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Medienentwicklung

Berlinale: Auf Tuchfühlung mit den Profis

Seit zehn Jahren laden wir Filmfestival-Leiter aus Afrika, Asien und Lateinamerika nach Berlin ein. In dem fünfwöchigen Training geht es um Filmanalyse und -auswahl, Festivalorganisation, Finanzierung und Netzwerken.

Magdalene Reddy kennt das schon: die langen Ticket-Schlangen, die Horden an Film-Enthusiasten, die Vorzüge einer Festival-Akkreditierung - und den deutschen Winter. 2011 war sie Teilnehmerin des fünfwöchigen Trainings "Filmfestival- und Event-Management" der DW Akademie - nun ist sie als Trainerin nach Berlin zurückgekehrt. "Es ist ein tolles Gefühl, wieder hier zu sein, vor allem in einer neuen Rolle. Ich bin dank des Trainings vor zwei Jahren sehr gewachsen und finde es wichtig, meine Erfahrung mit der jetzigen Gruppe zu teilen", sagt Reddy, Mitarbeiterin des Durban Film Festival in Südafrika. Ihre Erfahrungen in Berlin hätten ihr und ihren Kollegen geholfen, das Ticketing ihres Festivals zu verbessern und - ähnlich wie der European Film Market der Berlinale - ein eigenes Branchentreffen der Filmindustrie zu entwickeln.  

(Foto: DW Akademie/Nadine Wojcik).

Projektmanagerin Pamela Schobess mit Teilnehmer Nathan Kiwere aus Uganda

Seit zehn Jahren lädt die DW Akademie Leiter, Mitarbeiter und Programmgestalter von Filmfestivals in Afrika, Asien und Lateinamerika nach Berlin ein. Dahinter steckt die Idee, dass eine lokale Filmindustrie nicht nur gesellschaftspolitisch unverzichtbar ist, sondern auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sein kann. Filmfestivals spielen dabei eine große Rolle. "Wir wollen mit unserem Workshop dazu beitragen, dass sich die einzelnen Festivals professioneller aufstellen können. Dazu gehört neben verschiedenen organisatorischen und programmplanerischen Fähigkeiten vor allem auch ein breites Netzwerk untereinander", sagt Pamela Schobess, Projektmanagerin der DW Akademie. Das Networking beginne bereits im Kleinen unter den Seminarteilnehmern und "potenziert sich dann natürlich enorm während der Berlinale."

Kampf um Finanzierung

Zum ersten Mal sind in diesem Jahr Festivalleiter aus Laos und Bhutan dabei. Sowohl für Siphai Thammarong als auch für Tshering Dorji ist die Berlinale das erste große internationale Filmfestival, das sie miterleben. "Das ist zwar nicht unsere Größenordnung, doch in Sachen Festival-Organisation und Ticketverkauf habe ich bisher viel dazu gelernt", sagt Siphai Thammarong, Manager beim Luangprabang Filmfestival.

Workshop-Teilnehmer Tshering Dorji aus Bhutan mit seiner Berlinale-Akkreditierung (Foto: DW Akademie/Nadine Wojcik).

Tshering Dorji aus Bhutan

"Jeder Moment hier in Berlin ist eine Lern-Erfahrung für mich", sagt Tshering Dorji. In Bhutan fehle es an allen Ecken und Enden. "Während sich hier einige über fehlende Finanzierung und Low-Budget Produktionen beschweren, müssen wir in meinem Land mit No-Budget kämpfen", erzählt Tshering Dorji, der eine eigene Theatergruppe leitet und ehrenamtlich bei zwei nationalen Filmfestivals in Bhutan arbeitet. "Aber gerade deswegen sind die Kenntnisse rund um eine effiziente Festivalorganisation, die mir hier vermittelt werden, so wertvoll für mich", so Dorji weiter.

Genau darum geht es während des DW Akademie Trainings. Den Teilnehmern sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie sie einzelne Bereiche ihrer Festivals organisatorisch verbessern können. "Obwohl die teilnehmenden Filmfestivalorganisatoren aus völlig unterschiedlichen Ländern kommen, so teilen sie doch alle die gleichen Probleme", so Pamela Schobess. "Neben einer fehlenden stabilen Finanzierung ist in der Regel der Mangel an ausgebildeten Mitarbeitern das größte Hindernis."

Festival der Enthusiasten

Auch für Schobess, die das Training bereits zum dritten Mal in Folge leitet, ist die Berlinale eine interessante Zeit: "Ich bin immer wieder verblüfft, mit welcher Energie und Leidenschaft die Teilnehmer ihre Festivals führen. Manche Festivalleiter haben in ihren Ländern mit hohen bürokratische Hürden zu kämpfen, dass ich durchaus nachvollziehen könnte, wenn der ein oder andere sagen würde: 'Ich will nicht mehr'." Allerdings würden nur die wenigsten das Handtuch werfen. "Sie kämpfen für ihre Festivals, weil sie überzeugt sind, dass mit Filmen viele wichtige Geschichten transportiert werden können - und wie notwendig das in ihren Ländern ist. Dieser Enthusiasmus ist wirklich ansteckend."

Teilnehmer des DW Akademie Workshops Filmfestival und Event-Management 2013 im Seminarraum (Foto: DW Akademie/Nadine Wojcik).

Carolina López Méndez (rechts) freut sich auf den Roten Teppich

Die elf Teilnehmer sind drei Wochen vor dem Start der Berlinale angereist. Ihr Programm umfasst Trainingseinheiten in Präsentation, Filmanalyse und -auswahl, Eventmanagement, Festivalorganisation und Sponsoring. Zeitgleich mit Beginn der Berlinale wurde das Training aus den Seminarräumen der DW Akademie zum Potsdamer Platz verlegt, ins Herz des Filmfestivals. Hier treffen die Teilnehmer aus Bangladesch, Bhutan, Bolivien, Laos, Mexiko, Nigeria, Pakistan Senegal, Tunesien, Trinidad und Uganda Berlinale-Mitarbeiter und Sektionsleiter zu Gesprächsrunden - und stürzen sich natürlich ins Festival-Leben samt Empfängen, Rundgängen und Einzelgesprächen.

Besonders intensiv wird es beim sogenannten "Shadowing". Je nach Fachgebiet verbringt ein Teilnehmer einen Tag mit einem Mitarbeiter der Berlinale. Carolina López Méndez aus Mexico beispielsweise wird Jolanda Darbyshire, Leiterin der Abteilung Eventmanagement, am Tag der Verleihung des Goldenen Ehrenbären im Berlinale-Palast begleiten. "Mit so einer Chance habe ich gar nicht gerechnet", freut sich Méndez, die beim Guanajuato International Film Festival im Bereich Sponsoring und Event-Koordination arbeitet. Zwischen all den Berlinale-Terminen wird sie jetzt auf jeden Fall noch eine kurze Shopping-Tour einlegen müssen. "Ich habe nur dicke Winterstiefel mit, auf den roten Teppich bin ich gar nicht vorbereitet!"

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01_02_2012 Themenbild für Newsletter Ansprechpartner für weitere Verwendungszwecke: Sabrina.Tost@dw-world.de

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