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Politik & Gesellschaft

Berliner U-Bahn-Schläger stehen vor Gericht

Ein 18-Jähriger Gymnasiast muss sich in Berlin wegen versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung verantworten. Kein Einzelfall! Immer wieder schlagen Jugendliche auf unschuldige Passanten ein.

Die angeklagten Torben P. und Nico A. vor Gericht (Foto: dapd)

Die Angeklagten vor Gericht: Ihnen wird unter anderem versuchter Totschlag vorgeworfen

Vor dem Berliner Landgericht hat am Dienstag (23.08.2011) der Prozess gegen einen 18-Jährigen mutmaßlichen U-Bahn-Schläger begonnen. Der Gymnasiast Torben P. soll am Karsamstag einen Mann im U-Bahnhof Friedrichstraße brutal zusammengeschlagen und durch Tritte gegen den Kopf schwer verletzt haben. Die Staatsanwaltschaft legt dem Hauptangeklagten versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung zur Last. Mitangeklagt ist der ebenfalls 18-jährige Nico A., ihm wird gefährliche Körperverletzung und unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen. Er soll Torben P. nicht an der Gewalttat gehindert haben.

Aus Streitsucht habe er sein Opfer ausgesucht, erklärte der 18-Jährige der Staatsanwaltschaft. Nach eigenen angaben kann er sich jedoch wegen massiven Alkoholkonsums nicht mehr genau an die Tat erinnern. Mit gezielten Tritten gegen den Kopf soll er das Opfer, einen 29-jährigen Handwerker, bewusstlos geschlagen und lebensgefährlich verletzt haben. Schlimmeres wurde laut Staatsanwaltschaft nur verhindert, weil ein Mann aus Bayern den Angreifer wegzog. Sofort hätten beide Täter auch diesen Mann angegriffen. Der Mann aus Bayern steht nun als Nebenkläger vor Gericht.

Gewalt um jeden Preis

Frau läuft U-Bahn hinterher (Foto: dpa)

Bereits in mehreren deutschen Städten gab es gewaltätige Übergriffe von Jugendlichen

Der Angriff in der Berliner U-Bahn-Station hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst und eine neue Debatte über den Umgang mit jugendlichen Gewalttätern entfacht. Immer wieder ist es in den vergangenen Jahren an U-Bahnen zu Gewaltausbrüchen Jugendlicher gegen Passanten gekommen. Häufig waren die Jugendliche alkoholisiert oder auf Streit aus. Manchmal genügte nur ein falsches Wort, das die Situation zum Eskalieren brachte.

Ähnlich wie dem Opfer im Berliner U-Bahnhof erging es auch einem Rentner aus München, kurz vor Weihnachten 2008. Der ehemalige Lehrer hatte zwei Jugendliche auf ein Rauchverbot in einer U-Bahn-Station aufmerksam gemacht, anschließend prügelten die beiden Jugendlichen den Pensionär nieder und verletzten ihn lebensgefährlich mit Schlägen und Tritten gegen den Kopf. Die Gutachter bescheinigten anschließend beiden Tätern volle Schuldfähigkeit und ein hohes Aggressionspotenzial.

Prügeln bis zum Tod

S-Bahn-Station München; der Ort, an dem Dominik Brunner gestorben ist (Foto: dpa)

An einer Münchner S-Bahn-Station wurde Dominik Brunner zu Tode geprügelt

Ein Fall von Jugendgewalt hatte die Öffentlichkeit ganz besonders bewegt: der Fall Brunner. Der 50-jährige Geschäftsmann hatte am 12. September 2009 in einer Münchner S-Bahn versucht, vier Schüler vor den Attacken zweier Jugendlicher zu schützen und wurde dabei selbst zum Opfer. Nachdem Brunner einem der Täter ins Gesicht schlug, prügelten die beiden Jugendlichen Brunner nieder. Der 50-Jährige erlitt schwerste Verletzungen durch Hiebe und Tritte, auch gegen den Kopf. Brunner stirbt, wie später eine Untersuchung ergibt, an Kammerflimmern seines bereits vorgeschädigten Herzens. Ausgelöst wurde das Kammerflimmern demnach durch die Prügelattacke. Die Täter waren zwei 17 und 18 Jahre alte Jugendliche aus instabilen familiären Verhältnissen, die bereits vorbestraft waren.

Dass aber nicht nur aktenkundige Jugendliche aus schwierigen Familienverhältnissen zur Gewalt neigen, zeigt der aktuelle Fall in Berlin. Der 18-jährige Täter aus Berlin soll aus einer intakten Familie stammen, sein Vater ist Jurist. Der Täter selbst hatte bis zu dem Zeitpunkt keinerlei Vorstrafen. Und trotzdem ging er auf einen wildfremden Mann los und trat auf ihn ein. Auch dann noch, als dieser längst bewusstlos war.

Als eine Konsequenz aus dieser und aus weiteren Gewalttaten verstärkten der Berliner Senat und die Berliner Verkehrsbetriebe die Sicherheitsvorkehrungen in den U-Bahnhöfen der Hauptstadt.

Autorin: Milena Furman (dpa, afp, dapd)
Redaktion: Ursula Kissel