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Skandalflughafen BER

Berliner Flughafenchef Mühlenfeld bleibt im Amt - vorerst

In der Führungskrise um den neuen Hauptstadtflughafen BER ist die Entscheidung vertagt worden. Die Sondersitzung des Aufsichtsrats endete ohne Beschluss. Das Kontrollgremium will am Montag weiter beraten.

Karsten Mühlenfeld (picture-alliance/dpa/Bernd Settnik)

Die Zitterpartie ist für Flughafenchef Karsten Mühlenfeld noch nicht vorbei

Sind die Tage von Karsten Mühlenfeld als Geschäftsführer gezählt? Das Krisentreffen des BER-Aufsichtsrats in Berlin ist in der Nacht zum Donnerstag "nach ergebnisoffener Diskussion unterbrochen" worden, wie die Flughafengesellschaft anschließend mittteilte. Die Beratungen sollen nun am kommenden Montag fortgesetzt werden.

Die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund sind gemeinsam Inhaber des Unternehmens, das den skandalträchtigen neuen Berliner Großflughafen BER baut. Berlin und der Bund sind verärgert über Mühlenfelds Personalentscheidungen auf der Baustelle des drittgrößten deutschen Airports und sehen das Vertrauensverhältnis erschüttert. Unklar ist jedoch, ob Mühlenfeld dabei Regelverstöße beging.

Wie nach der Sitzung verlautete, war auch eine Mehrheit der Arbeitnehmervertreter in dem Gremium zu einem Rauswurf des Ingenieurs bereit. Berlin schlug vor, dass der Flughafenkoordinator der Senatskanzlei, Engelbert Lütke Daldrup, vorübergehend die Geschäfte führt, bis ein geeigneter Nachfolger gefunden wird. Doch Eigentümer Brandenburg warnte davor, den Geschäftsführer vor die Tür zu setzen. Potsdams Flughafenkoordinator und Vize-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider mahnte alle Beteiligten, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Neuer Bauleiter

Nach neuen Verzögerungen auf der Baustelle hatte Mühlenfeld in der vergangenen Woche den Bauleiter ausgewechselt. Auf Technikchef Jörg Marks folgte der Ex-Bahn-Manager Christoph Bretschneider - obwohl die Flughafen-Eigner dagegen waren. Der Bund verlangte daraufhin die Sondersitzung.

Differenzen gibt es auch über die Aussage des Flughafenchefs, Berlin sei über die Nachfolger-Suche informiert gewesen. Die Senatskanzlei widersprach dem. Bretschneider wurde auf Honorarbasis angeheuert. Ab einem Gesamthonorar von 120.000 Euro im Jahr muss dies vom Aufsichtsrat gebilligt werden.

Deutschland BER Rolltreppe (picture-alliance/dpa/P. Pleul)

Nur eine von vielen Pannen am BER: Die Rolltreppe zum unterirdischen Bahnhof ist zu kurz geraten

Fluggesellschaften gegen Rauswurf Mühlenfelds

Vor dem Krisentreffen warnten auch die deutschen Fluggesellschaften vor einem Rauswurf Mühlenfelds. "Auch wenn zwischenzeitlich klar ist, dass eine Inbetriebnahme des BER in 2017 nicht mehr erfolgen kann, so wäre es aus unserer Sicht sehr fraglich, ob ein erneuter Wechsel in der Geschäftsführung einer baldigen Fertigstellung und Inbetriebnahme des BER zuträglich wäre", heißt es in einem Brief des Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Fluggesellschaften (BDF), Ralf Teckentrup, an den Chef des Aufsichtsrates, Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD).

Spitzenvertreter der Fraktionen im Brandenburger Landtag betonten, der personelle Konflikt dürfe nicht das Ziel überdecken, den Flughafen möglichst schnell fertigzustellen. Die CDU in Berlin warf dem Aufsichtsrat vor, die Geschäftsführung zu sehr zu gängeln. "Ein Aufsichtsrat ist kein Politbüro."

Die Eröffnung des Flughafens war seit dem Baubeginn 2006 schon fünf Mal verschoben werden, das Projekt ist inzwischen mehr als fünf Jahre im Verzug. Grund sind Technikprobleme, Fehlplanungen und Baumängel. Die Baukosten stiegen seit dem ersten Spatenstich von zwei Milliarden Euro auf 6,5 Milliarden.

se/mas (dpa, afp)

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