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Berliner Funkturm: historisches Wahrzeichen an historischem Ort

3. September 2009

Die IFA findet an historischem Ort statt: In den Messehallen am Funkturm begann die Geschichte der Funkausstellungen. Hier nahm am 3. September 1926 der Berliner Funkturm seinen Betrieb auf.

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Der Berliner Funkturm bei Nacht (Foto: dpa)
Bild: picture-alliance / ZB

In Silbergrau am Tag und in einem warmen Gelb in der Nacht, so strahlt der Funkturm den Berlinern und ihren Besuchern entgegen, wenn sie sich über die Avus oder die Stadtautobahn dem Messegelände nähern.
Die Geschichte dieses Berliner Wahrzeichens begann an einem sonnigen Spätsommertag mit einer pompösen Einweihungsfeier für das mit 150 Metern damals höchste Bauwerk in Deutschland. Die Feier war zugleich die erste Übertragung in den Äther über den neuen Sender Lietzensee. Leider ist davon nichts mehr erhalten geblieben. Die Archivierung der Radiosendungen begann aus technischen Gründen erst drei Jahre später.

Die Geschichte des Funkturmes ist so wechselvoll wie die der Stadt. Die Flammen des Großfeuers, das im August 1935 in einer Halle an seinem Fuß ausbrach, schlugen bis in 55 Meter Höhe und zerstörten Teile der Plattform mit dem Schwebenden Restaurant. Und im Krieg, so weiß Michael Hofer, Pressesprecher der Berliner Messe, da standen die Zeichen gar auf Abriss, nachdem die Standfestigkeit des Bauwerks arg bedroht war:

Alte Postkarte des Berliner Funkturms, ca. 1930 (Sammlung Archiv f.Kunst & Geschichte)
Berliner Funkturm - Postkarte von 1930Bild: dpa/pa

"Er stand auf drei Beinen, weil ein Granatwerfer ihm ein Bein weggeschossen hat", sagt Hofer. "Trotz dieser Dreibeinigkeit ist er stehen geblieben. Heute steht er wie eh und je fest verankert auf seinen KPM-Porzellanfüßen." Die 600-Tonnen-Last des Stahlgitter-Turmes ruht in der Tat auf einer Art von Porzellantellern mit einem Durchmesser von nur 30 Zentimetern. Das Signet KPM belegt ihre edle Herkunft aus der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin.

Den Besuchern wird dieses Detail kaum auffallen. Sie sind erst einmal überrascht von der winzigen Fahrstuhlkabine, aber dann um so mehr beeindruckt von der Geschwindigkeit des Gefährts. Mit vier Metern pro Sekunde geht es hinauf zur Aussichtsplattform in 138 Metern Höhe.
Und schon während der Fahrt geben die Glaswände den eindrucksvollen Blick frei auf das Berliner Häusermeer und auf die silbrig schimmernden Seen im unendlichen Grün der Wälder. Nach dem Schau-Erlebnis lädt das Restaurant zur Einkehr. Die Küche ist ausgezeichnet und das Interieur nahezu original aus den 20er Jahren, von der weißen Lammellendecke bis zu den Intarsien an Wänden und der Theke aus wertvollen Hölzern und Perlmutt.

Rund 270.000 Besucher zieht es jährlich auf den Turm. Obwohl es seit 1969 den 365 Meter hohen Fernsehturm am Alexanderplatz gibt, ist die Liebe der Berliner zum Funkturm ungebrochen.
"Die Brandenburger, aber auch die Touristen aus der ganzen Welt kümmern sich um den Turm und schalten die Medien ein wenn ihnen etwas nicht passt - und das ist auch bei der Beleuchtung passiert", so Hofer. Aus Kostengründen sollte eigentlich die Beleuchtung zwischen 2.00 Uhr und 4.00 Uhr nachts ausgeschaltet werden - doch dann hat sich ein Sponsor gefunden, der Geld zur Verfügung gestellt hat, damit der Funkturm auch nachts leuchten kann. "Und nun strahlt er wieder."

Als Funkturm im ursprünglichen Sinn hat er ausgedient, vom Funkverkehr für Polizei, Feuerwehr und Taxi einmal abgesehen. Aber als freundlich leuchtendes Wahrzeichen strahlt er - besonders nachts - dem Ankömmling schon von weitem entgegen und vermittelt so etwas wie eine Botschaft oder Gewissheit. "Wenn man von auswärts nach Berlin kommt, sieht man den Turm. Er strahlt, und man weiß, man ist wieder zu Hause."

Autor: Werner Herzog, Kalenderblatt.de
Redaktion: Hartmut Lüning

Der Berliner Funkturm - im Hintergrund der Fernsehturm (Foto: AP)
Der Berliner Funkturm - im Hintergrund der FernsehturmBild: AP
Im Funkturmrestaurant in 55 m Höhe, Aufnahme von 1936
Im Funkturmrestaurant in 55 m Höhe, Aufnahme von 1936Bild: dpa/pa