Berlinale: Missbrauchsvorwürfe gegen koreanischen Regisseur | Filme | DW | 13.02.2018
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Filme

Berlinale: Missbrauchsvorwürfe gegen koreanischen Regisseur

Regisseur Kim Ki-duk bestreitet die Vorwürfe, eine Schauspielerin am Set sexuell belästigt zu haben. Auf der Berlinale darf er seinen Film zeigen. Andere Produktionen hat das Festival wegen ähnlicher Vorwürfe abgewiesen.

Regisseur Kim Ki-Duk 2012 in Venedig (Gareth Cattermole/Getty Images)

Regisseur Kim Ki-Duk gewann 2012 mit seinem Film "Pietà" den Goldenen Löwen in Venedig

Ganz bewusst habe die Berlinale den mit Gewaltvorwürfen konfrontierten südkoreanischen Regisseur Kim Ki-duk zum diesjährigen Filmfestival eingeladen. Man wolle damit einen Beitrag zu diesem schwierigen, aber wichtigen Thema leisten, erklärte Paz Lázaro, Leiterin der Sektion Panorama bei der Berlinale, am Montag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. "Kim Ki-duk hat uns zugesagt, sich dieser Debatte, die über seinen Film hinausgehen mag, zu stellen", so Lázaro. Es sei eine bewusste kuratorische Entscheidung gewesen, ihn einzuladen.

Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs eingestellt

Eine südkoreanische Schauspielerin, die anonym bleiben will, hatte dem Regisseur vorgeworfen, sie 2013 bei den Dreharbeiten zu seinem Film "Moebius" mit Gewalt zu nicht im Drehbuch enthaltenen Sex- und Nacktszenen gezwungen zu haben. Den Vorwurf der Gewalt am Set bestätigte ein südkoreanisches Gericht laut Medienberichten und verurteilte den 57-jährigen Kim Ki-duk. Er hatte zugegeben, die Schauspielerin während der Dreharbeiten geohrfeigt zu haben. Im Dezember 2017 zahlte er die ihm dafür vom Gericht auferlegte Geldstrafe von fünf Millionen Won (rund 3800 Euro).

Berlinale-Direktor Dieter Kosslick (picture-alliance/dpa/B. Pedersen)

Berlinale-Direktor Dieter Kosslick will Kim Ki-duk nicht vorverurteilen

Den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs bestreitet der Filmemacher allerdings weiterhin. Er wurde von einem Gericht wegen des Mangels an Beweisen im vergangenen Jahr zurückgewiesen. Die Schauspielerin ging daraufhin in Berufung. Berlinale-Direktor Kosslick betonte, dass die Berlinale den Regisseur nicht vorverurteilen möchte und will Kim Ki-duks aktuellen Film "Human, Space, Time and Human" zeigen. "Selbstverständlich verurteilen wir jegliche Gewalt am Set, egal ob sexueller oder anderer Natur", betonte Kosslick erneut. Andere Filme hat er nach eigenen Angaben wegen laufender Missbrauchsvorwürfe zurückgewiesen. Titel und Namen nannte er nicht.

Kim Ki-duk ist einer der bedeutendsten Regisseure Südkoreas. Seine Filme befassen sich häufig mit Themen wie Gewalt, Sadismus und Ausbeutung auch zwischen Männern und Frauen, sowie gegenüber Kindern. Für sein Drama "Pietà" gewann Kim 2012 den Goldenen Löwen in Venedig. Dies war der erste Hauptpreis eines großen internationalen Festivals für einen koreanischen Film.

Online-Petition für schwarzen Teppich

Die Schauspielerin Claudia Eisinger forderte Berlinale-Direktor Dieter Kosslick unterdes auf, angesichts der #MeToo-Debatte den roten Festivalteppich schwarz einzufärben. "In Hollywood trugen die Schauspielerinnen schwarz. In Berlin wollen wir einen schwarzen Teppich", schreibt Eisinger in einer Petition auf der Kampagnenplattform "change.org". Sie fordert: "Färben Sie den roten Berlinale-Teppich schwarz und setzen Sie ein Zeichen gegen sexistische Übergriffe, Diskriminierung und Missbrauch in der Filmbranche." Bis zum Dienstagmittag haben sich rund 16.800 Menschen der Petition angeschlossen. Im DW-Interview betonte Kosslick, mit unterschiedlichen Aktionen und Veranstaltungen im Programm der diesjährigen Berlinale den Themen sexueller Nötigung, Diversity und Geschlechter-Gleichheit gerecht werden zu wollen.

Die Berlinale beginnt am Donnerstag (15. Februar). Mit mehr als 300.000 verkauften Tickets ist sie das weltweit größte Publikumsfestival. In elf Tagen sind 385 Filme aus aller Welt zu sehen. Zum Abschluss werden die begehrten Bären-Trophäen vergeben.

fs/ld (mit dpa, tagesspiegel.de, change.org)

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