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Berlinerisch

Berliner Lebensgefühl: Die Chansonette Claire Waldoff

"Nach meine Beene is ja janz Berlin verrückt" sang Marlene Dietrich in den 1960er Jahren. Ursprünglich stammt das Lied von der Chansonette Claire Waldoff. Beide sind bis heute eng mit Berlin und seinem Dialekt verbunden.

Im Berliner Dialekt:
Jüngst sprach zu mir mal meine olle Tante:
"Du, Mädel, höre mal vernünftig zu,
ick rate dir im Juten als Verwandte –
Lass bloß de Männer jederzeit in Ruh!

Die faulen Köppe wollen bloß poussieren,
und die Bescherung hast du dann zuletzt."
Da rief ick aus: "Ick lass ma nich verführen!"
Von mir wird jeder Mann doch nur versetzt!

Und trotzdem laufen kreuz und quer
doch stets de Kerle hinterher!
Mir hat ja die Natur verliehen,
de scheensten Beene von Berlin,

Nach meine Beene is ja janz Berlin verrückt,
mit meine Beene hab ich manchet Herz jeknickt,
und zeig ick meine Beene voller Intelljenz,
denn schlag ick ausm Felde jede Konkurrenz!

Im Lunapark besah ick mir dit Neuste.
Een Herr, der führte mir in‘t Wackeltopp.
Da wurde mir der Fatzke ziemlich dreiste,
drum jab ick ihm ne Schelle an‘n Kopp.

Er war nich bös und ging mit mir soupieren,
doch unterm Tisch – ach, denken Sie sich bloß! –
wollt er mit meine Beene gleich poussieren,
das Telegrafieren ohne Draht ging los.
Und voller Wut schrie ick wie toll:
"Bei Ihnen, Mensch, da piept et wohl!
Sie haben wohl – tidelititi" –
da sagte er: "Isch bitte Sie!

Nach Ihre Beene is ja janz Berlin verrickt!
Mit Ihre Beene ham Se mir mein Herz jeknickt!"
Da sacht ick janz jelassen zu dem Bösewicht:
"Mit meine Beene machen Se die Dinger – nicht!"

Die hochdeutsche Übersetzung:
Jüngst sprach zu mir mal meine alte Tante:
"Du, Mädchen, höre mal vernünftig zu,
ich rate dir im Guten als Verwandte:
Lass bloß die Männer jederzeit in Ruh!

Die faulen Köpfe wollen bloß poussieren (gemeinsam ausgehen, knutschen),
und die Bescherung hast du dann zuletzt!"
Da rief ich aus: "Ich lasse mich nicht verführen!
Von mir wird jeder Mann doch nur versetzt!"

Und trotzdem laufen kreuz und quer,
doch stets die Kerle hinterher.
Mir hat ja die Natur verliehen,
die schönsten Beine von Berlin!

Nach meinen Beinen ist ja ganz Berlin verrückt,
mit meinen Beinen hab ich manches Herz geknickt.
Und zeig ich meine Beine voller Intelligenz,
dann schlag ich aus dem Felde jede Konkurrenz!

Im Lunapark (Vergnügungspark) besah ich mir das Neueste.
Ein Herr, der führte mich ins Wackeltopp (frühes Kino – Kintopp),
da wurde mir der Fatzke (Schimpfwort für einen Mann) ziemlich dreist,
darum gab ich ihm eine Ohrfeige an den Kopf.

Er war nicht böse und ging mit mir soupieren (ins Lokal ausführen),
Doch unterm Tisch – ach, denken Sie sich bloß! –
wollte er mit meinen Beinen gleich poussieren,
das "Telegrafieren ohne Draht" (flirten) ging los.
Und voller Wut schrie ich wie toll:
"Bei Ihnen, Mensch, da piept es wohl!
Sie haben wohl – tidelititi –"
da sagte er: "Ich bitte Sie!

Nach Ihren Beinen ist ja ganz Berlin verrückt!
Mit Ihren Beinen haben Sie mir mein Herz geknickt!"
Da sagte ich ganz gelassen zu dem Bösewicht:
"Mit meinen Beinen machen Sie diese Dinge – nicht!"

Liedtext: Friedrich Wilhelm Hardt

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