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Kultur

Bertelsmann-Studie: 70 Prozent der Deutschen sind religiös

Was in Deutschland von vielen als "überraschend hoch" angesehen wird, ist im internationalen Vergleich eher wenig. Nur die Menschen in Großbritannien, Frankreich und Russland sind noch weniger religiös als die Deutschen.

Kreuz, Halbmond, Stern

Die Religiosität in Deutschland scheint weder auf dem Vormarsch noch auf dem Rückzug

Siebzig Prozent der Deutschen sind "religiös", jeder Fünfte gilt sogar als "hochreligiös" - dies ergeben die ersten Befunde des "Religionsmonitors", einer repräsentativen, international angelegten Studie der Bertelsmannstiftung. Dabei zeichnen sich große Unterschiede in Ost- und Westdeutschland ab: Während in den alten Bundesländern 78 Prozent der Befragten religiös sind, sind es in den neuen weniger als halb so viele. Insgesamt bezeichnen sich fast ein Drittel der Deutschen als nicht religiös.

Der Islam ist die drittgrößte Glaubensgemeinschaft, zu der sich etwa vier Prozent bekennen. Zu den Juden und Buddhisten zählen sich jeweils weniger als ein halbes Prozent der Deutschen. Ein messbarer Anteil an Hinduisten konnte nicht ermittelt werden.

Deutschland im unteren Fünftel

Hohles Kreuz vor gelb-rotem Himmel (Foto: Flickr/jpc101)

Unter den Katholiken sind fast doppelt so viele "hochreligiöse" Gläubige wie unter Protestanten

Zu den 18 Ländern aus allen Kontinenten, in denen die Bertelsmannstiftung in diesem Sommer jeweils etwa 1000 Menschen über 18 Jahren befragt hat, gehören unter anderem Brasilien, die Schweiz, Israel, Marokko, Indonesien und die Türkei. Im internationalen Vergleich der Religiosität liegen die Deutschen im unteren Fünftel.

An der Spitze stehen Nigeria, Brasilien und Indien, wo jeweils 99 Prozent der Menschen religiös sind. Die deutsche Haltung entspricht einem westeuropäischen Trend und deckt sich weitgehend mit der Schweiz und Österreich. Allerdings gibt es Abweichungen: Deutlich religiöser sind die Menschen in Italien, wo 89 Prozent religiös, davon etwa die Hälfte hochreligiös sind. Die gleichen Zahlen gelten auch für die USA, womit sich Amerikaner deutlich vom europäischen Durchschnitt unterscheiden.

Schwierigkeiten bei internationaler Datenerhebung

Bei der Untersuchung hat sich Bertelsmann vor allem auf das Meinungsforschungsinstitut Emnid verlassen, sagt der Leiter der Studie, Martin Rieger. In einigen Ländern waren Befragungen aus politischen Gründen nicht möglich: Ägypten hat eine Befragung verboten. In China wären so viele Genehmigungen nötig gewesen, dass dies den zeitlichen Rahmen der Studie gesprengt hätte.

Aufgeschlagener Koran (Foto: AP Photo/Vahid Salemi)

Koran-Lektüre - eher eine Seltenheit unter den Deutschen

In der Studie bedeutet Religiosität nicht nur die formelle Zugehörigkeit zu einer religiösen Institution. Der Religionsmonitor orientiert sich auch an einem "substantiellen Religionsbegriff", eine Art emotionaler Beschäftigung mit transzendentalen Fragen.

Die Studie kann weder einen Trend der Abnahme noch der Zunahme der Religiosität in Deutschland feststellen, da vergleichbare Daten aus früheren Jahren fehlen. Als eine der wesentlichsten Erkenntnisse folgert Rieger: "Wir können ein langfristiges Aussterben der Religion in Deutschland, wie es immer wieder behauptet wird, definitiv nicht bestätigen."

Aber ob es umgekehrt auch eine Renaissance des Glaubens beispielsweise in der Jugend gibt, wie oft im Hinblick auf religiöse Großereignisse wie den Tod Papst Johannes Paul des II oder den Weltjugendtag in Köln konstatiert wird, könne die Studie ebenfalls nicht ermitteln. Rieger ist allerdings davon überzeugt dass "es eine große Stabilität des religiösen Bewusstseins in breiten Bevölkerungsschichten" gebe das aber "sehr vielfältig" sei .

Kirchen zeigen sich erfreut

Große Buddhastatue (Foto: Flickr/zags)

Asiatische Religionen wie Buddhismus und Hinduismus sind selten in Deutschland vertreten

Die katholische Kirche hat die Ergebnisse des "Religionsmonitors" begrüßt. "Wir freuen uns, dass in den Tiefen der Gesellschaft eine viel tiefere Religiösität herrscht als immer angenommen", erklärte der Leiter des Katholischen Büros bei der Bundesregierung, Prälat Karl Jüsten, am Montag (13.12.2007) im ZDF-Morgenmagazin.

Der Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Reinhard Hempelmann, sieht in der Studie eine neue Aufmerksamkeit für die Religion in Deutschland. Im SWR sagte er, die Kirchen hätten in den vergangenen Jahren viele Anstrengungen unternommen, um für Menschen ohne kirchliche Bindung wieder gesprächsfähig zu werden. Die Suche nach Sinn und Orientierung für das Leben sei auch in einer säkularisierten Gesellschaft nicht einfach verschwunden.

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