das Attentat auf die bürgerliche Ideologie mußte auch im Film veranstaltet werden. Intrige, Milieu, Figuren waren vollkommen frei zu behandeln. Diese Zertrümmerung des Werkes nach dem Gesichtspunkt der Beibehaltung seiner gesellschaftlichen Funktion innerhalb einer neueren Apparatur wurde von der Filmgesellschaft abgelehnt." Brecht mußte dann - im Gegensatz zu Kurt Weill - vor Gericht seine Niederlage eingestehen.

"Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt?" von Slatan Dudow (1932)

DVD-Cover Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?

Dynamischer Film: "Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt?"

Bei diesem Projekt war Brecht von Anfang an dabei. Der Film wurde im Sinne des Dichters angegangen, die Prinzipien seines ´Epischen Theaters´ wurden auf das Medium Film übertragen. Im Booklet der DVD-Edition heißt es dazu: "Regisseur und Filmschreiber distanzierten sich also, gemäß dem Brechtschen Programm und inspiriert vom sowjetischen Film, ebenso von sozialkritischen Dokumentationen wie von linear erzählten, psychologisch motivierten Melodramen der zwanziger Jahre." Noch heute beeindruckt "Kuhle Wampe" vor allem mit den historischen Außenaufnahmen, die in der Stadt Berlin und Umgebung gedreht wurden.

Berliner Milieustudie

"Kuhle Wampe" behandelte zwar die Themen Arbeitslosigkeit, Verarmung der Massen und soziale Not, verzichtete aber auf die übliche Psychologisierung und melodramatische Zuspitzung. Die wirtschaftliche Misere der Weimarer Republik sollte beispielhaft erzählt werden, zwar mit Haupt- und Nebendarstellern und einer Grundhandlung, aber eben auch mit dokumentarischen Passagen, immer wiederkehrenden Bildsymbolen, Zwischentiteln und einer Musik (Hanns Eisler), die auf herkömmliche dramatische Untermalungen verzichtete.

Szene aus dem Film Kuhle Wampe

Gemeinsam sind wir stark: "Kuhle Wampe"

Für die Zeit war das damals offenbar zuviel: die Filmprüfstelle verbot "Kuhle Wampe", da "der Bildstreifen als Ganzes die öffentliche Ordnung und Sicherheit sowie lebenswichtige Interessen des Staates gefährde" (aus der Begründung der Zensoren).

"Die 3 Groschen-Oper" ist mit umfangreichem Begleitmaterial beim Anbieter "absolut medien" erschienen, "absolut medien" hat auch - gemeinsam mit dem "Suhrkamp Verlag" "Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt?" herausgebracht, lesenswert bei dieser Edition vor allem auch das ausführliche Booklet.

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