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Kultur

Berlins Mode-Image bröckelt

Paris, New York, Mailand - und Berlin. Die Stadt will zur ersten Liga der Modestädte gehören - weltweit. Das ist das Ziel. Doch nun hat die Modemesse Bread & Butter einen Teilrückzug aus der Hauptstadt angekündigt.

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Das Erfolgslabel "Lala Berlin"

Karl-Heinz Müller hat die

Bread & Butter

2001 gegründet, als junge, hippe Alternative zur Messe Interjeans. Sein Anspruch: immer eine Nasenlänge vorn liegen. Damit das auch so bleibt, lässt er den Standort Berlin jetzt hinter sich, zumindest teilweise. Über 500 Aussteller, darunter bekannte Marken wie Calvin Klein oder Timberland, dazu tausende Einkäufer und bis zu 100.000 Fachbesucher - sie alle will Müller im Winter nach Barcelona locken und im Herbst ins südkoreanische Seoul. Nur im Sommer soll die Messe noch in Berlin bleiben. Das verkündete Müller zum Messeauftakt am Dienstagabend (08.07.). Gründe nannte er allerdings nicht, nur soviel: "Der Wunsch nach einem echten Wechsel liegt in der Luft." Damit fehlt der Stadt ein großes Zugpferd - war's das jetzt mit dem Traum von der Modemetropole?

Bread and Butter - braucht doch keiner!

Laufsteg der Fashionweek Berlin

Aus für den Laufsteg Berlin?

Auf gar keinen Fall, glaubt Michael Bahles, Leiter des Studiengangs Modemarketing von der Business School Berlin Potsdam: "Das schadet eher der Marke Bread & Butter als dem Modestandort Berlin. Die Fashion Week ist stärker, Bread & Butter braucht eigentlich keiner mehr." Mit der Messe verbinde man ohnehin schon ein paar Umzüge. Tatsächlich hat sie bereits einmal Berlin verlassen: Von 2006 bis 2009 fand sie ebenfalls in Barcelona statt.

Auch Berlins Senat nimmt den Abschied gelassen. Dabei hatte Bürgermeister Wowereit vor fünf Jahren die Messe nach Berlin geholt - gegen heftigen Widerstand aus der Opposition. "Natürlich hat Bread & Butter den Anfang gemacht", gibt Senatssprecher Richard Meng zu. "Aber heute ist es ja nicht mehr so wie vor fünf Jahren. Die anderen bleiben ja, die Premium oder die Mercedes-Benz Fashion Week." Alternative Messeveranstalter müsse man deshalb auch gar nicht suchen.

Berlin - uninteressant für die Großen?

Eröffnung der Bread and Butter Mode-Messe in Berlin

Hommage an Brasilien: Eröffnung der Bread & Butter

Jochen Pahnke, Dozent für Modedesign beim Lette-Verein, und Teil des Mode-Labels "Kratzert & Pahnke", hält den Umzug durchaus für einen Verlust: "Für die Stadt Berlin und ihre Einkünfte ist es fatal. Die Besucher unterstützen den Einzelhandel und sie bringen die Mode auf die Straße. Da ist es schon schade drum." Für die Berliner Designer hingegen habe der Umzug keine große Bedeutung: "Das ist ein ganz anderer Look, das hat mit der Bread and Butter nichts zu tun."

Trotzdem sieht er Berlin nicht auf dem Weg in die Mode-Oberklasse: "Wir können uns nicht mit Paris vergleichen. Es gibt die Kunden und das Geld nicht. Und die wenigsten Sachen, die hier produziert werden, sind so einzigartig, dass sie ein kommerzieller Erfolg werden." Berlin hat aber noch ein anderes Problem: Neben der Messe bleiben auch die großen Marken wie Hugo Boss, Rena Lange oder Kaviar Gauche fern. Internationales Interesse sieht anders aus.

Mehr Unterstützung von den Profis!

Birkenstock-Schuhe bei der Bread and Butter-Modemesse

Bread & Butter mit Sinn für's Praktische: Birkenstock-Schuhe

Martina Rink schmettert solche negativen Nachrichten einfach ab. Sie kennt die deutsche Modelandschaft genau: Gerade hat sie ihr Buch "Fashion Germany" präsentiert, in dem sie ein genaues Bild der Szene liefert. Sicher, im Vergleich zu Paris sei Berlin noch in der Krabbelphase, gibt sie zu. "Aber das ist ein ganz normaler Prozess, der dauert einfach. Wir haben tolle Leute, die international ganz oben mitspielen. Peter Lindbergh oder Karla Otto zum Beispiel." Nur seien viele leider aus Deutschland weggegangen. Rink wünscht sich deshalb mehr Unterstützung von den Designern. Die könnten wenigstens eine Kollektion im Jahr in Deutschland präsentieren.

Aber auch die Stadt könne mehr für den Modestandort Berlin tun: "Die

Fashion Week

ist jetzt drei Mal umgezogen, das irritiert. Die ganzen Events sind sowieso schon stressig. Man braucht einen Standort, wo man bleibt." Zwar habe auch in Paris vor kurzem ein Ortswechsel stattgefunden, aber die Stadt sei eben schon seit Generationen etabliert. Bis dahin hat Berlin noch einen weiten Weg vor sich.

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