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Berlins bekannteste Imbissbudenbesitzerin

Sie ist die bekannteste Imbissbudenbesitzerin Berlins. Sogar Ex-Kanzler Gerhard Schröder sah man schon an Waltraud Ziervogels Imbissstand. Für "berühmt" hält sie sich aber nicht.

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"Schon halb elf und noch so wenig los", schimpft Waltraud Ziervogel. Die bodenständige 72-Jährige mit den lockig gefönten Haaren ist verärgert. Gerade einmal eine Handvoll Leute stehen an, um sich die legendäre "Konnopke"-Currywurst zu kaufen. Max Konnopke war Waltraud Ziervogels Vater. Seit sie 19 Jahre alt war, arbeitete sie mit, Mitte der Siebziger Jahre übernahm sie die Imbissbude im Szene-Bezirk Prenzlauer Berg.

Curry-Wurst im Szene-Bezirk

Waltraud Ziervogel vor ihrem Imbiss

Waltraud Ziervogel vor ihrem Imbiss

"Ich stehe jeden Morgen um halb vier auf", sagt die kleine, agile Frau mit Brille. "Um halb fünf bin ich am Wagen, dann bereiten wir alles vor, und um halb sechs öffnen wir." Und tatsächlich, schon um halb sechs Uhr morgens kommen die ersten, um sich "Curry mit Pommes" zu holen. Es sind die letzten Nachtschwärmer, die gerade die Tanzfläche einer der vielen Clubs in der Umgebung verlassen haben. Um ein Uhr mittags löst ihr Sohn Waltraud Ziervogel ab; dann kümmert sie sich um den Schreibkram und die Rechnungen.

Knochenarbeit von früh bis spät

Der Prenzlauer Berg war nicht immer Szene-Bezirk mit viel jungem Publikum. "Als mein Vater hier nach dem zweiten Weltkrieg seinen Wurststand aufbaute, war das ein Arbeiterbezirk", sagt Waltraud Ziervogel. "Heute wohnen hier Studenten aus dem Westen, Rechtsanwälte und Ärzte. Und die Bewohner von damals können sich die Mieten hier längst nicht mehr leisten."

Legendäre Ketchup-Mischung aus dem Osten

1942 hatte ihr Vater zusammen mit seiner Frau angefangen, an kleinen Ständen Würste zu verkaufen. Die Currywurst, der Erfolgsschlager des Imbisses, entstand jedoch erst später. Ziervogels Bruder arbeitete in den Fünfziger Jahren in Westberlin. Berlin war bereits geteilt, aber noch ohne Mauer. Er lernte die Currywurst kennen und brachte das Rezept mit zu seinem Vater in den Ostteil der Stadt. Eine Tube Ketchup aus dem Westen dient als Vorlage: "Und dann haben wir versucht, mit Tomatenmark und Tomatenpüree etwas herzustellen, was ähnlich schmeckt. Denn an echtes Ketchup kamen wir im Osten ja nicht ran." Und noch heute schmeckt die spezielle Konnopke-Mischung wie damals - unverwechselbar lecker.

Alles ändert sich - Konnopke bleibt

Ex-Kanzler Gerhard Schröder beist in eine Bratwurst

Auch Ex-Kanzler Gerhard Schröder mag die Wurst

In der Hauptstadt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten fast alles verändert. Konnopke's Imbiss ist eine Ort der Stabilität geblieben. Waltraud Ziervogel war hier als die Mauer gebaut wurde, und sie war hier als die Mauer fiel. Dann kamen die Westler. "Alle wollten die Currywurst kaufen, leider konnten wir deren Westgeld nicht annehmen", erzählt sie von den aufregenden Tagen nach der Wende. Berlin ist ihre Stadt, irgendwo anders könnte sie gar nicht leben, sagt sie. Was ihr so daran gefällt? "Dass so viel los ist. Ständig verändert sich hier was."

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