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Welt

Berliner demonstrieren für Badawi

1000 Peitschenhiebe und ein Jahrzehnt im Gefängnis. Die Strafe für den Blogger Raif Badawi kann nur noch ein königliches Dekret abwenden. Seine Unterstützer wollen ihn nicht aufgeben.

Demonstranten mit Transparent Foto: Heiner Kiesel

Ein fester Termin im Botschaftsviertel der Hauptstadt: Amnesty-Demo für Raif Badawi

Am Gehsteigrand, mit dem Rücken zur saudischen Botschaft steht Florian Oswald. Der Sprecher der Berliner Amnesty-Gruppe ist einer von denen, die dafür sorgen, dass jeden Donnerstag genügend gelbe Leibchen mit dem Amnesty-Logo, Plakate und Transparente zur Verfügung stehen. Seit Februar geht das nun so. Jede Woche versammelt sich hier eine Gruppe, manchmal nur ein Grüppchen von Aktivisten, um gegen die Bestrafung von Raif Badawi zu demonstrieren. Der Blogger aus Saudi-Arabien ist für seine Veröffentlichungen zu 10 Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilt worden.

Florian Oswald Foto: Heiner Kiesel

Florian Oswald ist für die Organisation verantwortlich

"Bloß weil er seine Meinung gesagt hat", sagt Oswald und zupft kurz an dem Riemen, den er über die linke Schulter gelegt hat. Daran hängt ein Megafon. Das externe Mikrofonteil hebt er nun auf Kinnhöhe. "Jetzt rufen wir alle 'Freiheit für Raif Badawi'." Um die 40 sind heute da und stimmen ein – vielleicht ein bisschen lauter als sonst, denn es gibt neue, schlechte Nachrichten aus Saudi-Arabien. Am vergangenen Wochenende hat ein Berufungsgericht die Strafe für Raif Badawi bestätigt. "Wir haben Angst, dass Morgen mit der Auspeitschung weiter gemacht wird", erklärt Oswald.

Oppositionspolitiker reihen sich ein

Die Demonstranten haben sich in einer Reihe nebeneinander aufgestellt. Schön dicht, damit die Versammlung auf den Bildern der Pressefotografen ein bisschen mehr nach "viel" aussieht. In der Mitte steht heute die Grünen-Vorsitzende Simone Peter und die Grünen-Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner und skandieren mit. "No Flogging for Blogging" ist jetzt dran. Peter sieht die Gruppe als Beispiel für die wachsende Bedeutung, die die Menschenrechte in der Gesellschaft gewännen. "Es ist wichtig, das wir heute hier stehen und gegen die Bestrafung demonstrieren, wir sind viele, überall auf der Welt." Vor ein paar Wochen hat sie Badawis Frau kennengelernt, die von Kanada aus für die Freiheit ihres Mannes kämpft, diese Begegnung sporne sie an, meint Peter. Von der Bundesregierung erhofft sich die Oppositionspolitikerin endlich ein klares Zeichen. "Es gibt zu viele schöne Worte und zu wenige Taten."

Der ehemalige Akademie-Präsident Klaus Staeck (rechts), Grünen-Chefin Simone Peter und Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner mit Plakaten Foto: Heiner Kiesel

Der ehemalige Akademie-Präsident Klaus Staeck (rechts), Grünen-Chefin Simone Peter und Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner zeigen Präsenz für den inhaftierten Blogger Badawi

Rechts neben den Grünen-Politikerinnen steht der ehemalige Präsident der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck. Er ist auch nicht zum ersten Mal dabei. "Unser Prinzip ist es dran zu bleiben", sagt der 77jährige Künstler und Jurist. Aber wie behält man in dieser Situation die Zuversicht, dass Badawi freikommen könnte? Verfahrenstechnisch könnte jetzt nur noch König Salman Ibn Abd al Aziz die weitere Vollstreckung der brutalen Körperstrafe verhindern: noch 19 mal 50 Hiebe, lebensgefährlich. "Badawi ist erst dann verloren, wenn man sich nicht mehr um ihn kümmert", warnt Staeck.

Unermüdliches Engagement

Deutschland Demo für die Freilassung Raif Badawis in Berlin

Gloria Treichel ist von Anfang an dabei, um für die Freiheit des saudischen Bloggers zu kämpfen

Dass das erst mal nicht passieren wird, liegt auch an Menschen wie Gloria Treichel. Sie hält der Botschaft auf der anderen Straßenseite ein "Stop-Folter" –Transparent entgegen. Die gelben Buchstaben gleißen in der Mittagssonne. "Ich bin mindestens jede zweite Woche hier", berichtet sie. Ihre Stimme überschlägt sich, so heftig ruft sie "Freedom for Raif Badawi", den Slogan hat der Mann mit dem Mikrofon jetzt vorgegeben.

"Wie kann ein König nur so hart gegen sein Volk sein", fragt sich Treichel in einer kurzen Pause zwischen den Sprechchören, "das ist doch eine Situation in Saudi-Arabien wie im Mittelalter". Im Winter hat sie hier im Berliner Botschaftsviertel gefroren, jetzt hat sie eine dunkle Sonnenbrille aufgesetzt und feine Schweißperlen auf der Stirn. Sie wird nicht aufhören zu demonstrieren. "So ist es nicht richtig, Raif muss einfach wieder zu seiner Familie zurück."

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