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Aktuell Deutschland

Berlin war offenbar Anschlagsziel

Berlin ist möglicherweise ins Visier von IS-Terroristen geraten. Nach Razzien in drei Bundesländern geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass mutmaßliche Islamisten einen Anschlag in der Hauptstadt planten.

Die Beamten schlugen zeitgleich in drei Bundesländern zu: Rund 450 Sicherheitskräfte durchsuchten am Morgen mehrere Wohnungen in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. In Berlin gab es zudem Razzien in einem Backshop und einem Kiosk. Ermittelt wird gegen vier Algerier im Alter zwischen 26 und 49 Jahren wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, wie die Polizei in Berlin mitteilte.

Drei Festnahmen

"Es geht um mögliche Anschlagsplanungen für Deutschland - konkret für Berlin", sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Berichte, denen zufolge ein Anschlag am Alexanderplatz im Berliner Stadtzentrum geplant gewesen sei, bestätigte er aber nicht.

Die Nachrichtenagentur dpa berichtet unter Berufung auf Sicherheitskreise, die Verdächtigen hätten sich in abgehörten Telefonaten über mögliche Anschlagsziele in Berlin unterhalten. In einem Telefonat sei es darum gegangen, ob etwa der "Checkpoint Charlie" im Stadtzentrum ein lohnendes Angriffsziel sei. Die Polizei bestätigte dies nicht. In Sicherheitskreisen hieß es, eine Verbindung zu den Terrorwarnungen an Silvester in München oder zur Absage eines Fußball-Länderspiels in Hannover im November sei derzeit nicht zu erkennen.

Bei dem Großeinsatz wurden nach Polizeiangaben zwei Männer und eine Frau wegen bereits vorliegender Haftbefehle festgenommen. Zudem seien Computer, Mobiltelefone und Aufzeichnungen beschlagnahmt worden.

Hauptverdächtiger reiste als Flüchtling nach Deutschland

Als Hauptverdächtiger der Terrorzelle gilt ein 35-Jähriger. Er und seine Ehefrau wurden in einem Flüchtlingsheim im nordrhein-westfälischen Attendorn festgenommen. Der Mann war offenbar als Flüchtling nach Deutschland eingereist. Zeitungen der Funke-Mediengruppe berichteten, er sei nach Angaben aus Sicherheitskreisen im Herbst über die Balkanroute nach Deutschland gekommen und in Bayern als Flüchtling registriert worden. Der Mann wurde demnach von den algerischen Behörden mit internationalem Haftbefehl gesucht. Ihm und seiner Ehefrau wird die Mitgliedschaft in der Dschihadistenorganisation "Islamischer Staat" (IS) vorgeworfen. Einem weiteren in Berlin Festgenommenen wird Urkundenfälschung vorgeworfen. Er soll Pässe gefälscht haben.

Verbindungen zu den Anschlägen in Paris?

Ein Verdächtiger, der jedoch nicht festgenommen wurde, soll nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa Verbindungen zu belgischen Islamisten haben. Der 26-Jährige, den die Polizei in Hannover antraf, sei erst vor wenigen Wochen mindestens einmal in die Brüsseler Gemeinde Molenbeek gereist, die als Islamistenhochburg gilt. Dort hatte der mutmaßliche Drahtzieher der Pariser Anschläge vom 13. November letzten Jahres, Abdelhamid Abaaoud, gelebt.

Nach einem Bericht des Berliner "Tagesspiegels" sollen führende Mitglieder des IS in Syrien den Anschlag in Auftrag gegeben haben. Dabei habe es sich zum Teil um dieselben IS-Kader gehandelt, die auch hinter den Anschlägen vom November in Paris gesteckt hätten, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Sicherheitsexperten.

cr/kle (dpa, afp, rtr, epd)