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US-Wahl 2016

Berlin vor der Wahl: Daumen drücken für Clinton

Amerika wählt - und Deutschland wartet gespannt auf den Ausgang der Wahl. Denn klar ist: Egal wer gewinnt, Europa wird mehr Verantwortung übernehmen müssen. Naomi Conrad aus Berlin.

Es gab eine Zeit, in der Michelle Offik sich nicht mehr im Ausland für die Politik ihres Landes entschuldigen musste und angefeindet wurde. Nachdem, wie sie sagt, "Obama unseren Ruf wiederhergestellt hat", konnte die 28-jährige Amerikanerin getrost durch Europa reisen, ohne sich rechtfertigen zu müssen. Das hat sich geändert: Seitdem Donald Trump auf die amerikanische Wahl-Bühne getreten ist, wird die Politikwissenschaftlerin, die seit zwei Jahren in Berlin lebt, regelrecht mit "Fragen bombardiert" sobald Leute erfahren, dass sie Amerikanerin ist. Sie könne das verstehen, sagt sie: "Ich weiß, wie viele Menschen weltweit auf die Wahl schauen."

Auch in Deutschland, wo laut einer kürzlich veröffentlichten Umfrage, lediglich vier Prozent Trump wählen würden: Denn die letzten Umfragen aus Amerika deuten auf ein enges und damit spannendes Rennen zwischen der ehemaligen Außenministerin und dem rechtspopulistischen Immobilienmilliardär.

An den Börsen herrscht Alarmbereitschaft: Trump sei ein "Börsenschreck", sollte er gewinnen, wäre beim Dax die Marke von 10.000 Punkten nicht zu halten, wird etwa der Aktienstratege Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets von Nachrichtenagenturen zitiert. 

Aber auch die Politik ist beunruhigt: Unlängst hat sich Bundespräsident Joachim Gauck zu Wort gemeldet und seine Sorge vor einem Wahlsieg von Donald Trump zum Ausdruck gebracht. "Was uns unter anderem Sorgen machen muss, ist seine Unberechenbarkeit", sagte er in einem Interview am Wochenende. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann erklärte am Dienstag auf die Frage eines Journalisten nach der Wahl: "Ich drücke beide Daumen für Hillary Clinton. Ich glaube, dass ihre Wahl das deutlich kleinere Übel ist."

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Wahlen in den USA begonnen

Deutschland mehr gefordert?

Ähnlich äußerte sich am Dienstag der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Norbert Röttgen (CDU), im Interview mit der DW: Trump habe seinen Charakter gezeigt, "der gibt hinreichend Grund zur Besorgnis." Aber egal wer gewinne, Europa werde mehr gefordert sein. "Die Amerikaner werden sich ein Stück weit zurückziehen und entweder entsteht ein Vakuum oder die Europäer füllen es."

Das sehen Experten ähnlich: Daniela Schwarzer von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Politik glaubt, dass Europa - egal ob unter Hillary Clinton oder Donald Trump - mehr internationale Verantwortung übernehmen muss. Und Deutschland wird, sagt sie, in den transatlantischen Beziehungen eine Schlüsselrolle zukommen. Denn "Washington sieht Berlin als wichtigen Ansprechpartner in der EU."

So ist es vielleicht auch nicht verwunderlich, dass bei der gemeinsamen Pressekonferenz von Angela Merkel und ihrer norwegischen Kollegin Erna Solberg am Nachmittag in Berlin Fragen nach der amerikanischen Wahl dominieren: Sie werde, so Merkel, mit Spannung das Ergebnis abwarten. Schließlich sagte sie dann doch so viel: Sollte Clinton gewinnen, "dann kommen wir dem Gleichgewicht von Frauen und Männern in führenden Positionen etwas näher."

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Die ultimative Zweikampf

Am späten Nachmittag meldet sich noch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SDP) zu Wort: Ihm werde überall geschrieben, dass das Verhältnis der USA zu Europa - selbst im Falle eines Wahlsiegs von Frau Clinton - notwendigerweise komplizierter werden müsse. Er aber, so Steinmeier, kenne Hillary Clinton noch als Außenministerin und habe diese Befürchtung zunächst einmal nicht.

Michelle Offik, die Politikwissenschaftlerin aus Amerika, gibt sich gelassen: Gewählt hat sie längst. Aber Angst, dass ihre Favoritin Clinton verlieren könnte, hat sie nicht. "Das ist doch wie bei der AfD und Pegida: Die machen viel Lärm, aber sind trotzdem keine Mehrheit." Jetzt müsse man, sagt sie, einfach die Ergebnisse der Wahlnacht abwarten: "Sich jetzt aufzuregen, bringt doch nichts."

 

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