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Kultur

Bernhard Wicki - Flaneur mit der Kamera

Als Regisseur ein Begriff - doch dass Bernhard Wicki auch als Fotograf Beachtliches leistete, war bisher allenfalls einer Handvoll Eingeweihter bekannt. Eine Ausstellung in München ändert dies nun.

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Fotos wie ein Film italienischer Neo-Realisten

Auf der "Weltausstellung der Fotografie" in Luzern entdeckt er die Fotografie. "Bernhard Wicki ist 1952 in Luzern so fasziniert, dass er wirklich auf einen Schlag entscheidet, sich von seinem Schauspielengagement in München freistellen zu lassen, nach Paris geht und anzufängt zu fotografieren. Da ist er wirklich Autodidakt", erzählt die Kuratorin der Münchner Schau, Inka Graeve Ingelmann. In den folgenden zehn Jahren entsteht sein Werk vor allem auf Reisen durch Europa und Nordafrika sowie an seinem Wohnort München.

Melancholie und Tristesse

Besonders einfache Menschen und gesellschaftliche Randexistenzen interessieren Wicki bei seinen fotografischen Exkursionen durch die Städte: ein zerlumpter Clochard. Ein Metzger in blutverschmiertem Kittel und einem rohen Stück Fleisch über der Schulter. Oder eine junge Frau mit verwischtem Lippenstift auf einem Münchner Rummelplatz.

Pinakothek Ausstellung Bernhard Wicki Fotografien

Italien um 1955

Auf seinen Original-Schwarzweißabzügen dokumentiert Wicki statt einer Glamourwelt lieber die bröckelnden Fassaden von Metropolen. Er fotografiert spielende Kinder, Landschaften, Stilleben, Trinkgläser auf Tischen oder italienische Hafenansichten mit einem Hauch von Melancholie und Tristesse. Fotos, die von den berühmten Magnum-Fotografen inspiriert sind, ohne dabei jedoch deren reporterhafte Manier zu imitieren: Aufnahmen, die auch an Filme der italienischen Neo-Realisten erinnern.

Spontane Schnappschüsse

Immer wieder werden in den weiß gehaltenen Kabinetten der Münchner Fotoschau spontan wirkende Schnappschüsse sorgfältig inszenierten Porträts von berühmten Zeitgenossen gegenübergestellt. Friedrich Dürrenmatt, Hildegard Knef oder Helmut Käutner posieren da ebenso wie ein halbstarker Horst Buchholz oder eine verträumt in die Ferne blickende Romy Schneider: Bilder mit zum Teil dramatischen Effekten, vor allem wenn die Prominentenköpfe von unten mit Licht angestrahlt werden.

Pinakothek Ausstellung Bernhard Wicki Fotografien

Schwarz-weißer Blick auf die Welt

Viele der jetzt in der Pinakothek der Moderne präsentierten Arbeiten entstanden auf Reisen, in Marokko etwa oder in Kenia. Glänzende Körper edler Farbiger mit einem Touch von Leni Riefenstahl sind zu finden oder verschwommene Gruppenbilder in exotischer Landschaft mit grafisch-abstrakten Qualitäten - mit der Rolleiflex und Hasselblad gemalte Kunstwerke.

1000-prozentiges Engagement

1959 hört Bernhard Wicki plötzlich ebenso überraschend mit dem obsessiven Fotografieren auf, wie er einst damit begonnen hatte. Der Grund? Sein Welterfolg als Regisseur mit dem Antikriegsfilm "Die Brücke", weiß die Witwe des Künstlers, Elisabeth Wicki: "Ich glaube, er hat immer etwas gemacht mit 1000-prozentigem Engagement. Und wenn er es glaubte durchlebt zu haben, dann hat es ihn auch nicht mehr so sehr interessiert. Die Priorität der Fotografie dauerte ungefähr zehn Jahre, dann kam der Film und dann war das auch ad acta gelegt."

Pinakothek Ausstellung Bernhard Wicki Fotografien

Schnappschuss, Paris 1957

Die rund 80 in der Pinakothek der Moderne präsentierten Vintage-Prints machen schon jetzt neugierig auf das weitere fotografische Oeuvre von Bernhard Wicki, der auch später noch gelegentlich Motive für seine Filme fotografiert hat. Die Münchner Schau ist eine Wiederentdeckung eines Meisters der Bilder, dessen Werke durch Poesie und den eingefangenen "richtigen" Moment überzeugen. Ein Stilist und Flaneur mit der Kamera.

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