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Kultur

Bertha von Suttner: dem Frieden gewidmet

Von der kleinen Komtesse zur Bestsellerautorin und Friedensnobelpreisträgerin. Bertha von Suttner widmete ihr Leben der Friedensarbeit. Die Österreicherin starb vor einhundert Jahren in Wien.

Als die Pazifistin Bertha von Suttner am 21. Juni 1914 starb, wusste niemand, dass der nächste Krieg unmittelbar bevorstand. Nur eine Woche nach ihrem Tod fiel der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajewo einem Anschlag zum Opfer. Sechs Wochen später marschierten die europäischen Großmächte in den Ersten Weltkrieg - er setzte neue Maßstäbe an Brutalität und Zerstörung.

Bertha von Suttner hatte diesen Krieg erwartet. Sie hatte ihr halbes Leben lang vor ihm gewarnt.

Ein bewegtes Leben

Die Lebensgeschichte der Österreicherin liest sich wie ein Roman von Leo Tolstoi: ein alter, adliger Vater, der noch vor ihrer Geburt starb, eine bürgerliche Mutter, die ihr Erbe verspielte, und sie selbst, die junge Komtesse von Suttner, die alles daran setzte, eine gute Partie zu machen. Im Alter von dreißig Jahren dann die überraschende Wende: Bertha von Sutter suchte ihre Unabhängigkeit und wurde Gouvernante der Familie von Suttner. Sie verliebte sich in den Sohn ihres Arbeitgebers, Arthur Gundaccar von Suttner, heiratete heimlich und floh mit ihrer Liebe in den Kaukasus.

Bertha von Suttner um 1870 (Foto: picture-alliance/IMAGNO/Austrian Archives)

Bertha von Suttner um 1870

"Es war eine Flucht aus der Enge der habsburgischen Gesellschaft, aber natürlich auch vor der Familie von Suttner", sagt der Musiker Stefan Frankenberger. Seine Hommage an Bertha von Suttner erschien kürzlich im Mono-Verlag. "Die Zeit in Georgien war Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens. Dort suchte sie nach ihrem eigenen Weg."

Wegbereiter des Pazifismus

Die Jahre waren entbehrungsreich. Mehr schlecht als recht schlug sich das Paar mit Hilfe der Schriftstellerei durch. Ausufernde Korrespondenz mit Autoren und Redakteuren in Westeuropa sollte die beiden vor der geistigen Isolation bewahren und gleichzeitig Kontakt zu potentiellen Auftraggebern herstellen. Wenn sie nicht schrieben, lasen sie - die Werke von Charles Darwin und Henry Thomas Buckle. "Dort lasen sie, dass der Mensch sich selbst zum Besseren entwickeln könne. Aus eigener Kraft, ohne Gott. Das war eine radikale Idee, die nur eine kleine Anhängerschaft fand", sagt Stefan Frankenberg.

Auf der Grundlage ihrer Lektüre entwarf Bertha von Suttner ihre Vorstellung vom Pazifismus. Ausgangspunkt war die feste Überzeugung, dass die Menschheit sich quasi per Naturgesetz zum Besseren entwickeln würde. In der pazifistischen Utopie waren Hass, Laster und Bestialität überwunden. Der "Edelmensch" lebte in einer humanistischen Welt, einer Welt ohne Waffen.

In Georgien waren das nur originelle Theorien. Von der organisierten Friedensbewegung erfuhren Bertha und Arthur von Suttner erst 1886, als sie nach Österreich zurückkehrten. Wichtiger Impulsgeber war der Millionär und Dynamit-Erfinder Alfred Nobel. Er machte die langjährige Freundin auf die nationalen Friedensgesellschaften aufmerksam. Bertha von Suttner war begeistert. Sie wollte die breite Masse für den Friedensgedanken gewinnen.

Inspiration für Alfred Nobel

Ihr Roman "Die Waffen nieder" erschien 1889. Er zeigt den Krieg in all seiner Brutalität: Statt Heldentum, Ruhm und Herrlichkeit schildert Bertha von Suttner die verheerenden Folgen militärischer Konflikte: Verwüstung, Zerstörung und die Entwürdigung der Menschen. Nie hatte jemand den Krieg auf so drastische Weise beschrieben, schon gar keine Frau.

Buchcover Die Waffen nieder von Bertha von Suttner (Foto: picture-alliance/akg-Images)

Ein Welterfolg, der nachdenklich macht

Das Buch war ein Welterfolg. Bertha von Suttner war über Nacht berühmt. Sie nutzte ihre Stellung und warnte in Artikeln und Vorträgen vor dem heraufziehenden Krieg. Das gefiel nicht allen. "Bertha von Suttner wurde als 'Friedensbertha' belächelt", sagt Cornelia Wenzel vom Archiv der deutschen Frauenbewegung. "Aber sie hatte dennoch großen Einfluss. Ihr Roman und ihre friedenspolitischen Bestrebungen führten zur Gründung der Österreichischen und einige Zeit später auch der Deutschen Friedensgesellschaft."

Bertha von Suttner war Friedensaktivistin, Friedensagitatorin gar. Unermüdlich schrieb sie Briefe, Artikel und Bücher. Sie pflegte ein großes Netzwerk an Unterstützern und Personen, die dies werden könnten. Sie sammelte Geld für die Sache des Pazifismus, hielt Vorträge in Europa und den Vereinigten Staaten. 1905 erhielt sie für ihre Arbeit den Friedensnobelpreis - als dritte Preisträgerin und erste Frau. Die Auszeichnung kam spät. Immerhin war sie es, die Alfred Nobel zur Stiftung eines Friedenspreises inspiriert hatte.

Ihrer Zeit voraus

Welche Bedeutung hat Bertha von Suttner heute? "Sie ist zumindest in der heutigen Frauen- und Friedensbewegung noch bekannt", sagt Cornelia Wenzel. Stefan Frankenberger meint dagegen: "Das Gedenken an Bertha von Suttner war immer schwierig. Mit der Sozialdemokratie hatte sie nie etwas zu tun. Sie war nie links, nie schick. Die Halbadelige passte nicht ins Bild." Ganz vergessen hat man sie freilich nicht. Ihr Porträt zierte immerhin den Tausend-Schilling-Schein und ist heute auf der österreichischen Zwei-Euro-Münze zu sehen.

"Bertha von Suttner war ihrer Zeit voraus", meint Cornelia Wenzel. "Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die "Idee Europa" von fortschrittlichen Kreisen aufgegriffen, auch vom radikalen Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung. "Viele ihrer Ziele konnten mittlerweile verwirklicht werden."

Der Frieden lässt derweil weiter auf sich warten. Zum hundertsten Todestag von Bertha von Suttner kann man sich daran erinnern.

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