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Politik

Berliner lehnen Religion als Pflichtfach ab

In Berlin wird Religion weiterhin kein reguläres Schulfach sein. Ein Volksentscheid der Initiative "Pro Reli" zur Aufwertung des freiwilligen Religionsunterrichts zum Pflichtfach scheiterte klar.

Frau mit Luftballons (Foto: dpa)

Es hat nichts genutzt: Eine Anhängerin von "Pro Reli" verteilt Luftballons

Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis sprachen sich am Sonntag (26.04.2009) nur 14,2 Prozent aller Wahlberechtigten für den Gesetzentwurf der Initiative "Pro Reli" aus. Nötig wären eine Mehrheit bei 25 Prozent aller Wahlberechtigten gewesen. Außerdem hätte sich die Mehrheit aller Abstimmenden für den Antrag aussprechen müssen. Auch das geschah nicht: Von den Berlinern, die an der Abstimmung teilnahmen, stimmten 51,3 Prozent gegen die Initiative und nur 48,4 Prozent dafür. Die Beteiligung bei dem Referendum lag bei 29,2 Prozent.

Damit bleibt der klassische Religionsunterricht weiterhin ein freiwilliges Zusatzfach. Seit 2006 wird auf Betreiben des rot-roten Senats das Pflichtfach Ethik an den Berliner Schulen ab der siebten Klasse unterrichtet, Religionsunterricht kann zusätzlich freiwillig besucht werden. Bei einem Erfolg der Initiative "Pro Reli" hätten Schüler zwischen Ethik und Religion wählen können.

Wowereit fühlt sich in seinem Kurs bestätigt

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (Foto: dpa)

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit konnte sich durchsetzen

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sprach von einer Bestätigung seiner Politik. Selbst unter den Kirchenmitgliedern habe nur ein Bruchteil für die Initiative gestimmt. Der "Pro Reli"-Vorsitzende Christoph Lehmann räumte die Niederlage ein, sagte aber: "Wir haben eine ganze Menge in dieser Stadt bewegt." Der Berliner Erzbischof Kardinal Georg Sterzinksy sagte, die Initiative habe "Mut gemacht, weiter zu kämpfen". Für die Initiative hatte sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eingesetzt.

Der rot-rote Senat unter Leitung Wowereits hatte das Pflichtfach Ethik vor drei Jahren eingeführt, um die Integration von Schulkindern aus Einwandererfamilien - etwa aus der Türkei oder den arabischen Ländern - zu fördern. Kinder aus verschiedenen Kulturen und mit verschiedenen Religionen sollen im Ethik-Unterricht gemeinsam über Werte, Toleranz und Glauben sprechen. Anlass der Entscheidung war ein so genannter "Ehrenmord" an einer jungen Türkin. Gegen das Pflichtfach Ethik regte sich von Anfang an Widerstand bei der CDU, der FDP und den Kirchen. (mm/je/dpa/ap/afp/kna/epd)