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Filme

Berliner Philharmoniker: Trip ins Nirgendwo

Die Berliner Philharmoniker müssen es Thomas Grube angetan haben. Nach dem Erfolg seines Dokumentarfilms "Rhythm is it" begleitet der Regisseur das Orchester jetzt auf seiner Asien-Tournee: "Trip to Asia"

Dirigent Simon Rattle und einige Musiker vor jubelnder Menge

In Asien begeistert empfangen: die Berliner Philharmoniker

Kisten werden verladen, eine große Maschine, ein ganzer Apparat setzt sich in Bewegung. Im Bauch des Flugzeugs Koffer und Equipment, oben drüber sitzen die Berliner Philharmoniker. 126 Musiker sind auf einem "Trip to Asia", unterwegs zu einer großen Asien-Tournee im Jahr 2005. Drei Wochen, vier Länder, sechs Städte galt es zu bewältigen. Vier Kameras waren immer mit dabei.

Musiker mit Geige auf Bett sitzend

Freizeit ist nicht

Bereits in seinem Film "Rhythm is it" hatte sich der Regisseur mit dem Orchester beschäftigt. Damals ging es um ein Projekt, in dem Jugendliche aus "Problemvierteln" durch die Musik neues Selbstbewusstsein bekommen sollen. Diesmal wendet er sich dem geschichtsträchtigen Orchester selbst und seinem Innenleben zu, seinem charismatischen Dirigenten, Sir Simon Rattle, und den 126 Musikern.

Gerangel am Küchentisch

Vor allem interessieren ihn die vier Neulinge, die für ein Jahr auf Probe im Orchester sind und die erst mit den Eigenheiten der Gruppe warm werden müssen. Das ist nicht immer ganz einfach. "Wenn eine Familie ein Adoptivkind aufnimmt müssen am Küchentisch alle rutschen." Und die alteingesessenen Musiker rutschen nicht immer gerne. Das muss am Ende auch Virginie Reibel feststellen. Die Piccolo-Flötistin wurde nach der Probezeit von den Kollegen nicht ins Orchester gewählt. Aber das ist "Trip to Asia" nur eine Randnotiz wert.

Menschen gehen über die Straße, Vogelperspektive

Asien sehen die Musiker meist nur von weitem

Der Film steht dem Haifischbecken Berliner Philharmoniker ansonsten ziemlich distanziert gegenüber. Der Stress, dem die Musiker ausgesetzt sind, und die Grabenkämpfe hinter den Kulissen, sieht man im Film nur selten. Was man sieht sind vor allem fließende Kamerabewegungen, eine wunderbare, perfekte Oberfläche. Und man hört Musik. Und zwar ständig. Das ist bei einem Film über ein Orchester zunächst mal wenig verwunderlich, aber zu der Musik der Konzerte kommt auch noch der Soundtrack von Simon Stockhausen. Er verbindet sich symbiotisch mit den Stücken von Strauss und Beethoven. Das ganze wird zu einem Klangteppich, der sich über alle Feinheiten, alle Nebengeräusche legt, so als wollte er Zweifel an der monumentalen Herrlichkeit gar nicht erst aufkommen lassen.

Eine Droge und ganz viele Junkies

Grube interviewt Dirigent und Musiker zu allerlei Themen. Besonders interessiert er sich dafür, was die Musik für sie bedeutet, was sie über das Innenleben des Orchesters denken, wie die Musiker im Probejahr klarkommen. Und dann erzählt zum Beispiel die Hornistin Sarah Willis, dass sie in ihrer Kindheit fürchterlich unbeliebt war und sich nur unter anderen Musikern wohlfühlte. Zack, und nach ein, zwei Sätzen springt der Film schon wieder zum nächsten Interviewpartner, und so geht es munter weiter. Am Ende jedes Themas, das der Film anschneidet, hat dann der charismatische Dirigent das Wort und darf so kluge, druckreife Dinge sagen wie "Einklang ist es, wonach wir streben" oder Musik sei "eine unschlagbare Droge. Und ich bin glücklich, ein Junkie zu sein, bis ans Ende meiner Tage!"

Musiker mit Schüler bei Meisterklasse

Einer der seltenen Momente des Kontakts mit asiatischen Musikern

Nur sieht der Zuschauer das, wovon Rattle erzählt, nur ganz, ganz selten. Zum Beispiel dann, wenn er die Musiker dabei beobachtet, wie sie in eine der seltenen Pausen ihre Umgebung auf dem eigens eingepackten Rennrad erkunden, in Shanghai eine Masterclass geben, und mit dem Asien, dass sie sonst immer nur aus dem Hotelfenster oder vom Flugzeug aus sehen, wirklich in Kontakt treten. Oder wenn sie bei ihrem Konzert in Taipeh wie Rockstars von abertausenden jubelnden Menschen empfangen werden. Dies sind die wenigen Momente des Films, in denen man auch als Zuschauer das Gefühl hat, den Menschen ein bisschen näher zu kommen. Es sind die starken Momente des Films, der fast anderthalb Stunden braucht, um zur Ruhe zu kommen, den Zuschauer Luft holen, denken, schauen zu lassen.

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