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Berlin

Berliner Polizei sucht erneut U-Bahntreter

Wieder kam es zu einer Gewalttat auf einer Berliner U-Bahntreppe: Am Alexanderplatz stößt ein Unbekannter einen anderen Mann die Stufen hinunter. Die Polizei erhält zahlreiche Hinweise.

So sind nach der Veröffentlichung von Bildern des brutalen Angriffs (Artikelbild) bei der Berliner Polizei innerhalb eines Tages rund 40 Meldungen eingegangen. "Jedem Hinweis wird nachgegangen", sagte eine Polizeisprecherin.

Bei dem Angriff in der Nacht zum 11. Juni soll ein Unbekannter das 38-jährige Opfer eine Treppe hinunter gestoßen haben. Wie die Polizei berichtete, schlug der etwa 30 bis 40 Jahre alte Mann dem anderen Mann von hinten gegen den Kopf. Das Opfer erlitt nach Polizeiangaben durch den Sturz eine schwere Kopfverletzung und zahlreiche Prellungen am ganzen Körper. Der Mann musste im Krankenhaus behandelt werden. Die Polizei veröffentlichte Fahndungsfotos von der Tat und dem mutmaßlichen Täter.

Erst vor wenigen Tagen wurde ein sogenannter U-Bahntreter aus Neukölln zu zwei Jahren und elf Monaten Gefängnis verurteilt. Der Familienvater hatte im Oktober 2016 im U-Bahnhof Hermannstraße eine ahnungslose, junge Frau mit einem wuchtigen Tritt in den Rücken eine Betontreppe hinuntergestürzt. Der Vorfall hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Der Täter war Wochen nach dem Angriff gefasst worden, nachdem die Polizei Bilder aus Überwachungskameras veröffentlicht hatte.

Bereits vor einem Jahr erfolgte ein brutaler Angriff auf eine junge Frau in einem U-Bahnhof im Berliner Stadtteil Neukölln (picture-alliance/dpa/Polizei Berlin)

Bereits vor einem Jahr erfolgte ein brutaler Angriff auf eine junge Frau in einem U-Bahnhof im Berliner Stadtteil Neukölln

Der CDU-Politiker und frühere Justizsenator, Thomas Heilmann, fordert den Ausbau der Videoüberwachung in Berlin. Er sagte dem Berliner Inforadio, er habe kein Verständnis dafür, dass der Tatverdächtige in der U-Bahn gefilmt werde, aber nicht auf dem Alexanderplatz selbst. In Berlin gebe es eine "Verhinderer-Koalition", zu der auch die FDP gehöre, begründete er. Es reiche eben nicht aus, vermehrt Kameras nur bei Großereignissen wie dem Pokal-Endspiel einzusetzen, ansonsten aber nicht. Sein Bündnis für mehr Videoüberwachung setze sich dafür ein, dass etwa 20 Prozent mehr Kameras im öffentlichen Raum aufgestellt werden als bisher.

Langer Ermittlungszeitraum

Dass die Polizei erst vier Wochen nach der Tat die Bilder aus der Überwachungskamera veröffentlicht hat, ist nicht ungewöhnlich. Zunächst versuchen die Ermittler, über andere Methoden an den Verdächtigen zu kommen, wie Polizeisprecherin Konstanze Dassler im rbb sagte: "Unsere Ermittler haben zunächst alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Sie haben Zeugen und den Geschädigten befragt. Nun sind sie an einen Punkt angekommen, wo wir mit der Veröffentlichung von Bildern uns Hinweise erhoffen", so Dassler.

Rechtlich ist eine Öffentlichkeitsfahndung nicht immer leicht zu rechtfertigen. Sie gilt immer auch als ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Verdächtigen und der Opfer, heißt es im rbb. Martin Steltner von der Staatsanwaltschaft Berlin spricht sich gegenüber dem rbb dafür aus, Öffentlichkeitsfahndungen nicht zu häufig zu nutzen, denn die Öffentlichkeit könnte "schnell müde werden von solchen Aufrufen." Es bestünde außerdem die Gefahr, dass Menschen voreilig vorverurteilt würden, so Steltner.

cgn/fab (dpa, rbb-online.de)