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Politik

Berlin: Taliban führen 'Medienkrieg' gegen den Westen

Die Taliban führen nach Einschätzung des Auswärtigen Amtes auch einen Propagandakrieg gegen die westliche Welt. Dieser füge sich ein in eine Gesamtstrategie mit realen Handlungen wie Entführungen und Attentaten.

Demonstranten in Seoul

Demonstranten in Seoul fordern die Freilassung der Geiseln

Außenamtssprecher Jäger sagte am Donnerstag (26.7.) in der ARD, man habe es mit ausgemachten Profis - mit "Zeremonienmeistern des Terrors" - zu tun, die versuchten, auf die Diskussion in Europa Einfluss zu nehmen. Er äußerte die Vermutung, dass sich die Taliban derzeit "gezielt Deutschland zuwenden vor dem Hintergrund der Mandatsdebatte".

Teilweise entsteht laut Jäger der Eindruck, dass westliche Medien der Taliban-Propaganda auf den Leim gingen. "Man muss sich vorstellen: Da sitzt ein Mann mit Bart und Mobiltelefon im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet und schafft es, mit wenigen Anrufen ganz Deutschland in Aufregung zu versetzen." Aber auch Deutschland reagiere auf deren Äußerungen schnell und zeitnah. "Demokratien sind verwundbar, aber nicht wehrlos", sagte der Sprecher.

"Desinformationskampagne der Taliban"

Gernot Erler

Gernot Erler (Archivbild)

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, sprach in einem Fernseh-Interview von einer "Desinformationskampagne der Taliban" im Zusammenhang mit den Geiseldramen. Die Reaktionen der Taliban zeigen Erler zufolge, dass diese versuchen, durch Einflussnahme von außen das deutsche Engagement in Afghanistan zu reduzieren.

Im Herbst muss der Bundestag darüber entscheiden, ob der Bundeswehr-Einsatz im Rahmen der internationalen Schutztruppe ISAF, die Beteiligung an der Antiterror-Operation Enduring Freedom (OEF) und der Einsatz der Aufklärungstornados in Afghanistan verlängert werden. Die Kabinettsvorlage dazu soll nach Regierungsangaben in der zweiten Septemberhälfte erarbeitet werden, nachdem die Koalitionsfraktionen noch einmal darüber beraten haben.

Zur Situation des deutschen Bauingenieurs Rudolf B., der sich seit vergangener Woche in Geiselhaft in Afghanistan befindet, sagte Jäger, der Krisenstab arbeite rund um die Uhr mit hohem persönlichem Einsatz. "Wir bemühen uns intensiv um die Freilassung der deutschen Geisel."

Bangen um südkoreanische Geiseln

Die Leiche des in afghanischer Geiselhaft gestorbenen Bauingenieurs Rüdiger D. aus Mecklenburg-Vorpommern befand sich unterdessen in der Kölner Gerichtsmedizin zur Obduktion. Geklärt werden soll, ob der Mann während seiner Haft an Entkräftung gestorben ist oder getötet wurde. Erst Ende nächster Woche sollen endgültige Untersuchungsergebnisse vorliegen.

Indes geht das Bangen um 22 südkoreanische Geiseln in Afghanistan weiter. Nach dem Tod einer Geisel intensiviert die Regierung in Seoul ihre Bemühungen um die Freilassung der übrigen Landsleute aus der Geiselhaft der Taliban-Rebellen. Dazu schickte die Regierung am Donnerstag den Präsidentenberater für Sicherheitsfragen, Baek Jong Chun, nach Kabul. In Zusammenarbeit mit der afghanischen Regierung und anderen befreundeten Ländern will sich Baek um eine Lösung der seit einer Woche dauernden Geiselkrise einsetzen. (wga)

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